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Handgreiflichkeiten sind keine Seltenheit auf Fußballplätzen.
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Handgreiflichkeiten sind keine Seltenheit auf Fußballplätzen.

Gewalt im Fußball

Der Spieler wird sein Schiedsrichter

Schiedsrichter sind nicht immer beliebt. Manche von ihnen werden sogar von den Beteiligten systematisch bedroht. Damit es in Zukunft weniger Gewalt gegen den Schiri gibt, suchen Fußball-Verbände nach Lösungen - zum Teil auch kuriose.

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

Ecke oder Abstoß? Erst mal hebt jeder Spieler provisorisch den Arm, bereit, seinen Standpunkt notfalls auch verbal gegenüber dem Schiedsrichter zu vertreten. Eine typische Szene im Fußball, auch bei den Amateuren. Diese Zeiten sollen aber in Flensburg vorbei sein. In dieser Saison sollen die Spieler selber entscheiden, selber die Verantwortung für Ecken, Einwürfe und Abstöße übernehmen. Unverbindlich. Das letzte Wort hat immer noch der Schiedsrichter.

Die Idee klingt beinahe revolutionär. Und sie ist nicht die einzige, die sich die Verbände deutschlandweit ausgedacht haben. Sie wollen sich nicht länger auf das Mittel Sanktionen durch die Sportgerichte verlassen, die zwar bestrafen, aber weder hinterfragen noch vorsorgen. Das Flensburger Model wurde vom Fair-Play-Beauftragten Uwe Münchow mitentwickelt. Die Spieler sollen Verantwortung übernehmen, nicht länger über Nichtigkeiten wie Einwürfe an der Mittellinie streiten. Langsam werde es besser, sagt Münchow: „Wir haben vielleicht noch fünf Streitigkeiten im Spiel. Aber man merkt leider schon den Unterschied, ob es um einen Einwurf am Anfang geht, oder beim 1:1 in der 90. Minute.“ In Sachsen-Anhalt wollten die Verantwortlichen sogar noch einen Schritt weiter gehen, um die Spieler in die Lage der Schiedsrichter zu versetzen: Sie wollten sie die Schiedsrichter-Ausbildung durchlaufen lassen, sie auf die Plätze schicken, sie die Pöbeleien selbst erleben lassen. Erst dann sollten sie wieder als Spieler zurückkehren dürfen. Der Versuch scheiterte aber an der Regel, dass gesperrte Spieler nicht als Referees eingesetzt werden dürfen.

„Deeskalations-Abende“

In Gelsenkirchen soll das Problem außerhalb des Platzes gelöst werden, bei sogenannten „Deeskalations-Abenden“. Die sind verpflichtend, je ein Trainer und ein Vereinsvertreter der 62 Klubs müssen anwesend sein – und angeleitet von einem professionellen Deeskalations-Trainer aktiv werden. „Der hat aber nicht nur geredet, sondern gefragt, gelockt, und gefordert, Lösungen zu finden“, sagt Werner Schütte, der Obmann des Kreises. So einfach sei das aber leider nicht. Erst mal seien immer die anderen schuld. Die anderen Vereine, die anderen Spieler, und die unqualifizierten Schiedsrichter. Und Konsequenzen ziehen sollen auch erst mal die anderen, auch diese Reaktion hat Schütte erlebt: „Die Vereine sagen dann immer, sie würden die Betroffenen ja rausschmeißen, aber dann würden sie zu einem anderen Verein gehen.“ Hat sich denn sichtbar etwas verändert? Schütte zögert. „Vielleicht ist es deshalb bei uns nicht ganz so extrem, sondern etwas humaner und moderater.“

In Frankfurt sollen Coaches die Schiedsrichter-Neulinge anfangs begleiten

Etwas ruhiger geworden sei es auch in Frankfurt, sagt Goran Culjak, stellvertretender Kreisschiedsrichterobmann. 40 Neulinge bilden sie dort zweimal im Jahr aus, einige erst zwölf oder 13 Jahre alt. Aber alleine wollen sie die Jungen und Mädchen nicht mehr in den Einsatz schicken. Coaches sollen sie bei den ersten Partien begleiten. „Seitdem wir diese Coaches bei den Trainern vorstellen, und die wissen, dass die am Spielfeldrand stehen, ist es ruhiger geworden.“ Leider fänden sich zuwenige Ehrenamtliche, um diesen Versuch flächendeckend einzusetzen.

Auf die Hilfe von außen wollen sie sich im Fußballverband Mittelrhein (FVM) nicht verlassen. Sie verpflichten jeden neuen Schiedsrichter, zu Beginn seiner Laufbahn eine Schulung zur Gewaltprävention zu besuchen. „Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ein Schiedsrichter einem aggressiven Spieler die Gelbe oder Rote Karte geben will und der aber schon mit Schaum vorm Mund auftaucht. Da ist Körpersprache wichtig“, sagt Stephan Osnabrügge vom FVM. Der Schiedsrichter soll nicht nur gegen Gewalt geschützt werden, er soll sie selber verhindern.

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