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Will in Tikio die Muskeln spielen lassen: Gina Lückenkemper. dpa

Sprinten

Tempobolzen in Florida

Für ihren Traum vom Olympia-Finale verlässt Gina Lückenkemper ihre Komfortzone und geht in den USA neue Wege.

Gina Lückenkemper erfindet sich neu. Mehr Tempobolzen unter der Sonne Floridas, härtere Schinderei im Kraftraum, verfeinerte Technik – für ihren Traum vom Olympia-Finale ist Deutschlands Sprintstar ganz bewusst aus ihrer „Komfortzone“ ausgebrochen. „Ich trainiere so hart wie noch nie in meinem Leben“, sagte Lückenkemper . Alles für das ganz große Ziel: Tokio 2020.

Seit November quält sich Lückenkemper unter anderem gemeinsam mit Noah Lyles, der das Erbe von Usain Bolt antreten will, unter Lance Brauman in der Nähe von Orlando. Ihr Abflug ins Ungewisse nach einer enttäuschenden Saison 2019 ist für die Vize-Europameisterin über 100 Meter bisher ein Volltreffer. Mit einem „leicht mulmigen Gefühl“ sei sie aufgebrochen, doch das Risiko scheint sich auszuzahlen. „Was ich jetzt nach den drei Monaten schon für Fortschritte sehe, ist genial“, sagte Lückenkemper: „Ich habe so viel lernen dürfen.“

Vor allem stemmt Lückenkemper, die bei der WM 2017 mit 10,95 Sekunden als erste Deutsche seit Katrin Krabbe unter der magischen 11-Sekunden-Marke geblieben war, jetzt viel mehr Gewichte als früher. „Für mich hat sich das Krafttraining wirklich extrem verändert“, sagte Lückenkemper, die nun an vier anstatt zwei Tagen in der Woche im Kraftraum steht. „Man sieht es mir offenbar auch an“, sagte Lückenkemper mit einem Lachen: „Wenn ich jetzt wieder in Deutschland bin, werde ich von Leuten, die mich länger nicht gesehen haben, darauf angesprochen, ob ich abgenommen habe. Ich habe aber kein Gramm abgenommen. Durch die viele Zeit im Kraftraum ist nur alles ein bisschen anders geformt, dadurch sieht alles ein bisschen anders aus. Insgesamt bin ich wohl etwas fitter, als ich es sonst um diese Jahreszeit war.“

Doch wie Mittelstrecken-Ass Konstanze Klosterhalfen, die sich ebenfalls in den USA auf die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) vorbereitet, verzichtet auch Lückenkemper darauf, ihre Form bei den deutschen Hallenmeisterschaften an diesem Wochenende in Leipzig zu zeigen. „Ich bin ja auch nicht die ganz große Hallenläuferin – die 60 Meter sind mir einfach zu kurz“, sagte Lückenkemper.

Außerdem war die Vorsaison mit der WM in Doha sehr lang, die Vorbereitung auf Tokio ist kurz. Und in Japan zählt es für Lückenkemper, die ihre Kosten für das USA-Abenteuer aus der eigenen Kasse zahlt. Alles in diesem Jahr sei komplett „auf Tokio ausgelegt“, sagte Lückenkemper, die dann auf den nächsten Schritt in der Karriere hofft: „Ich habe schon in einem Olympia- und in einem WM-Finale gestanden – aber eben in Anführungszeichen nur mit der Staffel. Das waren absolute Highlights, klar. Aber ich möchte es schaffen, mich auf der großen internationalen Bühne zu etablieren, dazu gehören Finalteilnahmen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen im Einzel. Und da möchte ich gerne hin.“

Dafür erfindet sich Lückenkemper gerade neu. 

sid

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