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„Sportdirektor mit Generalverantwortung für den DEB“, heißt die Job-Bezeichnung von Stefan Schaidnagel.

Reindl-Abgang steht bevor

Stefan Schaidnagel künftig starker Mann im DEB

Stefan wer? Der Name Schaidnagel ist außerhalb des Eishockeys nahezu unbekannt. Der 37-Jährige ist aber künftig der entscheidende Mann im Deutschen Eishockey-Bund. Mit der Beförderung Schaidnagels wappnet sich der DEB für einen möglichen Abgang von Präsident Reindl.

Der Deutsche Eishockey-Bund geht mit einem neuen Chef in das Jahr 2019. Offiziell ist natürlich Franz Reindl weiterhin Präsident des DEB, de facto wird der Verband fortan aber von Stefan Schaidnagel geführt.

„Sportdirektor mit Generalverantwortung für den DEB“, heißt die Job-Bezeichnung des erst 37-Jährigen neuerdings. „Meine Rolle war bislang Sportdirektor, jetzt ist es Sportdirektor plus X.“ Plus X bedeute die Generalvollmacht „für die gesamte Marschrichtung des DEB“, sagte Schaidnagel bei der Vorstellung von Toni Söderholm als neuem Bundestrainer kurz vor Weihnachten. Söderholm sollte am 20. Dezember als Nachfolger des in die NHL gewechselten Sturm im Mittelpunkt stehen. Doch das Sagen im sportlichen Bereich hat Schaidnagel. Künftig wohl auch im gesamten DEB.

Noch immer dürften nur Wenige außerhalb der Eishockeys-Szene etwas mit dem Namen Schaidnagel anfangen können. Ob sich das 2019 ändert, ist ungewiss und dürfte dem neuen starken Mann selbst recht egal sein. Obschon karrierebewusst, ist der Aufsteiger alles andere als süchtig nach dem Rampenlicht. Schaidnagel wirkt lieber im Stillen. „Stefan ist ein guter Mann. Er arbeitet sehr fleißig“, sagte Sturm der Deutschen Presse-Agentur über seinen wohl wichtigsten Mitstreiter zwischen 2015 und seiner Demission im Herbst.

Verbands-Präsident Reindl holte beide vor dreieinhalb Jahren binnen weniger Wochen zum DEB. Mit Sturm als Bundestrainer und Schaidnagel als Sportdirektor gelang die Etablierung in der erweiterten Weltspitze mit der Olympia-Silbermedaille im Februar als Höhepunkt.

Der Sportwissenschaftler Schaidnagel kam als Profi nie über die 2. Liga hinaus. Als Funktionär dürfte seine Karriere erfolgreicher werden. Öffentlich wirkt der Allgäuer, der vor 2015 vor allem im Fußball - unter anderem beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem FC Ingolstadt - wirkte, recht technokratisch und theoretisch. Innerhalb kürzester Zeit überzeugte er im DEB aber ziemlich jeden mit Fachwissen, Eifer und praktischem Können. „Er weiß, was los ist, wie kein anderer“, sagte Sturm nun nach der gemeinsamen Zeit beim DEB.

Zusammen reformierten sie den Verband sportlich bis in den Junioren-Bereich hinein. Als sich der erfolgreichste Bundestrainer der DEB-Historie im November zum Wechsel als Co-Trainer zu den Los Angeles Kings in die NHL entschied, erarbeitete Schaidnagel auch das Konzept des Verbands als Antwort darauf: Mit dem Finnen Söderholm als Bundestrainer, neuen Junioren-Bundestrainern und einer etwas anderen Struktur. Letzteres bereitet vor allem eines vor: den möglichen bis wahrscheinlichen Abgang von Reindl als DEB-Präsident.

Der 64-Jährige dürfte im Frühjahr offiziell seine Kandidatur für den Vorsitz des Weltverbandes IIHF verkünden. Der aktuelle IIHF-Präsident Rene Fasél aus der Schweiz tritt 2020 nicht mehr zur Wahl an. Der ehemalige Nationalspieler Reindl - einer der größten Strippenzieher im deutschen Sport - wurde in den vergangenen Monaten bekniet, Fasél zu beerben. Zur Rückendeckung des Weltverbandes sagte Reindl: „Ja, den spüre ich schon. Das macht mich auch wirklich glücklich.“

Sollte Reindl antreten und dann auch gewählt werden, würde der DEB nach Sturm auch den erfolgreichen Präsidenten verlieren - die zwei Gesichter des Eishockey-Aufschwungs in Deutschland. 2014 als Nachfolger der glücklosen Uwe Harnos angetreten, reformierte Reindl den zuvor chronisch klammen Verband gründlich.

Nun soll Schaidnagel als starker Mann und Entscheider auftreten und sich das Präsidium mehr und mehr in den Hintergrund zurückziehen. „Wir stellen den sportlichen Bereich ab sofort in den Vordergrund. Der Sport tritt bewusst vor den Verwaltungsbereich“, bestätigte Reindl. So soll sein Abschied irgendwann weniger ins Gewicht fallen. Das Präsidium hat in Zukunft mehr die Funktion eines Aufsichtsrates.

(Von Carsten Lappe, dpa)

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