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Das Tor der Tore

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Das Golden Goal im Finale von '96 war Bierhoffs Durchbruch.

Von ANDREAS HUNZINGER

Oliver Bierhoff hat dieser Tage im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft auf Mallorca gesagt: "Das Tor war ein Meilenstein für meine Fußballerkarriere." Der Manager des DFB-Teams sprach vom 2:1-Siegtreffer in der fünften Minute der Verlängerung des EM-Endspiels von 1996 im Londoner Wembley-Stadion gegen Tschechien. Das Tor war in dreierlei Hinsicht bedeutsam: Es bescherte Deutschland nach 1972 und 1980 den dritten Titel bei der Kontinental-Meisterschaft. Es war das erste Golden Goal in der Geschichte des Fußballs. Und es war Bierhoffs endgültiger Durchbruch: "Damit bin ich auf die internationale Bühne getreten."

Bis zu diesem 30. Juni 1996 war der heute 40-Jährige in Fußball-Deutschland nicht wirklich als Qualitätsspieler ernst genommen worden. "Ich war ein kleines Licht", sagt Bierhoff im Rückblick. Sicher, man hatte registriert, dass sich der in der Bundesliga bei Bayer Uerdingen, dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach gescheiterte Strafraumstürmer über Casino Salzburg in Österreich und Ascoli Calcio in der italienischen zweiten Liga in die Serie A nach Udine emporgearbeitet und in 31 Saisonspielen immerhin 17 Treffer erzielt hatte. Aber wirklich überzeugt war man selbst beim DFB nicht von dem 1,90 Meter langen Kopfballspezialisten. Angeblich soll Monika, damals Ehefrau des damaligen Bundestrainers Berti Vogts, ihrem Gatten den letzten Anstoß gegeben haben, Bierhoff mit nach England zu nehmen.

Entsprechend spielte der gebürtige Essener bei der EM bis zum Finale eher eine Nebenrolle. Vogts setzte neben Kapitän Jürgen Klinsmann erst auf Fredi Bobic und Stefan Kuntz. Bierhoff durfte beim Auftaktsieg (Tore: Christian Ziege und Andreas Möller) gegen den späteren Endspielgegner Tschechien sieben Minuten auflaufen und im zweiten Gruppenspiel gegen Russland (Tore: Klinsmann/2 und Matthias Sammer) immerhin von Anfang an spielen.

Danach war erst mal Schluss. Ob beim 0:0 gegen Italien, als der überragende Torwart Andreas Köpke mit einem gehaltenen Elfmeter den Gruppensieg der Deutschen rettete, beim 2:1 im nickligen Viertelfinale gegen Kroatien (Tore: Sammer und Klinsmann) oder im Halbfinale gegen Gastgeber England, als Köpke im Elfmeterschießen gegen Gareth Southgate parierte und Möller den entscheidenden Strafstoß verwandelte: Bierhoff brummte auf der Bank, während das DFB-Team um den überragenden Libero Matthias Sammer, der zum besten EM-Spieler und später zu Europas Fußballer des Jahres gewählt wurde, weniger mit Brillanz als mit enormem Willen ins Finale vorstieß.

Dort angekommen, war zunächst mal der Kader wegen Verletzungen und Sperren derart ausgedünnt, dass der Freiburger Jens Todt nachnominiert und eingeflogen wurde. Im Spiel agierten die Deutschen überlegen, gerieten aber in Rückstand. Nach einem Foul von Sammer an Karel Poborsky verwandelte der Dortmunder Patrik Berger den fälligen Strafstoß zum 1:0 der Tschechen. Nach 69 Minuten holte Vogts schließlich die Brechstange heraus: Für den blassen Mehmet Scholl kam Bierhoff. Vier Minuten später köpfte er nach einem Freistoß von Ziege zum 1:1 ein. Und in der fünften Minute der Verlängerung trudelte der Ball nach einer hölzern wirkenden Drehung, einem Linksschuss und einer verunglückten Parade des tschechischen Torhüters Petr Kouba ganz langsam ins Netz. Deutschland war Europameister. Und Oliver Bierhoff berühmt.

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