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Ein Mann von Format: Michael Ballack.
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Ein Mann von Format: Michael Ballack.

Michael Ballack

Der Spielertrainer

Michael Ballacks Tränen sind getrocknet - jetzt verbreitet der Kapitän Vorfreude auf die Fußball-Europameisterschaft.

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Auf der endlich wieder von Sonnenschein heimgesuchten Insel Mallorca sieht man ein breites Lausbubenlächeln. Es ist das Lächeln von Michael Ballack. Es ist das Lächeln desselben Mannes, der sich vergangene Woche nach dem Champions League-Finale noch seiner Tränen nicht schämte. "Es tut mir gut, wenn die Emotionen rauskommen", sagt er.

Er sitzt in kurzen Hosen droben auf dem Podium des fensterlosen Presseraumes im Stadion Son Moix und schaut gut gelaunt in die Runde. Das verlorene Elfmeterschießen gegen Manchester United, sagt der 31-Jährige, "das habe ich mir noch einmal im Fernsehen angeguckt und dann habe ich es abgehakt. Ich freue mich, dass es gleich weitergeht. Das ist gut für meinen Kopf." Die Niederlage dürfte auch gut für seinen Körper gewesen sein, denn die rauschende Party, in England traditionell mit Unmengen von Alkohol verbunden, fiel in dieser Form aus.

Es war danach gewiss klug, dass Bundestrainer Joachim Löw seinem wichtigsten Mann, dem in jeweils mehr als 70 Champions League-Partien und Länderspielen gestählten Anführer, noch ein paar Tage Sonderurlaub gewährt hat. Ballack nutzte die Zeit, um auf andere Gedanken zu kommen.

Er bereitete unter anderem die Hochzeit mit seiner langjährigen Kaiserslauterer Lebenspartnerin Simone Lambe vor, mit der er bereits die drei Söhne Louis (6), Emilio (5) und Jordi (3) hat. Drei ballverrückte Bengel, wie sich bereits abzeichnet. Der Vater befindet sich, im Spätsommer seine Karriere, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft.

Gestern, in einer kleinen Spielpause beim Training Abwehr gegen Angriff, hat sich "Balle" den Ball geschnappt und aus 25 Meter Vollspann draufgehalten. Er rammte den Ball geradezu ins Netz. Aber die Übung sollte eigentlich schon weitergehen, Trainer Joachim Löw hat, ganz kurz nur, einen strengen Blick aufgesetzt. Aber er ist natürlich heilfroh, dass Ballack nach der schweren Enttäuschung sein inneres Gleichgewicht so schnell wiedergefunden hat.

Den Frust über das verlorene Elfmeterschießen in Moskau, das ist offenkundig, hat der Führungsspieler verdaut. Inzwischen, sagt er, überwiege die Erleichterung darüber, überhaupt "gesund auf dem Feld zu stehen". Ballack erinnert sich an Tage während seiner achtmonatigen Verletzungspause, "da denkst du, dass du nie wieder auf den Fußballplatz zurückkommst. Alles, was danach kommt, ist Freude pur. Dafür habe ich mal angefangen als kleiner Junge."

Diese Freude, gepaart mit "Kraft und Energie", so Löw, soll der Umschaltspieler im zentralen Mittelfeld nutzen, um voranzugehen: "Michael wird dieses Turnier prägen und die Mannschaft anführen." Die jungen Spieler, beschreibt Manager Oliver Bierhoff, "schauen mehr denn je zu Michael auf". Dessen verbindliche Art korrespondiert passgenau mit der Personalführung von Löw. "Michael", lobt Bierhoff, "hat das große Bild im Kopf, er setzt sich für die Mannschaft ein mit dem Preis, dafür seltener zu Torchancen zu kommen."

Ballack hat diese Rolle im deutschen Mittelfeld vor genau zwei Jahren eingefordert, als nach einem 2:2 im vorletzten WM-Test gegen Japan ein heilloses Chaos in der Defensive herrschte. Der von Jürgen Klinsmann zum Kapitän beförderte offensive Mittelfeldspieler coachte sich ins defensive Mittelfeld. Seit diesem Tag haben sich seine Kompetenzen als Spielertrainer noch erweitert.

Seine Rhetorik ist die eines gewieften Taktikers. Der starke Sturm sorge für "eine gewisse Sicherheit im Verbund"; sein Zusammenspiel mit Torsten Frings sei "enorm wichtig für die Stabilität der gesamten Defensive". Seine Zurückhaltung in der Frage der zentralen Problemzone Abwehr ("Ich möchte nicht auf einzelne Spieler eingehen") ergänzt er vielsagend - etwa mit nonverbalen Grüßen an Christoph Metzelder. "Jeder Einzelne muss ehrlich sein und sich so fordern, dass er das Bestmögliche für die Mannschaft herausholt."

Und für den letzten EM-Test morgen in Gelsenkirchen gegen Serbien (17.45 Uhr, ARD) erwartet er keine Experimente, sondern eine erste Elf, die "sich einspielen kann". Natürlich weist Ballack pflichtschuldig darauf hin, dass die Entscheidung letztlich der Chefcoach trifft.

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