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Titelverteidiger: Severin Freund.
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Titelverteidiger: Severin Freund.

Skiflug-Weltmeisterschaft

Der Tanz auf der Rasierklinge

Bei der Skiflug-WM stoßen Severin Freund und Co. ab Donnerstag wieder in Grenzbereiche vor. 250 Meter sind möglich, irgendwann soll auch die 300-Meter-Marke geknackt werden.

Für die einen ist es kompletter Wahnsinn, für die anderen die größte Flugshow der Welt: Wenn am Donnerstag am legendären Kulm die Skiflug-WM beginnt, stoßen Titelverteidiger Severin Freund, Peter Prevc und Co. mit Adrenalin-Werten wie in Todesangst wieder in Grenzbereiche vor. Der Weltrekord von 251,5 Metern könnte fallen, irgendwann soll sogar die 300-Meter-Marke geknackt werden.

"Die Kräfte beim Skifliegen sind so groß, dass es einem fast die Schuhe auszieht. Die mentale Komponente spielt eine entscheidende Rolle", sagt Bundestrainer Werner Schuster über die Weitenjagd, die nichts für schwache Nerven ist: "Es ist ein Tanz auf der Rasierklinge. In letzter Konsequenz ist es eine Herzensangelegenheit."

Wie groß die Anspannung beim Skifliegen ist, zeigt eine viel zitierte Untersuchung aus dem Jahr 1998. Als der deutsche Teamarzt vor der WM den Adrenalinspiegel von Martin Schmitt und Sven Hannawald maß, übertraf das Ergebnis die Obergrenze um das Vierfache. Das sind Werte, die sonst Menschen in Todesangst haben.

Der Weltverband FIS sieht die Weitenjagd denn auch durchaus kritisch. Offizielle Rekordlisten gibt es erst gar nicht. 1986 entschied der Verband gar, den Weltrekord bei 191 Metern "einzufrieren" - ein in der Sportgeschichte wohl einmaliger Vorgang. Mit kuriosen Folgen: Jeder Sprung, der diese Weite übertraf, wurde jahrelang als 191 Meter gewertet, die Ergebnislisten entsprachen teilweise nicht mehr den Leistungen.

300 Meter machbar

Inzwischen sind die ohnehin nur fünf weltweit zugelassenen Flugschanzen gründlich modernisiert worden und durchaus sicher. Als Paradebeispiel gilt die Anlage im norwegischen Vikersund, wo Anders Fannemel im Februar mit 251,5 Metern zum Weltrekord segelte. "Ich habe die Marke gesehen und sie überflogen. Den Moment vergesse ich nie", sagte der Norweger anschließend.

Auch der Kulm wurde zuletzt mehrfach umgebaut, nicht zuletzt nach dem schweren Sturz von Thomas Morgenstern im Januar 2014. "Ich bin extrem dankbar, dass ich noch am Leben bin", sagte Morgenstern danach. Grund für den Sturz war allerdings ein Fehler, wie er auch auf Normalschanzen vorkommt. Der heutige Kulm soll so sicher sein, wie es geht - und bereit für Bestmarken. "Bei einem perfekten Sprung geht es in Richtung Weltrekord", sagt OK-Chef Hubert Neuper.

So oder so wird die Jagd auch nach der WM kein Ende nehmen, sogar 300 Meter sind nicht ausgeschlossen. "Vor 20 Jahren konnte sich kaum jemand vorstellen, dass es mal weiter als 250 Meter gehen würde. Ich hoffe, dass irgendwann auch Flüge an die 300-Meter-Marke möglich sind. Das wäre gigantisch", sagt Fannemel. Planica hat zuletzt bereits seine Schanze umgebaut, um den Rekord zurück nach Slowenien zu holen.

Aus medizinischer Sicht wären 300 Meter kein Problem. Die Fluggeschwindigkeit erhöht sich im Vergleich zum "normalen" Skispringen kaum, die Landung ist bei entsprechendem Hang nicht gefährlicher als sonst.

Die FIS jedenfalls steckt in einem Zwiespalt. "300 Meter und mehr sind theoretisch möglich", sagte Renndirektor Walter Hofer einmal: "Aber wir wollen keine Rekordjagd um jeden Preis. Und schließlich soll der Zuschauer nicht nur irgendwo einen schwarzen Punkt fliegen sehen."

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