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Titeltraum geplatzt: Deutschland verpasst EM-Sieg

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Die spanische Nationalmannschaft feiert mit dem EM-Pokal.
Die spanische Nationalmannschaft feiert mit dem EM-Pokal. © Foto: dpa

Wien. Um 22.36 Uhr war der Traum geplatzt - Fußball-Deutschland muss weiter auf den heiß ersehnten vierten EM-Titel warten. Zwölf Jahre nach dem letzten

Wien. Um 22.36 Uhr war der Traum geplatzt - Fußball-Deutschland muss weiter auf den heiß ersehnten vierten EM-Titel warten. Zwölf Jahre nach dem letzten Triumph unterlag die deutsche Nationalmannschaft in Wien bei ihrer sechsten Final- Teilnahme Spanien mit 0:1 (0:1).

"Sie haben gekämpft, aber es hat nicht ganz gereicht. Bei der WM Dritter und jetzt Zweiter, das ist schon was", spendete Bundeskanzlerin und "Oberfan" Angela Merkel Trost. "Die Mannschaft hat eine großartige EM gespielt, aber heute ein, zwei Fehler zu viel gemacht", gestand Kapitän Michael Ballack.

Nach einer Stunde Schlafwagenfußball und großen Defensivproblemen kam die Steigerung der DFB-Elf zu spät, um die dritte Endspiel- Niederlage bei einer Europameisterschaft nach 1976 und 1992 noch verhindern zu können. Den Treffer für die spielstarken Iberer, die zum 22. Mal in Serie ungeschlagen blieben und ihren zweiten EM-Titel nach 1964 eroberten, erzielte der überragende Fernando Torres bereits in der 33. Minute. Vor 51 428 Zuschauern im Ernst Happel Stadion verhinderte vor allem Torhüter Jens Lehmann mit seinen Paraden eine höhere Niederlage für die deutsche Mannschaft. "Ich bin sicher: Die Mannschaft hat alle Möglichkeiten, mehr zu erreichen. Spätestens bei der WM 2010 in Südafrika", betonte Bundespräsident Horst Köhler.

"Es ist immer enttäuschend, ein Finale zu verlieren. Aber die Spanier haben nicht unverdient gewonnen", sagte Ballack, dessen Einsatz nach einer Wadenblessur bis kurz vor dem Spiel infrage gestanden hatte. Bundestrainer Löw, dem unter den Augen seines Vorgängers Jürgen Klinsmann die Krönung versagt blieb, reagierte gefasst auf die vierte Niederlage im 28. Länderspiel: "So ein Spiel muss man erst mal verdauen. Wir müssen die hohe Qualität der Spanier anerkennen. Klar sind wir enttäuscht, weil wir verloren haben. Trotzdem muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, was wir in sechs Wochen erreicht haben. Ich habe jedem Spieler gesagt, er soll den Kopf nicht hängen lassen."

Löws Gegenüber Luis Aragones sicherte sich im letzten Spiel als Nationaltrainer einen Eintrag in den Geschichtsbüchern. Mit 69 Jahren und 338 Tagen ist er der älteste Coach, der je eine Mannschaft zum EM-Titel geführt hat. Als Europameister ist Spanien zudem für den Confed-Cup 2009 in Südafrika qualifiziert.

Der erhoffte Gipfelsturm bei der deutschen "Bergtour 2008 blieb aus - vielmehr war die Vorstellung der Mannschaft im Finale wie ein Spiegelbild der eher durchwachsenen Leistungen im Turnier. Von Löws Offensivphilosophie war eine Stunde lang nicht viel zu sehen. Das Team konzentrierte sich vor allem darauf, das Spiel der Spanier zu verhindern. Doch die Abwehr, schon im gesamten EURO-Verlauf Problemzone, erwies sich gegen die flinken Iberer erst recht als Achillesferse. Im Spiel nach vorne wirkten die Aktionen statisch und ohne Durchschlagskraft. Erst ab der 60. Minute begann die DFB-Elf, sich energischer gegen die drohende Niederlage zu stemmen.

Nach einem 24-stündigen Rätselraten um Ballacks Wade stand erst 75 Minuten vor Spielbeginn fest, dass der Kapitän nach seinen muskulären Problemen auflaufen würde. Mit seiner Leistung ließ der 31-Jährige keine Zweifel an seiner körperlichen Verfassung aufkommen, doch entscheidende Impulse konnte er nicht setzen. Am Ende stand der "ewige Zweite" Ballack wieder mit leeren Händen da.

Christoph Metzelder und Per Mertesacker in der Innenverteidigung waren nur selten in der Lage, mit dem flinken Torres Schritt zu halten. Auch Torsten Frings, knapp zwei Wochen nach seinem Rippenanbruch aus dem Österreich-Spiel erstmals wieder in der Startelf, konnte nicht alle Löcher stopfen. So bekam Lehmann in seinem letzten EM-Spiel mehr zu tun als ihm lieb war. Der 38-Jährige, ältester Spieler in einem EM-Finale, verhinderte in der 67. Minute gegen den Kopfball von Ramos das 0:2. Einen möglichen Rücktritt aus dem DFB-Team ließ der Schlussmann offen: "Ich rede jetzt erst mal über gar nichts. Ich bin zu enttäuscht über den Ausgang des Finales."

Nachdem Tribünengast Klinsmann seinem Nachfolger Löw mit hochgerecktem Daumen noch einmal Glück gewünscht hatte, begann der 20. Vergleich gegen die Iberer mit deutscher Dominanz. Doch schon bald ging die Souveränität verloren. Nach einer knappen Viertelstunde stand Lehmann erstmals im Brennpunkt und verhinderte mit schneller Reaktion ein Eigentor von Metzelder. Der Wahl-Spanier hatte einen Schuss von Andres Iniesta Richtung eigenes Gehäuse abgefälscht.

Der Weltranglisten-Vierte wurde nun sicherer in seinem Passspiel. Als Mertesacker trotz seiner Größenvorteile Torres nicht am Kopfball hindern konnte, verhinderte nur der Pfosten den drohenden Rückstand für die Löw-Elf (23.). Die präzisen Pässe in die Spitze brachten Metzelder und Co. immer wieder in Verlegenheit. Vor allem wenn der schnelle Torres angespielt wurde, wirkten die Abwehrspieler unbeweglich. Als sich Philipp Lahm in der 33. Minute auf Lehmann verließ, schaltete der von Xavi herrlich freigespielte Torres am schnellsten und hob den Ball über den deutschen Keeper hinweg.

Mit Marcell Jansen für den am Fuß verletzten Lahm, aber weiterhin ohne echten Tordrang startete die DFB-Auswahl in die zweiten 45 Minuten. Erst als Löw mit Kevin Kuranyi für Thomas Hitzlsperger einen zweiten Stürmer in die Partie brachte, wurden die Offensivaktionen zielstrebiger und zwingender. Mit einem 18 Meter-Schuss setzte Ballack (60.) ein Achtungszeichen, doch zum ersehnten Ausgleich reichte es gegen die auf Konter lauernden Iberer auch nicht mehr, als mit Mario Gomez in der Schlussphase noch ein frischer Angreifer kam. (dpa)

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