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Das DSV-Quartett.

Ski-WM

Sprung ins Geschichtsbuch

Deutsche Skispringerinnen werden ihrer Favoritenrolle gerecht.

Als Katharina Althaus im Schnee von Seefeld gelandet war, da waren auch die letzten leisen Zweifel beiseite gewischt. Auf 99,5 Meter war die Oberstdorferin gesegelt. Das war mehr, viel mehr als nötig, um dieses Stück Sportgeschichte zu schreiben. Die deutschen Skispringerinnen waren ja ein so turmhoher Favorit gewesen für diesen ersten Teamwettbewerb der Geschichte des Frauenskispringens. Doch die Favoritenrolle zu haben, ist die eine Sache – ihr gerecht zu werden, eine andere. Der Jubel fiel nach dem Triumph entsprechend ausgelassen aus. „Ich bin wahnsinnig glücklich“, krähte Althaus.

Nur ganz kurz hatte das DSV-Quartett gewackelt. Ausgerechnet Carina Vogt, ausgerechnet die ausgemachte deutsche Spezialistin für Großereignisse hatte im vorletzten Durchgang Terrain auf die schärfsten Verfolger aus Österreich (2./880,3 Punkte) und Norwegen (3./876,9) eingebüßt. Doch zu schlagen war das mit Abstand ausgeglichenste Team des Weltcups nicht.

Was für ein Erfolg auch für Andreas Bauer. Der Trainer genoss die Momente des Triumphs mit geschlossenen Augen. Seit 2011 hatte der Oberstdorfer an der Weiterentwicklung der Frauenabteilung gefeilt. „Jetzt ernten wir die Früchte unserer Arbeit“, sagte er mit breitem Grinsen.

Doch nicht nur Bauer und seine Deutschen durften sich bestätigt fühlen. Auch die Seefelder Veranstalter, die einen hochklassigen Wettbewerb erlebten. Die WM-Macher waren durch die kurzfristige Hereinnahme ins Programm ja durchaus ein Risiko eingegangen. Rund 150 000 Euro extra mussten aufgewendet werden, um den Frauen diese Premiere zu bescheren. Wofür die gewisse finanzielle Abstriche in Kauf nehmen mussten. Mit einer Prämie von 4400 Euro wurde die Goldmedaille versüßt. Das ist ziemlich überschaubar gegen die 31 000 Euro, die Markus Eisenbichler und Co. für ihren Sieg im Männerwettbewerb einstrichen.

Ramona Straub ragt heraus

Doch den Frauen war es egal. Allen voran Ramona Straub. „Sie weiß gar nicht, wie gut sie ist“, hatte Andreas Bauer im Vorfeld über die Schwarzwälderin gesagt. Und doch war die Weltcup-12. im Vorfeld als potenzieller Schwachpunkt des deutschen Ensembles ausgemacht worden. Doch die 25-Jährige lieferte bereits im ersten Durchgang eine 106-Meter-Demonstration und brachte das deutsche Quartett auf Kurs. Im zweiten Versuch packte Straub noch einmal 100 Meter drauf. Hätten die Seefelder WM-Macher gestern auch eine Einzelwertung geführt – nicht Katharina Althaus (104,5/99,5 Meter), nicht Juliane Seyfarth (98/95 Meter) und auch nicht Weltcup-Dominatorin Maren Lundby (108/100,5 Meter) wären ganz oben gestanden, sondern Straub. Sie selbst nahm es verzückt zur Kenntnis. „Heute haben selbst schlechte Sprünge funktioniert“, schwärmte sie, „ich habe gemerkt, dass es bei mir heute auf dieser Schanze einfach gehen muss.“

Was natürlich einiges erwarten lässt für den Einzelwettbewerb, der am Mittwoch (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet) auf der Toni-Seelos-Schanze folgt. Nicht erst Eisenbichlers Erfolgsrausch hat gezeigt, welche Folgen eine Medaille in der Kopfsportart Skispringen haben kann.

Katharina Althaus nahm es, frisch mit der Goldmedaille behängt, ziemlich zufrieden zur Kenntnis. „Wir sind ein starkes Team, denke ich“, sagte sie, „ich glaube schon, dass uns auch da wieder einiges zuzutrauen sein wird“. Wer würde nach diesem Tag daran zweifeln wollen.

Autor: Patrick Reichelt

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