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Fünf Tenniskönige im Kaisersaal: Zverev, Pütz, Kohlschreiber, Struff und Teamchef Kohlmann (v. li.).

Daviscup

Mit dem Geist von Valencia

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Das deutsche Daviscup-Team zeigt sich vor dem Spiel gegen Ungarn als eingeschworener Haufen.

Sie hätten vermutlich gerne etwas anderes gemacht. Vielleicht erneut Basketball gespielt. Oder auf dem Tennisplatz trainiert. So aber saß das deutsche Daviscup-Team gestern Mittag im altehrwürdigen Kaisersaal des Frankfurter Römers und lauschte den Reden von Oberbürgermeister Peter Feldmann und einigen Tennisfunktionären. Alexander Zverev holte mehrfach sein Handy aus der Trainingshose, Tim Pütz und Philipp Kohlschreiber tuschelten miteinander. Als die Auslosung des Erstrunden-Heimspiels gegen Ungarn schließlich vorüber war, begann der Spaß. Zverev und Co. betraten das Podium und offenbarten, wie gut sie sich untereinander verstehen.

„Tim ist ja der Spieler, der bei uns eigentlich die Aktivitäten außerhalb des Platzes organisiert“, sagte Zverev, der am Montag ein Basketballspiel mit Spielern und Betreuern initiiert hatte. „Doch Tim ist diese Woche irgendwie faul. Was war eigentlich los? Kein Restaurant? Kein Escape-Room?“, flachste der Weltranglisten-Dritte in einer Art, als sitze er mit Pütz alleine in der Teamkabine. Und der Frankfurter, erst zum vierten Mal im Daviscup dabei, entgegnete mit ähnlicher Ironie: „Ein Restaurant habe ich ausgesucht, da hast du am Dienstagabend vorzüglich gegessen. Und als unsere Nummer eins, die Nummer drei der Weltrangliste, dann sagte, ich möchte gerne Basketball spielen, haben wir das gemacht. Am Mittwochabend war Gala-Dinner. Aber wenn das so ist, werde ich mich das nächste Mal besser drum kümmern.“

Irgendetwas muss passiert sein im deutschen Daviscup-Team, das sich in der Vergangenheit nicht immer komplett grün gewesen sein soll. Teamchef Michael Kohlmann sieht die Gründe für den Wandel im vergangenen Jahr, als seine Mannschaft zunächst in Australien gewann und dann im Viertelfinale beim großen Favoriten in Spanien nur knapp 2:3 verlor.

„Das letzte Jahr hat die Mannschaft zusammengebracht“, meinte Kohlmann, „gerade die Niederlage in Valencia, die unglaublich eng war, wie Rafael Nadal auf den Stühlen stand. Das hat den Ausmaß vom Daviscup rüber gebracht. Und den Jungs gezeigt, was möglich ist. Wir waren sehr eng dran, nach 30 Jahren was zu gewinnen. Ich freue mich unglaublich, dass die Jungs das genauso sehen und alle in Frankfurt dabei sind.“

DTB haushoher Favorit

Und so trommelte Zverev gleich am vergangenen Montag bei der Ankunft in Frankfurt alle zusammen und organisierte ein Basketballspiel in einer nahe gelegenen Halle. „Wir Spieler haben gegen die Coaches gewonnen, das wollte ich nur sagen“, betonte Zverev und fügte schmunzelnd an: „Ich war der beste Spieler, nur zur Information.“ Dass er nach dem anderthalbstündigen Match nun „etwas Muskelkater“ habe, dürfte heute auf dem Tennisplatz keine gravierenden Folgen haben. Das deutsche Team ist gegen die ersatzgeschwächten Ungarn haushoher Favorit. Eröffnet wird die Erstrundenpartie in der Fraport Arena in Unterliederbach um 16 Uhr von Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 32), der auf den 19-jährigen Zsombor Piros (ATP-Nr. 371) trifft.

Spitzenspieler Zverev bestreitet danach das zweite Einzel gegen Peter Nagy. Der 26-jährige Ungar wird derzeit überhaupt nicht im ATP-Ranking geführt, seine beste Platzierung war einst Rang 409. „Ich habe gegen ihn schon mal gespielt“, erinnert sich Zverev. Das war bei einem Future“, ergänzte er, also einem Turnier der untersten Profi-Kategorie des Weltverbandes ITF. „Ich war 15, glaube ich. Und ich habe sogar verloren. Auf Sand.“ Seitdem habe er ihn nicht mehr gesehen.

Alles andere als zwei Siege von Kohlschreiber und Zverev wären eine Überraschung. Für das dann schon entscheidende Doppel am Samstag (12 Uhr) nominierte Kohlmann wie erwartet Lokalmatador Pütz und Jan-Lennard Struff. Wer danach in den abschließenden beiden Einzeln antritt, ließ Kohlmann gestern offen. Alle Matches werden durch die neue Reform nur über zwei Gewinnsätze ausgetragen. Sollte Deutschland sich – wie erwartet – gegen Ungarn durchsetzen, wäre es für die neue Finalwoche im November in Madrid mit 18 Nationen qualifiziert. Zverev würde dort nicht antreten. „Ich liebe es, bei dieser Mannschaft zu sein. Aber Ende November zu spielen und danach nur zwei, drei Wochen Pause zu haben, ist Wahnsinn.“ Pütz und Kohlschreiber Co. wären dabei. Es müsste dann nur einer von ihnen das Basketball-Match organisieren.

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