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Hat viel zu tun in Italien: Manuel Machata, Bob-Nationaltrainer.

Manuel Machata

Den Bob in die Spur bringen

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Bobtrainer Manuel Machata leistete in China und jetzt in Italien Aufbauarbeit.

Manuel Machata winkt ab. „Ach“, sagt er, „wir fahren ungefähr mit Modellen von 1945.“ Der ehemalige Weltmeister muss selber lachen, als er hinzufügt: „Es sind fast historische Bobs.“ Neben ihm sitzt Johannes Lochner, beim traditionellen Vorweihnachtstermin der Eiskanal-Sportler im Spatenhaus an der Oper geht es gemütlich zu. Und im Plauderton erzählt Machata eben von seinem Job als Bob-Nationaltrainer. Nicht mehr in China – dort war er von 2016 bis 2018 –, sondern inzwischen in Italien. Eine ganz andere – und doch ähnliche Aufgabe.

Selbst Lochner, deutscher Vorzeige-Bobfahrer und guter Freund von Machata, lauscht interessiert, als der 35-Jährige von seinem Alltag erzählt. Denn die Karriere nach der Karriere ist für den Berchtesgadener „von Spannung geprägt“, wie er selbst sagt. Als Machata vor drei Jahren an derselben Stelle saß, hatte er von ersten Erfahrungen aus China berichtet. Dort sollte der Trainernovize mit Fachkompetenz und Akribie dafür sorgen, dass die nicht gerade als Bobfahrer-Nation bekannten Chinesen bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking in allen Konkurrenzen vorne mitfahren können. Die Spiele finden erst in zwei Jahren statt. Gecoacht wird das Team China aber inzwischen nicht mehr von Machata, sondern von Pierre Lueders und André Lange, beide Olympiasieger.

„Kultur, Mentalität, Organisation“ – Machata zählt zahlreiche Punkte auf, die seine Arbeit in China erschwert haben. Seinen Nachfolgern geht es ähnlich, einem starren System mit Innovation entgegenzutreten, kann aufreibend sein. Ein Beispiel: Beim offiziellen „Casting“ für potenzielle Bobfahrer wurden Machata aus den anerkannten Sportschulen rund 200 Kandidaten geschickt. „180 davon“, sagt er, „waren allein von den körperlichen Voraussetzungen fürs Bobfahren ungeeignet“. Wenn er in der Vorauswahl keinen Athleten für sein Perspektivteam gefunden hat, „habe ich von oben Probleme bekommen“.

Nach drei Jahren, „in denen ich eine Menge dazugelernt habe“, trat er den Rückzug an. „Bis dahin ist viel passiert“, sieben Athleten starteten 2018 in Pyeongchang. Weitere vier Jahre aber wollte Machata so nicht weitermachen. Der neue Job kam ihm da gerade recht.

Auch in Italien – 2026 Ausrichter der Winterspiele – leistet Machata nun Aufbauarbeit. Die Erfahrung aus dem ersten Jahr als Chefcoach hat schon mindestens eine Parallele zu China ans Licht gebracht: „Die Geldhähne werden bei den Olympia-Heim-Nationen viel zu spät geöffnet.“ Sechs Jahre sind es noch, ehe Turin Gastgeber ist, Machata muss bis dahin, „ein Team aufbauen, das Erfolg haben kann“. Bisher hat er weder eine Bahn noch strukturierte Stützpunkte: „Man muss die Athleten nehmen, die da sind – und dazu junge Athleten aufbauen.“

Mit zwei Teams ist er aktuell im Weltcup unterwegs, es sollen sukzessive mehr werden. Vor allem am Start hängt man hinterher, im Zweierbob wirkt sich das enorm aus. Machata sagt: „Zeit ist das Wichtigste im Leistungssport. Jede Woche, in der nichts passiert, ist verloren.“ Sechs Jahre hören sich viel an, sind es aber nicht. Jedes Training zählt.

Machata ist ein Typ, der kämpft für etwas, das er sich in den Kopf gesetzt hat. Aber er ist auch einer, der gerne aneckt, wenn er etwas erreichen will. In China passte das nicht mehr, in Italien wird seine erste Bilanz bei Olympia in zwei Jahren gezogen.

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