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Vivian Lake nebst Papa Tom Brady.

Kommentar Super Bowl

Ein Feuerwerk der Langeweile

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Nie zuvor wurden in einem Super Bowl weniger Punkte erzielt. Ein Kommentar.

Vivian Lake war zufrieden. Erst ein Lächeln, dann ein Klatschen. Und noch ein Lächeln, ein Klatschen. Schließlich ein Lächeln während des Klatschens. Vivian Lake, blonde Mähne, blauer Haargummi, weit aufgerissene Kulleraugen, sechs Jahre alt, sie war sichtbar stolz. Und vor allem war sie der ganze Stolz ihres Vaters, dem spätestens seit Sonntag besten Footballspieler aller Zeiten: Thomas Edward Patrick Brady Junior.

Der Quarterback der New England Patriots, gemeinhin nur als Tom Brady und Ehemann von Topmodel Gisele Bündchen bekannt, also trug auf dem einen Arm die Vince Lombardi Trophy für den Gewinn des Super Bowl und auf dem anderen seine Tochter durch die ultramoderne und - nur nebenbei - 1,4 Milliarden Dollar teure Arena in Atlanta. Ins Stadionmikrofon sagte Brady: „Dieser Erfolg ist unglaublich. Aber ich würde es nicht ohne die Unterstützung meiner Familie schaffen. Ein Traum ist für uns wahr geworden.“ Vivian Lake sah es offenbar genauso, sie reckte gemeinsam mit ihrem Vater den Pokal in die Luft.

Super Bore

In den Stunden vor dieser rührenden Szene hatte sich das Familienoberhaupt mal wieder die Football-Krone aufgesetzt. Sechs Meistertitel hat Brady nun innerhalb von 18 Jahren gesammelt. Ein Rekord, der nur mit viel Talent, viel Erfahrung und noch mehr Fleiß erreicht werden kann. Freilich, ein Glanzstück war dieser Triumph nicht. Zum einen spielte Brady nicht sonderlich gut, der 41-Jährige warf bereits nach drei Minuten dem Gegner das Ei in die Arme, brachte nur 21 seiner 35 Würfe an den eigenen Mann. Zum anderen war vor allem Bradys Gegenüber, der erst 24 Jahre junge Jared Goff von den LA Rams, derart offensichtlich mit der Bedeutung des Spiels, des größten Sportereignisses der Welt, überfordert, dass das Finale um die NFL-Krone diesem Status nicht gerecht werden konnte. Erstmals in der Super-Bowl-Geschichte startete ein Schlussviertel ohne Touchdown. Auch wurden nie zuvor weniger Punkte erzielt. Kein Wunder also, dass in den Sozialen Netzwerken die Bezeichnung „Super Bore“, Super-Langweiler, die Runde machte. Eine treffende Einordnung.

Übrigens: Auch die mit Spannung erwartete Halbzeitshow passte ins Bild. Unspektakulär trällerten Maroon 5 ihre Liedchen herunter. Interessant war da eher die logistische Leistung beim blitzschnellen Auf- und Abbau der gewaltigen Bühne. Und natürlich das Feuerwerk. Vivian Lake jedenfalls wirkte währenddessen ziemlich zufrieden. Die Sechsjährige lächelte und klatschte. Wie so oft an diesem Abend hatte sie allen Grund dazu.

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