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Felix Sturm droht das Karriereende. Foto: Fredrik von Erichsen

Sturm kann milde Strafe erwarten - BDB am Pranger

Die Dopingaffäre Felix Sturm schlägt in der Boxszene hohe Wellen. Die A-Probe nach dem WM-Kampf gegen den Russen Fjodor Tschudinow ist positiv. Es wurden Spuren des anabolen Hormons Stanozolol im Urin des WBA-Champions entdeckt.

Die Dopingaffäre Felix Sturm schlägt in der Boxszene hohe Wellen. Die A-Probe nach dem WM-Kampf gegen den Russen Fjodor Tschudinow ist positiv. Es wurden Spuren des anabolen Hormons Stanozolol im Urin des WBA-Champions entdeckt.

Über die Ungereimtheiten und das mögliche Ende der Boxerkarriere des 37 Jahre alten Kölners wird spekuliert.

Sturm ist 37 Jahre alt, kann also nicht mehr lange im Ring stehen. Jetzt kommt eine Sperre hinzu. Der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) sieht aber keinen Grund für das vorzeitige Karriereende. "Das muss auf keinen Fall das Ende seiner Laufbahn sein. Er könnte weiterhin boxen", sagte BDB-Präsident Thomas Pütz.

Die Länge der Sperre in Deutschland ist laut Reglement des BDB auf maximal ein Jahr begrenzt. Das Höchstmaß gilt bei Doping mit Vorsatz. "Ich bin mir sicher: Felix Sturm hat nicht wissentlich betrogen", sagte Pütz. Das Strafmaß liegt in solchen Fällen bei mindestens sechs Monaten. Pütz schließt verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel oder die Medikamenteneinnahme zur Heilung einer Ellenbogenverletzung als Ursache nicht aus.

Pütz: "Eine Sperre hat Sturm nur durch den BDB zu erwarten, nicht von internationalen Verbänden. Die WBA kann ihn von ihren Titelkämpfen ausschließen, mehr aber auch nicht. Sperren kann ihn nur der BDB."

Der Noch-WBA-Superweltmeister im Supermittelgewicht beklagte, dass er über die positive A-Probe erst knapp acht Wochen nach dem siegreichen Kampf gegen den Russen Fjodor Tschudinow informiert worden sei. Üblicherweise beträgt die Frist rund zwei Wochen. "Ich bin sehr verwundert, dass ich erst nach acht Wochen Bescheid bekommen habe", sagte Sturm. Der gebürtiger Bosnier hält sich seit Wochen in Sarajevo auf. "In meinem Fall wurde acht Wochen lang getestet, bis ein positives Ergebnis da war."

Der Test war nach dem Kampf am 20. Februar in Oberhausen vorgenommen worden, die Analyse erfolgte am 14. März im Kölner Institut für Biochemie. Am 15. April erhielt Sturm das Schreiben vom Weltverband WBA.

Üblicherweise wird der Veranstalter über das Ergebnis informiert. Das war der deutsche Verband BDB im Auftrag der WBA. "Wir haben das Ergebnis an die WBA nach Panama geschickt. Für den BDB analysieren wir nicht mehr. Das ist jetzt seit einem halbes Jahr so", sagte der Kölner Institutsleiter Wilhlem Schänzer am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Grund: "Der BDB ist nicht Code-compliant."

Der deutsche Profi-Boxverband unterwirft sich nicht den Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. So lehnt er Trainingskontrollen ab und führt auch kein Meldesystem über die Aufenthaltsorte seiner Sportler. Die nationale Agentur NADA hat das Kölner Institut beauftragt, positive Fälle nicht mehr an den BDB zu melden.

Pütz: "Das macht überhaupt keinen Sinn. Für Boxer ist Reaktionsvermögen und Kondition wichtig, nicht Muskelaufbau."

Schänzer: "Stanozolol ist nach wie vor eines der am meisten verwendeten anabolen Steroide. Es gehört beim Dopingmissbrauch weltweit zu den ersten drei Substanzen. Vor allem in Regenerationsphasen wird das Präparat oft genutzt."

Schänzer: "Mittlerweile sehr lang, über mehrere Wochen. Wir haben die Analysemethoden verfeinert."

Sturm hat bis zum 9. Mai Zeit. (dpa)

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