+
Wird bald der Ausnahmezustand ausgerufen?

Japan

Not und Spiele

  • schließen

Tokio 2020: In Japan stellt sich die Frage, ob Olympia überhaupt stattfinden kann.

Es fehlt der Glamour: Das Zünden des olympischen Feuers in Olympia, dem Ursprungsort des Sportevents, sollte eigentlich von Fans bejubelt werden. Aber wenn die Fackel am Donnerstag angesteckt und später in Athen übergeben wird, darf niemand zuschauen. Zu hoch sei das Risiko, sagten griechische Offizielle, dass sich jemand mit Sars-CoV-2 infiziere.

Ansonsten aber soll alles nach Plan laufen: die olympische Fackel wird bereits kommende Woche per Charterflug nach Ostasien transportiert und soll am 24. Juli im Olympiastadion von Tokio lodern – zur Eröffnung der größten Sportveranstaltung des Jahres.

So jedenfalls lautet die bisherige Version des Ablaufs, an die sich Offizielle weiterhin klammern. Doch weltweit sind Tausende Menschen mit Covid-19 infiziert, in Japan mehr als 500 – Tendenz steigend. Im Februar gaben von der Regierung und dem olympischen Organisationskomitee unabhängige Gesundheitsexperten zu Bedenken: Angesichts der derzeitigen Situation wäre Japan nicht imstande, eine solche Großveranstaltung auf sichere Weise auszutragen.

Diese Woche hat das japanische Parlament über die Modifizierung eines Gesetzes debattiert, die es dem Premierminister Shinzo Abe erlauben soll, aufgrund der gesundheitspolitischen Lage den nationalen Ausnahmezustand auszurufen. Abe, der dieses Gesetz auch ohne die Stimmen der Opposition durch die Parlamentskammern bringen kann, stellte die Bevölkerung bereits auf einen nahenden Notstand ein. Bisher konnte er Schulen und Veranstaltern von Großevents nur dringend raten, die Tore vorerst nicht mehr aufzusperren. Dann kann er es anordnen.

Die Liste abgesagter Sportveranstaltungen im Land ist bereits lang. So stellt sich immer deutlicher die Frage: Ist es wirklich wahr, dass in den Sitzungen des Internationalen Olympischen Komitees niemand an eine mögliche Absage von Olympia denkt? Auch das Tokioter Organisationskomitee behauptet, dass dies „keine Option“ sei. Ein hochrangiger Funktionär sprach zwar erstmals von einer Verschiebung um zwei Jahre. Doch auch der nationalistische Premier Abe lässt sich nicht zu Zweifeln hinreißen.

Die Widersprüchlichkeit zwischen der Ankündigung eines Ausnahmezustands einerseits und Beteuerungen, dass für Olympia alles unter Kontrolle sei, weckt Erinnerungen. Als 2011 das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi havarierte, wurden auf einen Schlag ganze Orte unbewohnbar. In den Tagen und Wochen danach reagierte Japans Regierung nur langsam und bisweilen unkoordiniert. Immer wieder verharmloste sie die Lage. Ähnlich fragwürdig kommen die offiziellen Äußerungen jetzt daher.

Ob die Regierung aus 2011 gelernt hat, zeigt sich, wenn Abe den Ausnahmezustand ausruft und dann deutliche Worte zur Realisierbarkeit der Olympischen Spiele findet. Denn selbst wenn es dem Land gelingt, Neuinfizierungen einzudämmen, sind sichere Olympische Spiele nicht garantiert. Keine andere Veranstaltung der Welt zieht so viele Millionen Besucher aus allen Staaten der Erde an. So birgt Olympia auch das Risiko eines Neuimports von Covid-19.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare