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Gibt im deutschen Eishockey die Richtung vor: Toni Söderholm.

Eishockey

Testlauf der zweiten Reihe

Den Deutschland-Cup bestreitet Eishockey-Bundestrainer Söderholm mit vielen Debütanten.

Rick Goldmann, der ehemalige Nationalspieler und Fernsehexperte, hat im Sommer einen schönen Film gedreht. Er schaffte es, den aktuellen Bundestrainer Toni Söderholm, seinen Vorgänger Marco Sturm, dessen Hauptwohnsitz nun Los Angeles ist, und Hans Zach, den Ur-Charakter des deutschen Eishockeys und Bundestrainer von 1998 bis 2004, zu einer Bergwanderung im Isartal zu bewegen. Das ergab erheiternde Szenen: Senior Zach, 70, stapfte voran, machte das Tempo, Söderholm, 41, bat. „Langsamer, Hans!“. Zach entgegnete: „Noch langsamer – dann gehe ich ja rückwärts.“ Die drei Herren hatten ihren Spaß.

Bei dem Gipfeltreffen ging es natürlich ums deutsche Eishockey, das international eine viel größere Aufmerksamkeit erfährt, seit die Nationalmannschaft unter Marco Sturm 2018 die olympische Silbermedaille gewann. Bei der WM 2019, die schon vom Finnen Toni Söderholm verantwortet wurde, überzeugten die Deutschen spielerisch, scheiterten erst im Viertelfinale an Tschechien, das beim Turnier in der Slowakei starken Support aus der nahen Heimat bekommen hatte.

Wo steht das deutsche Eishockey nun? Konkret: Wie breit ist es aufgestellt? Denn die Nationalmannschaft wird immer von verletzungsbedingten Ausfällen betroffen sein. Wie viele Nationalspieler hat Deutschland, die es zur WM schicken könnte?

Die Meinungen gingen auseinander. „Ein Guter darf nicht fehlen“, sonst bekomme man Probleme, meint der nun in der NHL tätige Marco Sturm, sein Nachfolger Söderholm schließt sich da nicht an. Zur WM, glaubt er, könne man „zwei Mannschaften nominieren“, das wären über 40 Spieler. „Sehr optimistisch“, sagte Zach routiniert tadelnd. Er sähe ein deutsches B-Team in den Abstiegskampf verwickelt. Man sei nicht Finnland, das „mit 18 Neulingen Weltmeister wird – was für deren Liga spricht“. Die DEL halte da gewiss nicht mit.

Was die DEL kann, das wird sich ab Donnerstag erst einmal beim Deutschland Cup in Krefeld zeigen. Russland (19.45 Uhr/Sport 1) ist der erste Gegner, es folgen Schweiz (Samstag, 13 Uhr) und Slowakei (Sonntag, 14.30 Uhr).

Söderholm hat fast schon provokativ nominiert, die großen Namen reihenweise weggelassen – als wolle er zeigen, was er auf den Positionen dahinter zu bieten hat. Von den 27 Spielern stehen sieben vor dem ersten Länderspiel – und es sind nicht alle blutjung. Der nachnominierte Kölner Alexander Oblinger ist 30, der Schwenninger Verteidiger Mirko Sacher auch schon 28 – mit einer späten Berufung ins Nationalteam werden sie nicht gerechnet haben.

Sie verdanken sie Söderholms Willen, die Spitze zu verbreitern; dazu muss er die Leute halt mal testen. Aber genauso wirken die Bedürfnisse der Klubs in die Personalien hinein. EHC München und Adler Mannheim, die Hauptlieferanten der Nationalmannschaft, haben, da sie gleich nach dem Deutschland Cup schon wieder Champions League spielen müssen, um Schonung ihrer wichtigsten Akteure gebeten. Söderholm verkaufte sein Entgegenkommen als Konzept: „Für uns ist es wichtig, dass möglichst alle Spieler in der Saison verletzungsfrei und frisch bleiben, um der Nationalmannschaft auch zukünftig helfen zu können.“

Kastner will zur WM

Markus Eisenschmid, der einzige aufgebotene Mannheimer, sagte kurzfristig ab: Er hatte sich im WM-Viertelfinale schwer an der Schulter verletzt, spielt noch nicht lange wieder. Vom EHC München sind der zweite Torwart Kevin Reich und die Stürmer Maxi Daubner und Maxi Kastner dabei – zusammen kommen sie auf bislang zwei Länderspiele. Vor zwei Jahren, 2017, war Kastner schon mal beim Deutschland Cup. In der Saison 2018/19 war er einer der besten Angreifer in der Liga, dass er da nicht zum Hausturnier im November gerufen wurde, wunderte ihn auch: „Ich hatte auf den Call gehofft und war traurig, als er nicht kam.“ Für die WM kam er wegen einer Playoff-Verletzung nicht in Frage.

Doch nun steht für ihn fest, „dass ich diese Saison unbedingt zur Weltmeisterschaft will“. Rechnet man die in Krefeld fehlenden Stammspieler, die 17-jährigen Jungstars Tim Stützle, John-Jason Peterka und Lukas Reichel, die am Wochenende noch bei der U 20-Nationalmannschaft spielen, und die mittlerweile starke deutsche NHL-Fraktion dazu, wird klar: Söderholm hat für die WM im Mai in der Schweiz doch ein großes Angebot.

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