+
Gut gelaunte Sieger: Patrik Kühnen, Boris Becker, Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb (v.l.).

Tennis

Die Helden von Göteborg

  • schließen

Die deutschen Daviscupsieger von 1988 werden in Bad Homburg geehrt.

Die Helden von damals wurden auf die Bühne gebeten, und nun wurde es hektisch im Festsaal des Bad Homburger Nobelhotels. Vorne drängelten sich die Fotografen um die beste Position, „jetzt setzt euch doch mal hin“, raunzte von hinten ein Kameramann, der keine Lust auf Aufnahmen mit drängelnden Fotografen hatte. Und als Carl-Uwe Steeb geehrt wurde, bekam er zu hören, er habe etwas im Gesicht, er solle doch bitte nach links gehen. Da legte Steeb das souveränste Lächeln hin, das zu haben ist, wenn einem eröffnet wird, man habe etwas im Gesicht, während man gerade von allen Seiten abgelichtet wird, und trat zur Seite. 

Er hatte da übrigens etwas ziemlich Tolles im Gesicht. 

Es waren die Bilder der Feierlichkeiten vom deutschen Daviscup-Triumph 1988, per Beamer auf eine Leinwand hinter den Geehrten geworfen. Steeb und Boris Becker und Patrik Kühnen und Eric Jelen, die Sensationssieger von Göteborg, mit Deutschlandmützen auf dem Kopf und Champagnergläsern in der Hand. Es war der erste von Erfolg der DTB-Auswahl im prestigeträchtigen Nationenkampf im Tennissport, im Dezember 1988. Etwas mehr als 30 Jahre nahm der Deutsche Tennis-Bund die aktuelle Partie gegen Ungarn am kommenden Freitag und Samstag in Frankfurt nun zum Anlass, die alten Champions wieder zusammenzubringen. Verbandspräsident Ulrich Klaus überreichte gerahmte Bilder und sprach warme Worte. 

„Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich das erzähle“, sagte Klaus, als er detailliert von den Heldentaten von Göteborg berichtete. Davon, wie „Charly“ Steeb, damals die Nummer 70 der Welt, die Nummer eins Mats Wilander in fünf Sätzen niederrang; wie Boris Becker gegen Stefan Edberg gleich den zweiten Punkt nachlegte, und wie Becker und Jelen im Doppel den Sieg sicherstellten, der nichts weniger war als eine Sensation. „Zu sagen, wir waren der krasse Außenseiten, wäre eine Untertreibung“, sagte Becker, der das aktuelle Daviscupteam um Alexander Zverev als „Head of Men’s Tennis“ des DTB in dieser Woche begleitet. Die Schweden hatten mit Edberg und Wilander ja alles gewonnen in diesem Jahr. „Aber wir haben an unsere Chance geglaubt“, erinnert sich Steeb, heute 51, der, wie Kühnen, bei allen drei deutschen Daviscup-Triumphen (1988, 1989, 1993) dabei war.

„Herz wurde rausgerissen“ 

Das Quartett ist sich einig, dass es der Teamgeist war, der sie zum Erfolg Ende der Achtziger trug. „Dass wir hier heute noch als vier Freunde sitzen, zeigt ja, wie gut wir uns verstanden haben“, sagte Eric Jelen, 53, inzwischen im Nachwuchsbereich des Tennisverbandes Niederrhein tätig. „Die Mischung hat’s gebracht“, glaubt Becker – „und natürlich der Niki vorne dran.“ Gemeint war Niki Pilic, der damalige Teamchef. Nach Bad Homburg war er nicht gekommen, der Gesundheitszustand des 79-Jährigen lässt keine größeren Reisen mehr zu. „Er hat uns die Leidenschaft für den Sport vermittelt, die Bedeutung des Daviscups in uns eingepflanzt“, sagte Kühnen, von 2003 bis 2012 selbst Kapitän der deutschen Mannschaft. 

Die Erinnerungen an den Auswärtssieg vor schwedischem Publikum vergegenwärtigten aufs Neue, welch tiefgreifende Veränderung die Daviscup-Reform mit sich bringt, die ab diesem Jahr greift. Heim- beziehungsweise Auswärtsspiele gibt es nur noch in der nun anstehenden Qualifikationsrunde. Das Finale ist ein einwöchiges Event in Madrid, Ende November. Boris Becker zeigt sich offen für die Neuerung. „Ich glaube, der Ärger ist verflogen. Grundsätzlich gebe ich jeder neuen Idee auch eine Chance“. Man müsse abwarten, was beim Finalturnier passiere. 

Während sich Kühnen, Direktor des Münchner ATP-Turniers, Becker anschloss („Dinge verändern sich im Leben“), kritisierte Steeb das neue Format. „Die jungen Spieler werden nicht mehr diese Atmosphäre erleben können, wie wir sie damals erlebt haben. In Madrid wird es keine zehntausend Fans geben, die sie anfeuern oder auch gegen sie sind.“ Man habe dem Wettbewerb im Grunde das Herz herausgerissen. „So hat das mit Daviscup nichts mehr zu tun“, fand Steeb deutliche Worte.

Dass es derweil wieder Aufregung im Hotelsaal gab, hatte allerdings einen ganz anderen Grund: Ein kleines Hündchen flitzte grunzend zwischen den Stühlen herum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion