Eine Klasse für sich: Tony Martin lässt sich feiern.
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Eine Klasse für sich: Tony Martin lässt sich feiern.

Radsport

Tony Martin fährt allen davon

  • Jörg Hanau
    vonJörg Hanau
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Nach dem Triumph im Einzelzeitfahren bei der Deutschen Straßenmeisterschaft in Einhausen plant Tony Martin den Gelb-Coup bei der Tour de France.

Die Grillkohle glühte bereits im Fahrerlager, als Tony Martin 100 Meter vor dem Ziel die Faust ballte. Ein paar Bratwürstchen im Kreise seiner eigens angereisten Familie waren der verdiente Lohn für den alten und neuen deutschen Zeitfahrmeister, der sich im südhessischen Einhausen seinen fünften nationalen Titel im Kampf um die Uhr sicherte.

Nach 45 Kilometern auf dem topfebenen Rundkurs rollte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister mit 2:10 Minuten Vorsprung zu Gold. Seine 52:10 Minuten für die dreimal 15 Kilometer bedeuteten ein Stundenmittel von 51,74 Kilometer. Damit war Martin erwartungsgemäß viel zu schnell für seine hoffnungslos unterlegenen 30 Konkurrenten, von denen Nikias Arndt (Team Giant-Alpecin) und der 2008 des Dopings überführte Stefan Schumacher (CCC-Sprandi) den Sprung aufs Podium schafften.

Natürlich war sein Sieg ein Muss. Dennoch, „ich bin überrascht, dass es schon so gut lief, weil ich nach der Dauphiné-Rundfahrt etwas müde war“, sagte Martin mit gebotener Vorfreude aufs durchgebratene Grillgut: „Es ist noch einmal schön, mit all meinen Lieben zusammenzusitzen und zu feiern.“

Die Meisterfeier soll aber nur ein Vorgeschmack sein. „Ich will Gelb“, sagte er. Das müsse sein Anspruch sein vor der in einer Woche mit einem 13,8 Kilometer Zeitfahren beginnenden Tour de France. „Um die erste Tour-Etappe zu simulieren“, erzählte Martin, sei er die ersten Kilometer in Einhausen schneller als gewöhnlich angegangen.

In Utrecht soll sich für den Radprofi aus der belgischen Etixx-Quick-Step-Mannschaft der erste seiner letzten beiden sportlichen Träume erfüllen. Darauf ist seine komplette Saisonplanung ausgerichtet. „So eine Chance“, sagte Martin, „bekomme ich vielleicht nie wieder“. In Rio de Janeiro will er 2016 seine Karriere dann mit Olympia-Gold krönen. „Das“, sagte er, „wäre noch größer als das Gelbe Trikot.“

Nichts dem Zufall überlassen

Der in Eschborn vor den Toren Frankfurts aufgewachsene Tony Martin reiste gestern Abend noch zurück in seine Schweizer Wahlheimat. „Ich will und werde 100-prozentig fit am Start der Tour stehen.“ Nichts wird dem Zufall überlassen. Am Montag geht’s mit dem Flieger von Zürich nach Holland. Nach seiner Ankunft will er schnellstmöglich die wichtigsten knapp 14 Kilometer seines Lebens inspizieren.

„Abends nach 22 Uhr oder morgens vor 6 Uhr sind die Ampeln abgeschaltet und er kann relativ ungestört die Strecke testen“, sagte sein Betreuer Rolf Aldag der Deutschen Presse Agentur. Sollte die Mission Gelb gelingen, wird sich Martin aber nicht mehr nur mit Bratwürstchen abspeisen lassen. Dann darf’s ruhig auch mal Champagner sein.

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