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Neues Bullenfahrzeug, alte Fahrer: Mark Webber und Weltmeister Sebastian Vettel (rechts).
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Neues Bullenfahrzeug, alte Fahrer: Mark Webber und Weltmeister Sebastian Vettel (rechts).

Neuer Red Bull-Renner

Spionage mit Hindernissen

Die Konkurrenz beäugt Sebastian Vettels neues Auto argwöhnisch und Schumachers Mercedes ist noch bockig. Die Titelverteidigung hängt auch am Tempo, mit dem das Auto weiterentwickelt wird.

Von Olaf Bachmann

Die Konkurrenz beäugt Sebastian Vettels neues Auto argwöhnisch und Schumachers Mercedes ist noch bockig. Die Titelverteidigung hängt auch am Tempo, mit dem das Auto weiterentwickelt wird.

Im Gedränge vor Box Nummer eins läuft am Dienstagmorgen nichts alles optimal für Sam Michaels. Der Technikdirektor des Williams-Teams hat zwischen den Fotografen zwar einen recht guten Platz gefunden, aber mit einem Becher heißen Kaffees auf Spionagetour zu gehen, ist keine gute Tarnidee. Michaels (39) flucht leise, als ihm das Gebräu über die rechte Hand spritzt.

So etwas kann passieren, wenn man nur Augen für die wichtigen Dinge des Lebens hat. Bei Michaels ist das die Formel 1. Kein Einzelschicksal. Im Lauf des Vormittags auf dem Circuit Riccardo Tormo in Valencia erfährt man beiläufig, dass einige Redbull-Mitarbeiter unter Verzicht auf weihnachtliches Privatleben den Neubau des RB7 vorangetrieben haben. Der blaue Bolide mit dem Bullen-Logo ist ausnahmsweise rechtzeitig fertig geworden – was in diesem Fall eine Frage von Minuten war. Weltmeister Sebastian Vettel (23) sieht seinen neuen Dienstwagen zum ersten Mal eine Stunde vor der Präsentation, „an einem Stück“.

Spion Michaels muss sich damit begnügen, das Konkurrenzprodukt aus fünf Metern Entfernung anzustarren und dabei gelegentlich in die Knie zu gehen. Viel sehen kann der Williams-Mann nicht. Aber gewiss registriert der Fachmann Konstruktionsdetails, die Norbert Vettel ganz locker übergeht. Der Vater des Champions betrachtet das Spektakel aus größerer Entfernung und beschreibt seine Eindrücke mit Bergsträßer Lakonik: „Blau, gelbe Schnauz’ und vier schwarze Räder.“ So kann man es natürlich auch sehen, wobei man davon getrost ausgehen darf, dass Vettel senior sehr wohl unterrichtet ist über die jüngsten Formel-1-Gimmicks, die den Konstrukteuren etliche Windkanal- und Meeting-Stunden bescherten, inklusive der branchenüblichen Paranoia, irgendetwas übersehen zu haben – im Gegensatz zur Konkurrenz.

Redbulls Stardesigner Adrian Newey kennt dieses Gefühl von beiden Seiten, als genialer Erfinder und als schnöder Kopierer. Eine der „Schönheiten der Formel 1“ sei die Möglichkeit, „dank einer cleveren Idee siegen zu können“, sagt Newey. Er ist Weltmeister in dieser Disziplin, doch das ist keine Erfolgsgarantie. „Wir wissen noch nicht, was die anderen Teams über den Winter entwickelt haben“, sagt Sebastian Vettel vor dem ersten Testtag. Die Startnummer 1 sehe „gut aus“, sagt der Heppenheimer. „Die Saison fängt bei Null an und ist mit 20 Rennen so lange wie noch nie. Natürlich wollen wir die Titel verteidigen, aber es ist unmöglich, etwas vorherzusagen.“ Es werde viel davon abhängen, fügt Vettel hinzu, „wer in der Saison sein Auto schneller entwickelt“. An dieser Aufgabe ist im Vorjahr Mercedes gescheitert.

Das Beste oder nichts

Die Hintergründe der mit WM-Rang vier desaströs gescheiterten Titelverteidigungsmission werden von Prinzipal Ross Brawn und ähnlich prominenten Teamkollegen inzwischen erstaunlich offen dargelegt. Mangelnde Kommunikation zwischen den wichtigsten Abteilungen habe dazu geführt, das „die besten kreativen Ideen nicht aufs Vorjahrsauto gekommen sind“, sagt Nico Rosberg. Das soll nicht mehr passieren, nicht beim MGP-W02, der am Dienstag in Valencia 46 Minuten nach dem Redbull von Rosberg und Michael Schumacher enthüllt wird.

Brawn verspricht, dass in allen Schlüsselbereichen künftig „besser gearbeitet“ werde. Solche Worte können einem schnell auf die Füße fallen. Bis zum Nachmittag schafft der zumindest optisch stärker glänzende „Silberpfeil“ ganze neun Runden, ehe ein Hydraulikschaden die Testfahrt jäh beendet. Erst nach viereinhalb Stunden ist der Schaden behoben, kann Schumacher das Cockpit übernehmen. Ein fast verlorener Testtag kann das kompromisslos formulierte Saisonziel der deutsch-englischen Allianz freilich nicht in Frage stellen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug verlangt Siege, Schumacher will „etwas Großes aufbauen“, Rosberg „gerne Rennen gewinnen“ – getreu dem Mercedes-Werbeslogan: „Das Beste oder nichts“.

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