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Tony Martin droht das Tour-Aus

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Fluch über dem Weltmeister-Trikot: Tony Martin nach seinem Missgeschick zum Tour-Auftakt.
Fluch über dem Weltmeister-Trikot: Tony Martin nach seinem Missgeschick zum Tour-Auftakt. © Augenklick/Roth

Nach dem Pech beim Tour-Prolog stürzt Tony Martin auf der ersten Etappe schwer. Ob der Zeitfahr-Weltmeister die Tour de France fortsetzen kann, ist unklar. Der Teamarzt hat wenig Hoffnung: "Das sieht nicht gut aus."

Von Stephan Klemm

Nach dem Pech beim Tour-Prolog stürzt Tony Martin auf der ersten Etappe schwer. Ob der Zeitfahr-Weltmeister die Tour de France fortsetzen kann, ist unklar. Der Teamarzt hat wenig Hoffnung: "Das sieht nicht gut aus."

Das linke Bein blutet aus einer offenen Wunde, das gilt auch für den linken Ellenbogen, am Arm sind zudem noch Hautquetschungen zu erkennen. Doch das sind nur die oberflächlichen Verletzungen, unter denen Tony Martin leidet.

Schmerzhafter ist das, was nicht sichtbar, aber spürbar ist: Die linke Schulter bereitet große Probleme, die linke Hand auch. Welche Folgen Martins Unfall bei Kilometer elf der ersten Etappe der 99. Tour de France am Sonntag genau hatte, wurde am Abend in einem Lütticher Krankenhaus untersucht.

Starke Schmerzen

Brüche im Schulterbereich wurden am Sonntagabend ausgeschlossen. Eine genaue Diagnose über die Handverletzung ist aufgrund der starken Schwellung erst am Montagmorgen möglich, teilte Teamsprecher Alessandro Tegner mit. Martins Team-Arzt Helge Riepenhof sagte: „Ich bin immer sehr optimistisch, aber das sieht nicht gut aus.“

Martin schaffte es am Bus seines Quick-Stepp-Teams zunächst nicht, sich von seinem Klickpedal zu lösen. Diese eigentlich leichte Übung bereitete ihm große Qual.

Eine Viertelstunde später verließ der Zeitfahr-Weltmeister das Gefährt mit stark bandagiertem Knie und Arm und sagte: „Ich hatte bei jedem Schlagloch, über das ich gefahren bin, Schmerzen. Das war auch so, wenn ich es mal im Wiegetritt versucht habe. Ich hoffe nun, dass es nur eine schwere Prellung ist und kein Bruch.“

Die Etappe von Lüttich mit dem schweren und sehr steilen Finale in Seraing wollte der ehrgeizige Martin aber „unbedingt zu Ende fahren“.

Anhäufung von Negativ-Erlebnissen

Es scheint sich zu bewahrheiten, was Rolf Aldag schon am Samstagabend sagte: „Es ist offenbar so, dass ein Fluch über Martins Weltmeister-Trikot liegt. Das passiert ja oft, dass in einem Jahr alles gelingt, im nächsten dann eher nichts.“ Aldag sprach damit Martins Pech an, das ihn auf dem Weg zur Bestzeit des Prologs von Lüttich ereilte: Defekt, platter Hinterreifen, eine Scherbe hatte sich in seinen Schlauch gebohrt, Platz 45 mit 23 Sekunden Rückstand.

Mitte April musste Martin auch noch die schlimme Erfahrung eines Trainingsunfalls mit Brüchen im Kiefer und Jochbein machen. Davon hatte sich Martin sehr schnell erholt, die Form war pünktlich da, zuletzt hatte er zwei Zeitfahren gewinnen – doch nun entwickelt sich die Tour wieder zu einer Anhäufung von Negativ-Erlebnissen.

Eine schlichte Unaufmerksamkeit

Der Sturz vom Sonntag war eine schlichte Unaufmerksamkeit auf ebenem Gelände, mit Martin fielen noch drei weitere Fahrer auf den Asphalt. „Das ist nun wirklich ein unglücklicher Auftakt. Das geht an die Moral, das ist viel auf einmal“, sagte Martins Teamchef Patrick Lefevere.

Am Samstag hatte Martins Team nach der Auswertung aller verfügbaren Daten noch ermittelt, dass seine Leistung zum Tagessieg hätte reichen können: „Das glaube ich auch, obwohl es hypothetisch ist. Ich halte nichts in Händen, und das ist schlimm“, sagte Martin.

Der Plan war ja: Prolog gewinnen und dann den großen Preis entgegennehmen – das Gelbe Trikot. Martins Zwischenzeit war exzellent: Platz drei zur Hälfte des 6,4 Kilometer kurzen Mini-Zeitfahrens, eine Sekunde hinter dem Schweizer Fabian Cancellara, dem späteren Sieger. „Tony Martin wurde im Vergleich zu Cancellara immer schneller und sein Tritt wuchtiger, das sagte uns der Live-Vergleich der Wattwerte“, erzählt Aldag.

Arbeitstag endet im Hospital

Die Prolog-Platzierung klingt am Ende ernüchternder als es das Ergebnis in Wirklichkeit war: Rang 45. Aber trotz des zeitaufwendigen Malheurs verlor Martin nur 23 Sekunden auf Fabian Cancellara, den Sieger, der wiederum sieben Sekunden schneller war als der zweitplatzierte Engländer Bradley Wiggins. „Das ist unglaublich wenig für den ganzen Vorgang, das spricht für Tonys Leistung“, findet Aldag.

Am Samstagabend hatte sich die Familie gleich nach dem Zwischenfall gemeldet, später gab es im Hotel eine kleine Party für den Teamkollegen Sylvain Chavanel, der seinen 33. Geburtstag feierte – „das hat mich aufgebaut und abgelenkt“.

Am Sonntagmorgen wirkte Martin schon wieder entschlossen: „Der Frust baut sich langsam ab. Ich träume weiter vom Gelben Trikot.“ Und trotz seiner Verletzung fuhr Martin im Finale stark und erreichte das Ziel in der ersten Gruppe, zeitgleich mit dem Tagessieger Peter Sagan aus der Slowakei.

Nach der Zielpassage meldeten sich dann aber sofort die Schmerzen. Der Arbeitstag endete schließlich im Hospital.

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