+

Sportlicher Durchblick

Eine Schwimmbrille mit perfektem Sitz im FR-Test

Von JUTTA HEESS

Unter Wasser ist die Welt noch in Ordnung. Vorausgesetzt man trägt keine Schwimmbrille und hält die Augen geschlossen. Jahrelang tauchte ich bewusst sehbehindert durch die Schwimmbäder - blind wie ein Fisch sozusagen. Eine Metapher, die vielleicht deshalb entstanden ist, weil Fische ebenfalls keine Schwimmbrille tragen.

Ich jedenfalls sah es auch nicht ein, warum ich mir beim Schwimmen die Bäuche der anderen Badenden anschauen sollte. Oder gar gewisse Kratzbewegungen an pikanten Stellen. Von mir aus sollten sich die Leute unter Wasser ruhig weiterhin unbeobachtet fühlen, Augen zu und durch, war meine Devise. Zumal ich schlechte Erfahrungen gemacht hatte: Meine erste und einzige Schwimmbrille war die Schwimmbrille Mark Spitz aus dem Yps-Heftchen, die sich aber als extrem wasserdurchlässig erwies - und somit ihren Sinn und Zweck nicht erfüllte. Außerdem rutschte sie nach dem Kopfsprung vom Startblock regelmäßig von den Augen auf die Kehle, und dass man eine Schwimmbrille als Halskette tragen sollte, leuchtete mir nicht ein. Wie Mark Spitz mit diesem Plastikzwickel neunmal Olympiasieger werden konnte, das ist mir heute noch ein Rätsel.

Doch eines Tages ging auch ich unter die Sehenden. Besonders nachdem ich mich von der einfachen Planscherei verabschiedet hatte und anfing, ordentlich und konditionsorientiert Bahnen zu schwimmen. Um den Zusammenstößen mit anderen Athleten sowie dem Beckenrand ein Ende zu bereiten, wagte ich es tatsächlich, im Laden nach einer Spezialbrille zu sehen. Und wenn ich schon vom schwimmbadlichen Schleierblick auf sportlichen Durchblick umstellte, dann musste meine Neuerwerbung mindestens Arena X-Ray heißen.

Daneben erschienen mir immerhin auch andere Modelle verheißungsvoll: Es gibt Zoom für die Unterwasserspanner und Drive Plus für alle, die mit einem Außenbordmotor nachhelfen. Vitesse Mirror eignet sich wohl am besten für schnelle Schwimmer, die gerne ihr Spiegelbild in der eigenen Brille betrachten. Ich schwankte noch kurz zwischen Vulcan und Booster - vor allem, weil ich mir vorstellte, dass eine feurige Verstärkung auf den letzten Bahnen der 1000-Meter-Strecke nicht schlecht wäre -, entschied mich dann aber für die Röntgenaugen. Einfach so. Weil mir die Brille in ihrem hellen Blau gefiel.

Mittlerweile möchte ich sie nicht mehr missen. Tatsächlich gewährleistet das "flache, leichte und einteilige Gestell einen perfekten Sitz", wie die Beschreibung verspricht. Ob ich allerdings die "doppelte Antifog-Beschichtung" sowie den "doppelten TPR-Kopfriemen mit Hinterkopfversteller" wirklich gebraucht hätte, bezweifle ich. Weil es unter Wasser selten nebelt und ich eigentlich mit meinem Hinterkopf ganz zufrieden bin. Verstellen muss man den nicht, aber wer weiß. Doppelt hält auf jeden Fall besser.

Lustige andere Attribute fehlen meiner X-Ray auch: So hat sie keine Rundumsicht, was mir beim Geradeausschwimmen nicht wirklich etwas ausmacht. Konkurrenzprodukte warten auch auf mit einer vulkanisierten Linse, einer hypoallergenen TPE-Dichtung und dem selbstregulierenden Nasensteg. Immerhin besteht meine Brille wie fast alle anderen aus Polycarbonat und Silikon. Nicht zu fassen, dass sich Frauen in die Brust quasi Schwimmbrillen spritzen lassen. Ich bleibe lieber beim Brustschwimmen und genieße die fast karambolagefreie Fortbewegung im Wasser. Natürlich kann auch der schärfste Röntgenblick so manchen Zusammenstoß nicht vermeiden - vor allem, wenn auf Bahn drei eine Badende eine Synchronübung mit sich selbst einstudiert.

Doch grundsätzlich bin ich zufrieden mit der hinzugewonnen Sehkraft. Allerdings war es ein bisschen gewöhnungsbedürftig mit anzusehen, welche Partikel von Irgendwas im Wasser rumschweben. Aber dann kann man die eigene Schwimmbrille gelegentlich ad absurdum führen - und einfach die Augen schließen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion