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Kroatien bei der EM

Spieler kennen keine Angst

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Die starke Mannschaft von Slaven Bilic neigt allzu oft zur Überheblichkeit.

Slaven Bilic hat drei Jahre lang in Deutschland Fußball gespielt. Das reichte, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass man in diesem Geschäft an alles denken muss - selbst ans Gras. Jetzt, zwölf Jahre nach seinem Abschied als tief grätschender Verteidiger des Karlsruher SC, trägt der mittlerweile 39-Jährige Verantwortung für die besten kroatischen Fußballer, und weil Kroatien bei der EM mit Polen und Deutschland in Österreich spielt, da will er nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Also importierte der Verband auf Anweisung von Bilic für das Vorbereitungstrainingslager im Adria-Badeort Rovinj echtes Gras aus Österreich, 700 Quadratmeter.

Es ist manches anders geworden bei den Vatreni, den Feurigen, wie die Nationalelf Kroatiens genannt wird, seit Bilic 2006 das Traineramt übernommen hat. Es ist professioneller geworden, Bilic geht seinen Weg, er verfolgt seine Linie und lässt sich auch von den vielen Einflüsterern, die es gewöhnlich im chauvinistischen Umfeld gibt, wenig beeinflussen.

Das Vertrauen in Bilic ist immens, was allein die Tatsache zeigt, dass er der erste Trainer in Kroatien ist, dem eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre vor einem Turnier angeboten wurde, die er auch annahm - bei allen anderen Coaches wartete der Verband stets den Verlauf des Turniers ab. Erstmals seit 1998 gehen die Kroaten davon aus, die Gruppenphase zu überstehen.

"Wir haben vor niemanden Angst", sagt Alen Augustincic, bei der WM 2006 Teammanager. Zudem verweist er darauf, dass sein Team England im Wembley den EM-K.o. versetzt hat.

Geist des Dreamteams spürbar

Bilic, der Jura studiert hat, deutsch, englisch und italienisch spricht und den Bass bei der Rockgruppe Rawbou zupft, kann wie immer auf ein ziemlich spieltechnisch starkes Gefüge bauen. Und er hat geschafft, was niemand für möglich hielt: dass die beiden Spielgestalter Luka Modric (Dinamo Zagreb) und Niko Kranjcar (FC Portsmouth) gemeinsam in einem Team spielen können.

Und er hat die Spielkultur weiterhin verbessert. Fußball spielen konnten die Kroaten schon immer, auch wenn die Generation der "Goldenen Boys", der Boban, Prosinicki, Boksic, Stanic, Suker oder Jarni, die 1998 WM-Dritter wurden, schon lange die Fußballschuhe an den Nagel gehängt haben. Aber Prosinecki, der brillante Mittelfeldspieler, assistiert Bilic, der Geist jenes Dreamteams ist also noch spürbar.

Aber reicht das auch, um über die Vorrunde hinaus zu kommen? Klar, sagt Danijel Pranjic. Der spielt im Mittelfeld beim niederländischen Erstligisten SC Heerenveen und spuckt schon mal ganz große Töne: "Wenn wir Österreich schlagen, erledigen wir auch Polen sowie Deutschland und dann können wir sehr weit kommen."

Nun, da ist sie wieder, die große Schwäche der Kroaten. Bisweilen neigen sie in ihrem patriotisch überhöhten Gefühl zu einer gewissen Überheblichkeit. Dazu passt auch, dass der Ex-Nationalcoach Miroslav Blazevic darauf wetten will, dass "Kroatien Europameister wird". Oder dass Augustincic selbstbewusst sagt: "Über unser Schwächen reden wir nicht, und Stärken haben wir genug."

Derzeit freilich plagen Bilic, der vor Monaten eine Offerte des Hamburger SV ausgeschlagen hat, noch einige Probleme: Vor allem im Sturm sind seine Akteure nicht fit. Ivan Olic, Mladen Petric oder Ivan Klasnic sind angeschlagen. Kroatiens bester Stürmer, der gebürtige Brasilianer, Eduardo da Silva vom FC Arsenal, ist wegen seines Beinbruchs nach einem brutalen Foul im Februar ohnehin nicht dabei.

Bilic weiß natürlich, dass die Erwartungen an sein Team hoch sind - und er hat für sich persönlich schon eines klar gestellt: Sollte Kroatien die Gruppenphase nicht überstehen, "weiß ich, was ich tun muss - abtreten."

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