1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Tränenreicher Abschied bei den Snowboard-Fahrern: Shaun White stürzt bei seinem „letzten Tanz“

Erstellt:

Von: Nadja Austel

Kommentare

Olympia Peking 2022: Der Snowboarder Shaun White wird nach seinem letzten Run von einem TV-Sender interviewt und bricht in Tränen aus. Der Kameramann steht direkt vor White, der sich leicht abwendet und sich die Augen reibt.
Tränenreicher Abschied: Am 10.02.2022 beendete Shaun White seine Snowboard-Karriere. © picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Snowboard-Superstar Shaun White schafft es bei der spektakulären Show im Halfpipe-Finale Olympia 2022 nicht mehr aufs Podest – und verabschiedet sich emotional.

Peking – Am Ende seiner unvergleichlichen Karriere kamen Snowboard-Legende Shaun White nach seinem letzten Run bei Olympia 2022 die Tränen. „Sorry, dass ich so schrecklich am Heulen bin“, sagte er, stellte aber auch gleich klar: „Ich bin nicht traurig über das Ergebnis.“ Platz vier? Nur Nebensache. Es war sein „letzter Tanz“ und Superstar aus den USA ließ seinen Emotionen freien Lauf. Der Vorhang ist gefallen, seine „Bonusrunde“, von der White vorher immer wieder gesprochen hatte, endete ohne Ertrag. Kein viertes Einzelgold nach 2006, 2010 und 2018 für die „Fliegende Tomate“ in Peking, stattdessen der vierte Platz. 

Der finale Angriff von White endete im Kunstschnee. Statt auf dem Podest landete der Superstar auf dem Hosenboden: Den „1440 back-to-back“ verfehlte er nur knapp – und stürzte. Ein Raunen ging durch die Menge. White zog sich daraufhin Helm und Brille vom Kopf und glitt winkend und lächelnd unter Applaus den Hang hinunter. Für einen Moment war die Halfpipe das finale Spalier für ihren König.

„Ich hätte hier gerne noch mal auf dem Podium gestanden, aber man kann einfach nicht immer alles haben“, sagte der Kalifornier. White hat diesen Sport geprägt wie niemand sonst. Als Erster bekam er bei einem großen Wettkampf die Maximalpunktzahl von 100 und erfand Tricks mit höchster Schwierigkeit wie den „Double McTwist 1260“, einen Doppelsalto mit dreieinhalb Schrauben. 

Snowboard-Legende Shaun White verabschiedet sich nach Run bei Olympia 2022

„Snowboard war die Liebe meines Lebens. Es war eine so lange Reise“, sagte der 35 Jahre alte White später vor den Kameras: „Ich bin einfach nur glücklich.“ Sein verkorkster letzter Run?: „Vielleicht war es der Druck, vielleicht aber auch die Erschöpfung.“ Lange Zeit sah es nicht so aus, als könne White überhaupt ein Ticket für Peking ergattern. Unter anderem warfen ihn eine Knöchelverletzung und eine Corona-Infektion zurück, trotzdem schaffte er es zum fünften Mal zu Winterspielen, die für ihn immer etwas Besonderes waren.

Shaun White im Close-Up, er ist sehr emotional und reibt sich mit einer Hand die Augen.
Shaun White beendet nach seinem letzten Run bei Olympia 2022 seine Snowboard-Karriere. © dpa/Angelika Warmuth

Die große Show in der Halfpipe lieferte in diesem Jahr ein anderer: Ayumu Hirano aus Japan. Chancenlos sah der beste Snowboarder der Geschichte mit an, wie sich Hirano und der Australier Scotty James ein packendes Duell um Gold lieferten. Während der Australier im letzten Versuch patzte, beseitigte Hirano im letzten Versuch mit einem ebenso spektakulären wie fehlerfreien Run alle Zweifel am Sieg. 

„Es war ein harter Tag für mich, ich bin trotzdem stolz. Die Jungen haben mir aber gezeigt, wo es mittlerweile lang geht“, sagte White. Noch vor vier Jahren hatte der Japaner dabei zusehen müssen, wie White an ihm vorbeizog, theatralisch auf die Knie sank und weinend sein Bord in die Luft warf. Im dritten Anlauf erfüllte sich der Olympia-Zweite von 2014 mit Japans erstem Snowboard-Gold seinen „Kindheitstraum“.

Olympia 2022: Shaun White überlässt den Snowboard-Wettkampf den Jüngeren

White gratulierte aufrichtig. „Das war der Run seines Lebens. Ich bin so stolz auf ihn.“ Hirano dankte artig: „Shaun war immer meine Motivation“, sagte er. White tritt ab, doch die Zukunft hat längst begonnen. Sie gehört Leuten wie Hirano, James, Bronzegewinner Jan Scherrer aus der Schweiz – oder auch dem Kemptener Andre Höflich, der Achter wurde.

„Shaun White ist der Größte aller Zeiten. Jeder kennt Shaun White, sogar die Menschen, die sich nicht für Snowboard interessieren“, sagte Höflich. Der Bayer wurde mit 76 Punkten Achter und egalisierte damit das beste Olympia-Resultat eines männlichen deutschen Snowboarders in der Halfpipe. Er war froh, an diesem Tag dabei zu sein: „Das ist für mich eine Riesen-Ehre, Shaun heute gemeinsam mit allen anderen in die Rente zu schicken.“

White wird nun mit etwas Abstand beobachten, wie sich das Snowboarden entwickelt. „Ich habe so viele Dinge, für die ich lebe, die mich interessieren“, sagte er. Langeweile fürchtet er nicht. White spielt nebenbei seit Jahren Gitarre in einer Band, hat als Unternehmer eine Reihe von Firmen und Beteiligungen. „Ihr werdet mich wieder sehen, es beginnt nur ein neues Kapitel“, sagte er zum Abschied. (na/dpa/sid)

Auch interessant

Kommentare