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Untreue

Stockender Geldfluss

Die Schweizer Justiz ermittelt wegen Untreue gegen Organe des Welthandballverbandes - was weiß IHF-Präsident Moustafa?

Von ERIK EGGERS

Vor einigen Tagen hat Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), eine Lanze für seinen Funktionärskollegen Hassan Moustafa gebrochen. Die Vorwürfe gegen den Präsidenten der Internationalen Handball-Föderation (IHF) seien alle nicht konkret. Immerhin hat der skandalerprobte 64-Jährige Ägypter 2008 freimütig eingeräumt, die Dienstflüge von 2001 bis 2007 für rund 600 000 Schweizer Franken ohne Belege abgerechnet zu haben.

In einer neuen Sache über die Spiegel online und die Basler Zeitung schon berichteten, ermittelt die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen "Organe der IHF", die dort ihren Sitz hat. Grundlage ist eine Anzeige vom November 2008. "Es geht um unsaubere Geschäfte, die bis ins Jahr 1999 zurückreichen", bestätigte Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ermittelt wird wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung". "Ich kann bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft an der Arbeit ist", sagte IHF-Generalsekretär Mühlematter.

Es geht um den Verbleib von 1,6 Millionen Schweizer Franken, die als Zuschuss für die WM 1999 in Ägypten in den IHF-Haushalt eingestellt waren. Nach Angaben des damaligen IHF-Schatzmeisters Rudi Glock ist 1999 jedoch kein Geld geflossen. Das damalige WM-Organisationskomitee (OK) habe darum gebeten, da sonst der ägyptische Staat, der Finanzier der WM, das Geld eingenommen und es so dem ägyptischen Handball entzogen hätte. Chef des WM-OK's war der Präsident der Egyptian Handball-Federation (EHF): Hassan Moustafa. "Ich nahm an, dass die Ägypter das Geld für die Finanzierung von Nationalmannschaftsreisen verwenden würden", sagt Glock. Üblich ist allerdings, das Geld dem Veranstalter zu überlassen. Da er beim IHF-Kongress Ende November 2000 in Estoril (Portugal) abgelöst wurde, könne er keine weiteren Angaben machen, so Glock. Nach Informationen dieser Zeitung flossen indes am 21. November 2000, also eine Woche vor Glocks Demission, bereits 300 000 US-Dollar vom Konto der IHF bei ihrer Hausbank UBS ab. In Estoril wurde auch Moustafa erstmals zum Präsidenten der IHF gewählt.

Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers AG (PWC) monierten als IHF-Revisor mehrfach, dass die Restsumme immer noch auf dem IHF-Konto lag. Die IHF müsse das Geld dem eigentlichen Besitzer, dem OK von 1999, zukommen lassen, heißt es in den PWC-Berichten der Jahre 2000 und 2001. Laut einem IHF-Schreiben vom 30. April 2001 kannten mindestens vier Personen diesen Vorgang, darunter Moustafa und der damalige IHF-Geschäftsführer Frank Birkefeld. Erst 2002 floss der Zuschuss ab.

Das Geld floss aber nicht nach Ägypten, sondern es landete auf einem Konto einer kleinen Genossenschaftsbank in Straßburg, einer Filiale der Credit Mutuel. Hier lagen die 695 420,98 US-Dollar nachweislich bis zum 1. September 2003. Als Konto-Inhaber fungiert ein "OK für die WM 1999 in Ägypten". Damit ist klar, dass die IHF auch in 2003 über das Geld verfügte, was ihr laut PWC-Bericht seit 2002 gar nicht mehr gehörte.

Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat ein Rechtshilfe-Gesuch an die französischen Strafverfolgungsbehörden gestellt. Moustafa, der als IHF-Präsident, EHF-Präsident und OK-Präsident in drei Funktionen mit dem Geld zu tun hatte, wollte zu dem Vorgang keine Stellung nehmen.

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