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Koryphäen des Rodelsports: Armin Zöggeler (links) und Felix Loch.

Rodel-WM

Team-Staffel als Lachnummer

Die Rodler hoffen, dass auch der Mannschaftswettbewerb demnächst ins olympische Programm aufgenommen wird. Doch nachdem der Wettkampf bei der Rodel-WM in Cesana von Pleiten, Pech und Pannen geprägt war, dürfte dieses Ziel in weite Ferne gerückt sein.

Was für die Team-Staffel als olympische Reifeprüfung gedacht war, entwickelte sich zur Farce. Nach einem Skandalrennen mit Pleiten, Pech und Pannen bei der Rodel-WM im italienischen Cesana ist die angestrebte Aufnahme des Wettbewerbs ins Programm von Winterspielen in weite Ferne gerückt. Die anwesende hochrangige IOC-Kommission wird ihrem Präsidenten Jacques Rogge, der darüber im April alleinverantwortlich eine Entscheidung fällt, nichts Gutes berichten. „Der Worst Case ist eingetroffen. Schlimmer geht es nicht“, jammerte Rodel-Weltverbandspräsident Josef Fendt.

Passiert war Schwerwiegendes: Aufgrund von technischen Problemen wurde zunächst bei vier Teams, darunter auch bei der favorisierten deutschen Staffel, trotz erfolgreichen Anschlags im Ziel die Startklappe für den nachfolgenden Teamkollegen nicht ausgelöst. Doch anstatt den Schaden möglichst gering zu halten, entschied sich die Jury zu einem Neustart ? ein folgenschwerer Fehler. Schon beim ersten Wechsel des slowakischen Teams streikte die Technik erneut. Der Wettkampf wurde abgesagt. Im Weltverband gibt es Überlegungen, das WM-Staffelrennen beim Weltcupfinale in Sigulda/Lettland (19. und 20. Februar) nachzuholen.

„Mit dem Neustart haben wir uns nicht lächerlich gemacht“, insistierte Fendt. Doch das sahen viele Beteiligte anders. „Das ist ein Desaster. Ich bin angefressen und sauer“, sagte Bundestrainer Norbert Loch. Der deutsche Co-Trainer Georg Hackl war vom Chaos peinlich berührt: „Ich kann mich bei den Zuschauern dafür nur entschuldigen.“

Auch unter den Sportlern rumorte es. Im Zielbereich wurde jeder erfolgreiche Wechsel teilweise mit einem höhnischen Applaus bedacht. Fendt aber kämpfte um die Zukunft der Team-Staffel bestehend aus je einer Frau, einem Mann und einem Doppelsitzer, obwohl es ähnliche Probleme schon bei der WM 2009 in Lake Placid gegeben hatte. „Das Format ist klasse, doch die Technik muss mitspielen“, sagte der FIL-Chef aus Berchtesgaden. Im diesjährigen Weltcup habe es in fünf Rennen reibungslos funktioniert.

Gold an Hüfner und Zöggeler

Angefressen war auch Olympiasiegerin Tatjana Hüfner, die nach ihrem Sieg im Einzel ihr zweites Gold holen wollte. Bei ihrem dritten WM-Triumph nach 2007 und 2008 hatte die 27-Jährige aus Oberwiesenthal Nerven bewiesen, nachdem ihr im ersten Lauf ein grober Fahrfehler unterlaufen war. Im zweiten Durchgang gab die Seriensiegerin der Konkurrenz aber eine Lehrstunde und gewann vor Teamkollegin Natalie Geisenberger (Miesbach) und der Kanadierin Alex Gough.

Auch Olympiasieger Felix Loch (Berchtesgaden) schnupperte als Schnellster des ersten Durchgangs am Gold-Hattrick nach seinen WM-Siegen von 2008 und 2009. Doch dann verdrängte der 16 Jahre ältere Italiener Armin Zöggeler auf seiner Heimbahn Loch um 21 Tausendstelsekunden von der Spitze. Bronze ging an Andi Langenhan (Zella-Mehlis). Die deutschen Doppelsitzer gingen erstmals seit 15 Jahren leer aus. Den Titel sicherten sich die österreichischen Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger. (sid)

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