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Orange-Schwarzer Jubel auf Schalke: Die Donezk-Mannschaft feiert das Weiterkommen.
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Orange-Schwarzer Jubel auf Schalke: Die Donezk-Mannschaft feiert das Weiterkommen.

Europa League Schachtjor Donzek

Tapferer Widerstand

Schachtjor Donzek schlägt sich in der Europa League erstaunlich – trotz der Kriegswirren und der Ablehnung in Lwiw.

Von Frank Hellmann und Nina Jeglinski

Wer sich in der Lwiw-Arena in der West-Ukraine umschaut, der hat nicht das Gefühl, dass hier eine andere Mannschaft als Schachtjor Donezk zu Hause ist. Bereits von Weitem wird der Besucher auf die orange-schwarzen Vereinsfarben aufmerksam, die am Eingang des Fanshops prangen: Die Erkennungszeichen für den Klub der Bergarbeiter, der unweit der Grenze zu Polen seine vorübergehende Heimat gefunden hat. So findet auch das Halbfinale der Europa League am heutigen Donnerstag (21.05 Uhr) gegen den FC Sevilla in dem zur EM 2012 erbauten Stadion statt.

In der mehr als 1000 Kilometer entfernten eigentlichen Heimstätte, der schmucken Donbass-Arena, rollt seit zwei Jahren kein Ball mehr. Dort werden Hilfsgüter für die vom Krieg betroffenen Einwohner der Regionen Donezk und Lugansk verteilt. Die Stiftung des Vereinsbesitzers Rinat Achmetow – trotz der Unruhe in der Ost-Ukraine immer noch reichster Mann des Landes – sorgt dafür, dass Nahrungsmittel und Medikamente an Bedürftige, Alte und Frauen mit Kindern verteilt werden.

Das unfreiwillige Exil für Schachtjor hat seine Tücken: Im früheren Lemberg ist das Team trotz seiner beachtlichen Erfolge auf internationaler Bühne als Millionärstruppe des Oligarchen Achmetow verschrien und bis heute nicht gerne gesehen. Obwohl sich der Klub viel Mühe gibt, werden der Westen und Osten des zerrissenen Landes nicht warm miteinander.

„Das Team von Schachtjor spielt in Lwiw nicht auf neutralem Boden“, stellte die Fachzeitschrift „Sportanalytik“ kürzlich wieder fest. Trainer Mircea Lucescu macht mit seinen Spielern zwar vor fast jedem Heimspiel einen Gang durch die historische Altstadt, doch die meisten Menschen interessieren sich nicht für Fußball – und falls doch, dann halten sie zum FC Karparty Lwiw: dem eigentlichen Heimatverein der 730 000-Einwohnerstadt, die bei westlichen Besuchern außerordentlich beliebt geblieben ist.

Deshalb ist es für die Sevilla-Fans unter touristischen Gesichtspunkten gar nicht das schlechteste Los, auf dem Weg zum dritten Europa-League-Titel hintereinander nun in der Ukraine reisen zu müssen. Der Titelverteidiger weiß um die sportliche Herausforderung: Zu frisch ist die Erinnerung an das vergangene Europa-League-Finale, in dem die ukrainische Überraschungsmannschaft Dnipro Dnipropetrwosk (2:3) erbitterte Gegenwehr leistete. Die Uefa hat den Tabellendritten der Premjer Liga – vorzeitiger Meister ist Dynamo Kiew – allerdings wegen Verstöße gegen die Regularien des Financial Fairplay von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen.

So blieb es diesmal den „Bergarbeitern“ vorbehalten, auf internationaler Bühne tapferen Widerstand zu leisten. Der FC Schalke 04 hat sich am neunmaligen ukrainischen Meister in der Zwischenrunde die Zähne ausgebissen, in Achtel- und Viertelfinale setzte sich Donezk gegen den RSC Anderlecht und SC Braga durch, obgleich viele ausländische Stars, darunter in der Bundesliga so prägende Figuren wie Henrikh Mkhitaryan (Borussia Dortmund) und Douglas Costa (FC Bayern), längst gegangen sind.

Einige träumen bei Schachtjor sogar von einem Triumph wie 2009 gegen Werder Bremen (2:1 n.V.) in der letzten Auflage des Uefa-Cups. „Die Mannschaft wurde jahrelang und konsequent auf Champions-League-Kurs gebracht, davon zehrt die Elf immer noch“, heißt es bei „Sportexpress“. Die Vereinsführung sitzt in Kiew, leitende Mitarbeiter kommen aus England, den Niederlanden oder Brasilien, wo der mit südamerikanischen Legionären und heimischen Nationalspielern gespickte Kader auch Teile der langen Winterpause überbrückte.

„Für die, die bleiben, werden immer noch sehr gute Bedingungen geschaffen“, heißt es. Milliardär Achmetov kämpft vor allem um Trainer Lucescu, dem Galatasaray Istanbul ein Angebot gemacht haben soll. Der 70-jährige Rumäne will irgendwann wissen, ob eine Rückkehr nach Donezk noch einmal realistisch ist. In der vergangenen Woche sorgte der Donzek-Besuch von Sergej Palkin, Geschäftsführer der Donbass-Arena, für viel Aufsehen, der danach mitteilte: „Ich wollte den Zustand des Stadions überprüfen.“ Dort spielte Schachtjor zuletzt am 2. Mai 2014 gegen Illischiwets Mariupol (4:1), letztlich jedoch bildete der Wegzug ganz in den Westen der Ukraine den einzig sinnvollen Ausweg. In der Hauptstadt Kiew wäre die Akzeptanz noch geringer ausgefallen. Nur: Als Dauerlösung ist der Duldungsstatus in Lwiw eigentlich auch nicht geeignet.

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