Schwimm-Meisterschaft in Berlin

Der Stoff, aus dem die Zweifel sind

Deutschlands Schwimmer sind wieder vorne dabei: Die Rekordjagd geht weiter, aber auch die Diskussion um die Anzüge.

Alles wird gut. So könnte vier Wochen vor Beginn der Schwimmwettbewerbe im Pool von Rom ein vorläufiger Ausblick auf die Weltmeisterschaft lauten. Die deutschen Schwimmer sind nach der Pleite von Peking erstaunlich selbstbewusst wieder aufgetaucht. Sie haben in Berlin nicht über harte Normen gejammert und kein Wehklagen über zu kaltes oder zu warmes Wasser angestimmt. Irritiert hat sie nur die neueste Bademode aus den Ateliers der Ausrüster.

Am Dienstag könnte der Frieden von Berlin schon enden. Dann will der Deutsche Schwimmverband (DSV) den neuen Ausstatter für die Nationalmannschaft bekanntgeben. Wie DSV-Präsidentin Christa Thiel gegenüber der FR bestätigte, sollen die Athleten beim größten Schwimmereignis des Jahres in dessen Klamotten starten. Das könnte für ordentlich Zoff sorgen. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Anfang der 70er Jahre von Horst Dassler gegründete Marke Arena der neue Schneider für die Schwimmer der Nation ist. Die bis Ende des vorigen Jahres bestehende Verbindung mit adidas ging in die Brüche, weil ein Großteil der Athleten mit dem Stoff aus Herzogenaurach, den bei den Olympischen Spielen alle tragen mussten, unzufrieden war. Der Konzern reagierte auf die anhaltende Kritik mit Kündigung. Eine für den klammen Schwimmverband existenzbedrohende Situation. Schließlich wird das finanzielle Engagement des Sponsors auf eine Million Euro geschätzt.

WM in den Ausrüstermodellen

"Ich gehe davon aus, dass der neue Ausrüster Wert darauf legt, dass die Athleten bei der WM in seinen Schwimmanzügen auftreten", betonte Thiel. Eventuelle Kritik müsse man aushalten. Es ist ein kochender Brei, der da vor der WM noch angerührt wird. Niemand mag sich daran die Zunge verbrennen. Helge Meeuw, deutscher Rekordhalter mit aufsteigender Form, will sich "lieber nicht äußern". Er verweist auf seinen persönlichen Ausrüster, der in Berlin eine Rakete an den Start brachte. Weltrekordlerin Britta Steffen ist wie er ein Fan der ausgestiegenen Drei-Streifen-Marke. In einem alten Anzug von arena schwamm Paul Biedermann zweimal deutschen Rekord. Der französische Möbelpacker Alain Bernard pulverisierte jüngst den 100-Meter-Freistil-Weltrekord in einer der neuen Gummihäute. Der polyurethan-getränkte "Stoff" fand zunächst keine Gnade vor der Regelkommission des Schwimm-Weltverbandes Fina. Jetzt, so hieß es, ist er wieder zugelassen.

Wie groß die Nervosität unter den Sportlern und folglich die Experimentierfreude ist, zeigte Daniela Samulski. Zunächst hatte die neue Weltrekordhalterin über 50 Meter Rücken den Europarekord in einem Dress ihres Vereinssponsors speedo verbessert. Beim Weltrekord trug die Essenerin dann ein Exemplar der neuen italienischen Marke Jaked. Nicht, weil das Latexteil Wunder wirken soll, sondern "weil unser Ausrüster keine Zwischengrößen parat hatte", so Trainer Henning Lambertz. Zur Nationalmannschaft mag der Erfolgscoach eigentlich nichts sagen. Doch dann muss es raus: "Drei Jahre sind wir hoffnungslos hinterhergeschwommen, weil wir kein konkurrenzfähiges Material hatten. Das darf nicht wieder passieren."

( jah )

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