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Gut in Form: Katharina Steinruck bei der Deutschen Meisterschaft in Siegburg über zehn Kilometer auf der Straße.

Katharina Steinruck

Die Stehauffrau

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Unter ihrem neuen Namen will Katharina Steinruck als Lokalmatadorin in Frankfurt an alte Leistungen anknüpfen.

Die Wege wirken vertraut, die Umgebung sowieso und längst duzt Katharina Steinruck die Verantwortlichen für den Frankfurt Marathon: Ihre Rolle als deutsches Aushängeschild beim ältesten deutschen Stadtmarathon spielt die 30-Jährige, in der Läuferszene besser unter ihrem Mädchennamen Heinig bekannt, vorzüglich. Dass sie ausgesprochen gut gelaunt am Freitag zu den ersten Athletengesprächen erschien, war leicht erklärt: Nach einer Fersenoperation vor fast genau einem Jahr war nicht genau klar, wie schnell sie wieder in Form kommen würde. Doch inzwischen scheint eine deutlich bessere Zeit als im Vorjahr (2:29:55 Stunden) möglich.

Das Gute sei, dass sie an alternativen Trainingsformen schon immer Gefallen gefunden hatte. „Schwimmen, Crosstrainer, Skiroller, Aquajogging: Darüber habe ich mir ein gutes Grundbett aufgebaut.“ Bereits im Frühjahr ging es in ein Höhentrainingslager nach Flagstaff in den USA, anschließend verbesserte sie über viele Wettkämpfe ihre Grundschnelligkeit. Und auch der Entschluss, dem Frankfurter Hitzesommer über einen Allgäu-Aufenthalt zu entfliehen, war wohl richtig: Bei einem Straßenlauf in Berlin verbesserte die Stehauffrau ihre Bestzeit über zehn Kilometer auf 32:39 Minuten, bei der Deutschen Meisterschaft in Siegburg war sie bereits 32:45 gelaufen. Und obwohl sie im tschechischen Usti ihre Halbmarathonzeit auf 1:12:23 drückte, war sie damit gar nicht zufrieden, weil zu „windig und warm“.

Für den Sonntag in Frankfurt sind fast perfekte Bedingungen vorhergesagt, was zu ihren hohen Ambitionen passen würde. Sie will unter 2:29:30 bleiben, um sich als zweite Deutsche für die Olympischen Spiele 2020 zu qualifizieren. Der Plan: Den Halbmarathon in 1:14 angehen, dann einen Negativsplit hinlegen, die zweite Hälfte schneller rennen.

„Mein Wunsch wäre ein 2:27:59.“ Das wäre neue persönliche Bestleistung, die bisher bei 2:28:34 liegt. Seit September vergangenen Jahres ist die ausdauernde Blondine mit Robert Steinruck verheiratet. Beide arbeiten in Frankfurt bei der Polizei, ihre Dienststellen liegen in Sachsenhausen beziehungsweise Griesheim und die Strecke führt fast direkt dran vorbei. Unterstützung wird es genügend geben. Als Kind ist sie hier den Mini-Marathon mitgelaufen, später die Staffel und als Tempomacherin. „Ich kenne jede Ecke und mag auch die Mainzer Landstraße.“ Weil dann das Gros der 42,195 Kilometer absolviert ist.

Katharina Steinruck hat kein Problem damit, sich in gewisser Hinsicht als „altmodisch“ zu bezeichnen. „Deshalb habe ich den Namen meines Mannes angenommen.“ Obwohl sie aus einer der bekanntesten Läuferfamilien Deutschlands stammt – Mutter Katharina Dörre-Heinig arbeitet als DLV-Bundestrainerin und ihre Heimtrainerin, der lange ebenfalls an den Verband gebundener Vater Wolfgang Heinig betreut immer noch erfolgreiche Athleten wie die 3000-Meter-Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause – hat sie den Nachnamen abgelegt. Jedoch nicht, um sich von ihren teils nicht unumstrittenen Eltern zu lösen. „Bei Heinig schreien nicht alle Hurra“, weiß sie, „aber gerade mein Vater ist nun einmal sehr ehrlich und direkt.“ Sie sei froh, „dass ich aus einem guten Topf an Wissen schöpfen kann.“

Gewisse Parallelen mit ihrer Mutter („Probleme bei der Höhe und Hitze und den Laufstil habe ich von ihr“) seien zwar nicht zu leugnen, aber von Leistungsvergleichen mit der dreifachen Frankfurt-Siegerin von 1995 bis 1997 hält sie so viel wie von veganer Ernährung: nämlich gar nichts. Nach ihrem Bekunden lief die Zusammenarbeit auch in der schwierigen Phase des Formaufbaus reibungslos: Es gilt im Frankfurter Stadtteil Niederrad als vertrautes Bild, wenn die 58-Jährige ihre Tochter bei den Trainingseinheiten auf dem Rad begleitet. Sie will zwar sehen, „dass ich mir selber einen Namen mache, aber ich werde immer die kleine Heinig sein“. Oder einfach die „Katha“ - der Name, der auf ihrer Startnummer sieben steht.

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