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Bei Jugendlichen längst beliebter als der reale Sport: Simulationen an der Konsole.

E-Football

Die Stars an der Konsole

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Die Deutsche Fußball-Liga startet eine neue Klub-Meisterschaft im E-Football.

Eine besondere Vorbereitung auf die Partie braucht Cihan Yasarlar nicht. Der gebürtige Berliner weiß aus zahlreichen Duellen ganz genau, wie Michael „MegaBit“ Bittner und Mohamed „MoAuba“ Harkous vom SV Werder Bremen spielen. Aber nicht auf dem Fußballplatz. Yasarlar ist E-Sportler, Profi der Fußballsimulation Fifa von Electronic Arts auf der Playstation 4. Er spielt für RB Leipzig und ist einer der besten seiner Zunft. Er misst sich ab Donnerstagabend in der Virtual Bundesliga (VBL) Club Championship. In der virtuellen Klub-Meisterschaft der DFL wird es bis zum 14. März 21 Spieltage mit jeweils elf Begegnungen geben. Im Mai steigt das große Finale. Die wöchentliche Toppartie wird jeden Donnerstag um 20.15 auf Pro Sieben Maxx live übertragen.

„E-Football ist längst ein Massenphänomen für Millionen weltweit. Wir tun gut daran, wenn wir auch in diesem Bereich aktiv gestalten, bevor es andere tun“, sagte Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Dienstag beim Neujahrsempfang der 36 deutschen Profiklubs.

Borussia Dortmund und Bayern München fehlen

Die DFL organisiert die virtuelle Bundesliga seit 2012. Im vergangenen Jahr nahmen 150 000 Spieler an den Qualifikationsturnieren teil. Tendenz steigend. „Das Fifa-Spiel ist für uns ein Marketinginstrument“, gibt Dominik Hilpisch-Hahn, Lizenzierungs- und E-Sports-Chef der DFL-Tochtergesellschaft Bundesliga International GmbH, offen zu. Es soll Mehrwerte für die Klubs schaffen.

22 Vereine nehmen an der VBL in diesem Jahr teil. Auffällig: Borussia Dortmund und der FC Bayern München fehlen. Bundesligateams wie Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg beschäftigen schon seit einigen Jahren professionelle Spieler. Eintracht Frankfurt bietet seit diesem Januar E-Sports an und hat sich für die Zeit der VBL zwei Spieler unter Vertrag genommen. Wichtig war dabei, dass sie sich mit der Eintracht identifizieren. Im vergangenen Jahr hatte der Klub zwei Wildcards bekommen. und in einem Turnier, die zwei besten Spieler ermittelt, egal, ob mit oder ohne Eintracht-Bezug.

Tim Reichert, Chief Gaming Officer des FC Schalke 04, hält E-Sports für einen Trend, der „nicht weniger werden wird“. Die Gelsenkirchener unterhalten neben Spielern der Fußballsimulationen Fifa und Pro Evolution Soccer (PES) als einziger deutscher Fußballklub ein Team des Strategiespiels League of Legends (LoL). „Wir haben ein sehr relevantes siebenstelliges Budget“, berichtet Reichert. Im vergangenen Jahr sei man erstmals in den profitablen Bereich gekommen. 

100 000 Abonnenten auf Youtube

Reichert sieht mehr Chancen, denn Gefahren für die Gesellschaft durch E-Sports. DFB-Präsident Reinhard Grindel oder der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) stehen dem professionellen Zocken skeptisch bis kritisch gegenüber. „E-Sports ist mit anderem Sport nicht direkt vergleichbar. Das wollen wir auch gar nicht, aber es gibt viele Dinge aus dem Sport, die sich in E-Sports wiederfinden“, so Reichert. Zusammenkommen, soziale Verbindungen, als Team agieren und für ein Ziel arbeiten. „Ich ackere sehr hart dafür“, sagt Yasarlar, der heute 26 wird. Drei bis vier Stunden trainiert er in Testspielen gegen andere Profis. Darüber hinaus produziert er Videos für seine mehr als 100 000 Abonnenten auf Youtube. „Die Kinder sehen uns als coole Stars“, berichtet er von Begegnungen auf der Straße. Der VBL-Meister von 2016 und Europameister von 2017 verdient einen sechsstelligen Betrag im Jahr. 

Wie viel Geld die DFL von Electronic Arts für die Lizensierung in der Fifa-Reihe bekommt, will Hilpisch-Hahn nicht verraten. Er glaubt, dass das Spiel und die Dynamik viele Synergieeffekte erzeugen. „Die Lust auf Fußball wird dadurch eher größer als kleiner“, ist er überzeugt. Kinder hielten sich an der Konsole in einer ganz anderen Welt auf, bei der sie mit Fußball konfrontiert werden, „und es so auch im realen Leben ausüben“. Oder eben durch das Zocken Fan eines Klubs werden und dann ins Stadion kommen.

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