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Erklärt viel, das scheint nur nicht bis zu jedem Löwen-Profi durchzudringen: Trainer Kristjan Andresson (rechts)

Meisterschaft

Ein Topspiel, zwei Welten

Bei den Handballern der Rhein-Neckar Löwen kriselt es vor dem Duell gegen den THW Kiel.

Eigentlich hatten die Rhein-Neckar Löwen sich das anders vorgestellt. Gegen den THW Kiel sollte es um wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft gehen, ein Duell zweier Spitzenteams auf Augenhöhe, so wie es in den vergangenen Jahren so oft gewesen ist. Wenn der deutsche Handball-Rekordmeister an diesem Donnerstag (19 Uhr) erneut nach Mannheim kommt, ist die Ausgangslage aber eine andere. Die Träume vom Titel sind bei den Löwen schon früh in der Saison in weite Ferne gerückt – und der THW würde sie mit einem weiteren Erfolg beenden.

„Es ist einfach so, dass da am Donnerstag zwei Welten aufeinander treffen. Kiel spielt überragend und wir nicht“, sagte Löwen-Spielmacher Andy Schmid im Interview der „Rhein-Neckar-Zeitung“ gewohnt deutlich. „Man muss einfach sagen, dass es für uns nicht fünf vor zwölf ist, es ist eigentlich schon zwölf.“

Tabelle wird ignoriert

Nach gerade mal elf Partien stehen schon drei Niederlagen auf dem Konto der ambitionierten Löwen. Zuletzt leistete der Meister von 2016 und 2017 bei der ernüchternden 22:23-Niederlage Aufbauhilfe für die ebenfalls kriselnden Füchse Berlin. Das Ergebnis ist der sechste Tabellenplatz und ein bereits jetzt ordentlicher Rückstand auf den überraschenden Spitzenreiter TSV Hannover-Burgdorf. „Besser, wir schauen momentan nicht auf die Tabelle“, sagte Oliver Roggisch, Sportlicher Leiter der Löwen.

Die Probleme der Badener lassen sich aber nicht mit verschlossenen Augen ignorieren. Trotz einer massiven Verstärkung des Kaders sucht der neue Trainer Kristjan Andresson noch immer nach einem Gerüst von Spielern, die in engen Duellen die Ruhe bewahren und sie auch drehen können. Rückkehrer Uwe Gensheimer wirft zwar wie gewohnt fast jeden Ball von Linksaußen oder dem Siebenmeterstrich in den Kasten und ist mit 85 Toren aktuell der treffsicherste Profi der Liga, doch zum Beispiel der französische Nationalspieler Romain Lagarde erfüllte die hohen Erwartungen dagegen bisher nicht.

Trainer Andresson fremdelt

Und dann ist da noch Andresson selbst. Der Isländer trat im Sommer die äußerst komplizierte Aufgabe an, Coach Nikolaj Jacobsen zu ersetzen. In den fünf Jahren zuvor unter dem Dänen hatten die Löwen die erfolgreichste Phase ihrer noch jungen Vereinsgeschichte erlebt. Mit Jacobsen stieg nicht nur die Anzahl der Pokale, sondern auch der eigene Anspruch. Andresson dagegen scheint mit dem aufgerüsteten Kader und den ambitionierten Zielen noch ein wenig zu fremdeln. Der 38-Jährige probiert zwar viel aus, wechselt auch deutlich mehr als sein Vorgänger, Konstanz brachte das bisher allerdings nicht.

Andy Schmid sagt, dass man Andresson Zeit geben müsse, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Aber der Schweizer sieht den Coach wie den gesamten Kader auch in der Verantwortung. „Andererseits hast du diese Zeit nicht in der Bundesliga. Es geht um Siege und Punkte“, sagte der 36-Jährige. So wird das auch gegen Kiel sein. Auch wenn der THW mit sechs Bundesligasiegen hintereinander nach Mannheim reist, haben die Löwen oft genug bewiesen, dass sie für Überraschungen gut sind. Eine solche könnten sie am Donnerstag gebrauchen. (dpa)

Kein Druck für Strobel

Martin Strobel beschäftigt sich nach der lang ersehnten Rückkehr auf das Handballparkett noch nicht mit einer möglichen EM-Teilnahme. „Aktuell ist das alles sehr weit weg. Ich will die nächste Zeit nutzen, um für mich ein Stück weiterzukommen und auszuloten, inwiefern ich das Ganze vertrage“, sagte der Nationalspieler am Mittwoch: „Das hat Priorität. Ich muss einfach mal abwarten.“

Bei der Heim-WM im Januar hatte Strobel im Hauptrundenspiel gegen Kroatien einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie erlitten. Am vergangenen Sonntag gab der 33-Jährige sein Comeback in der Bundesliga, beim 30:30 seiner HBW Balingen-Weilstetten beim TSV GWD Minden traf er kurz vor der Halbzeit zum zwischenzeitlichen 11:14.

Bundestrainer Christian Prokop hatte den Rückraumspieler zuletzt gelobt und dessen Wert für die Nationalmannschaft betont. „Wenn seine Leistung stimmt, ist er bei uns ein entscheidender Mann, davon rücke ich nicht ab“, hatte Prokop Ende Oktober gesagt. (sid)

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