NBA

Spiele im Epizentrum

In Florida steigt die Zahl der Corona-Fälle, doch die NBA hält an ihrem Re-Start-Plan fest.

Aus der vermeintlich rettenden „Bubble“ ist ein Seuchenherd geworden: 4049 neue Corona-Fälle meldete Florida alleine am Samstag – mehr als hart getroffene Länder wie Peru und Bangladesh. Die Blase des Sunshine States sollte dem US-Sport und den Basketballern der NBA ihr Milliardengeschäft retten, jetzt droht sie angesichts immer neuer Schreckensmeldungen zu platzen.

„Tatsächlich hat Florida alle Voraussetzungen, das nächste große Epizentrum zu werden“, stellt ein neuer Report von Seuchenforschern des Children‘s Hospital of Philadelphia und der University of Pennsylvania nun unmissverständlich klar: „Das Risiko dort ist das schlimmste, das es je in unseren Voraussagen gegeben hat.“

Bis Mittwoch müssen die Profis der NBA ihren Klubs mitteilen, ob sie unter den vorgegeben Bedingungen spielen wollen: Quarantäne ab dem 7. Juli ausgerechnet in Florida, Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab dem 31. Juli in Orlandos Disney World. Auch wenn das Hygienekonzept der Liga satte 113 Seiten umfasst, sind nicht alle Risiken ausgeschaltet – das Personal in den Hotels beispielsweise wird nicht ständig auf Covid-19 getestet.

Gut möglich also, dass diverse NBA-Stars den Daumen senken und sich verweigern – angesichts der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt wollen sich viele Basketballer nicht als willenloses Spielzeug schwerreicher (weißer) Teambesitzer präsentieren.

Nach Berichten von US-Sportsendern ist NBA-Commissioner Adam Silver entschlossen, an den Plänen, die Saison in Florida bis spätestens Mitte Oktober durchzuziehen, festzuhalten – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung. Silver erkenne zwar die Schwere des Infektionsanstiegs an, habe aber volles Vertrauen in das NBA-Blasenkonzept.

Amerikas Chef-Immunologe Anthony Fauci hatte dieses in der Vorwoche noch als „sehr kreativ“ und erfolgversprechend bezeichnet, doch die Zweifel mehren sich. Die Spielerorganisation NBPA ist alarmiert: „Ich kann nicht sagen, dass ich über die Entwicklung in Florida angesichts des Ansatzes des Staates zur Wiederöffnung überrascht bin“, sagte die NBPA-Chefin Michele Roberts: „Wir werden die Situation auf jeden Fall exakt verfolgen.“

Und auch die Baseball-Teams der MLB, die bereits im März in die Saison hätten starten sollen, wollten sich traditionell in Florida auf den (Wieder-)Auftakt vorbereiten. „Die Mets und die Yankees planen ihre Trainingscamps in New York“, teilte jedoch Andrew Cuomo, Gouverneur des Bundesstaats New York, am Samstag mit.

Das sagt eigentlich alles: Der Big Apple, kürzlich noch der Corona-Seuchenpfuhl schlechthin, gilt mittlerweile als sichere Alternative zu Florida. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare