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Wird neuer Eishockey-Bundestrainer: Toni Söderholm.

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Toni Söderholm wird neuer Eishockey-Bundestrainer

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Die Nachfolge des bisherigen Eishockey-Bundestrainers Marco Sturm ist geklärt. Toni Söderholm kommt vom Drittligisten Riessersee und genießt in der Branche einen exzellenten Ruf.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) lädt für den heutigen Donnerstag um 11 Uhr zu einer Pressekonferenz. Nicht in seine Zentrale im Münchner Stadtteil Obermenzing, sondern in den Coubertin Club im Olympiapark, ein in die Olympiahalle auf Stelzen hineingebautes Restaurant. Wer kommen und den Verband vertreten wird: Dessen Präsident Franz Reindl, der Sportdirektor Stefan Schaidnagel und „der neue Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft“.

Auch wenn die Verträge schon unterschrieben sind – ein bisschen Restspannung soll noch vorherrschen, und der DEB will die Sportnachrichtenlage des Tages auch richtig beherrschen, in Wort und Bild. Das wird er wohl auch tun, wenn Toni Söderholm vor den Kameras durch die Tür treten und sprechen wird. Denn die breite Öffentlichkeit hat keine Vorstellung von ihm, sie mag in den vergangenen Tagen Fotos gesehen haben – aber hat man schon mal ein Interview mit ihm erlebt? Vor zwei Jahren vielleicht mal, als er Co-Trainer beim EHC München war und von Telekomsport gelegentlich für ein Drittelpausen-Statement angefragt wurde. Söderholm war der sprachmächtigste Mann im Münchner Trainerstab. 

Söderholm strahlt Reife aus

An diesem Donnerstag wird er viel von sich erzählen müssen, er wird dies geschliffen tun. Mit 40 ist Söderholm ein junger Trainer, gegen die meisten seiner künftigen Nationalmannschafts-Spieler hat er auf dem Eis gestanden (oder auch noch mit ihnen in seinem einzigen DEL-Jahr, 2015/16 gespielt) – dennoch strahlt er die Reife eines Mannes aus, der schon lange an der Bande arbeitet. Marco Sturm, sein Vorgänger, ließ, als er 2014 beim DEB anfing, ein natürliches Trainertalent erkennen, Söderholm ist über den Talentstatus schon hinaus. Er hat schon als Spieler wie ein Trainer gedacht.

„Ich glaube, wenn man so einen Mann unter Vertrag kriegt, ist das ein Vorteil für den DEB“, sagte Olympiakapitän Marcel Goc. „Ich denke, er ist keiner, der groß Tamtam um sich macht, aber alle, die man fragt, sind sehr begeistert.“

Bereits in der Vorwoche war bekannt geworden, dass Söderholm Wunschkandidat des DEB ist, der zuvor auch bei Ex-Nationalmannschaftskapitän Harold Kreis angefragt hatte. Der 59-Jährige bekam aber keine Freigabe von seinem Klub Düsseldorfer EG. Da Söderholm in der deutschen Öffentlichkeit noch relativ unbekannt ist, gilt die Einbindung von Christian Ehrhoff als wahrscheinlich. Der 36 Jahre alte Silbermedaillengewinner von Pyeongchang hatte seine Karriere nach Olympia beendet und könnte fortan als Gesicht des deutschen Eishockeys vor allem repräsentativ eine wichtige Rolle spielen. 

Junge Spieler entwickelt

Dass Söderholm in dieser Saison nur in der Oberliga arbeitet, beim SC Riessersee, liegt nicht daran, dass er höherklassig nichts gefunden hätte. In der DEL war er in Düsseldorf im Gespräch, als Hauptrundensieger mit dem SC Riessersee in der DEL2 hatte er sich positioniert. Sein eigentlicher Arbeitgeber, der EHC München, wollte ihn aber unbedingt behalten – Söderholm sollte aufgebaut werden zum organischen Nachfolger von (Serien)meistertrainer Don Jackson. Nach dessen Vorgaben trainierte Söderholm den SC Riessersee denn auch in der Oberliga (wegen seiner Insolvenz musste der Traditionsklub absteigen). Söderholm war im Red-Bull-Reich der Entwickler – im Sommer arbeitete er mit den jungen Spielern des EHC in der Salzburger Akademie.

Söderholm wird der erste finnische DEB-Bundestrainer. Doch er ist eher als Weltbürger zu sehen. Als Kind hat er wegen seines bei BMW arbeitenden Vaters schon in München gelebt, Spieler war er in der US-amerikanischen College-League, in Finnland, der Schweiz (Bern) und Schweden. Er versteht es, sich auszudrücken. Er wird heute einen guten ersten Eindruck hinterlassen. (mit dpa)

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