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Drei Krankenschwestern strampeln auf Fahrraderometern im Fitneßstudio für Übergewichtige in Berlin. Sie besuchen zwei Mal in der Woche das "Zentner-Center".

Spezielle Kurse helfen im harten Kampf gegen die Pfunde

Ohne Bewegung keine Gewichtsreduktion / Realistisch bleiben

Wer Übergewicht hat und sich entschlossen hat, die Pfunde loszuwerden, der muss sich auf einen harten Kampf einstellen. Ohne Sport bleibt dieser Kampf aussichtslos. Da hilft die beste Ernährungsumstellung nichts. Nur, welche Sportart ist die richtige und wo fängt man am besten an? Wo wird man nicht beobachtet und belächelt? Hilfe bieten immer mehr Sportvereine, die spezielle Kurse für Menschen mit Übergewicht in ihr Programm aufnehmen.

Der erste Schritt ist der schwerste

"Der erste Schritt ist immer der schwerste", sagt der Gesundheitsbeauftragte des Deutschen Sportbundes (DSB), Winfried Banzer. Vor allem übergewichtige Menschen müssen eine psychologische Schranke überwinden, wenn sie wieder in Bewegung kommen wollen. "Das fällt natürlich in einer Gruppe, wo man unter Gleichen ist, leichter." In den Kursen geht es vor allem darum, die Einstiegshürden zu senken und den Leistungsgedanken in den Hintergrund zu drängen. "Das Ziel ist es, die Teilnehmer überhaupt erst wieder in Bewegung zu bringen und sie zu motivieren, sich regelmäßig zu bewegen", sagt Banzer.

Gemeinsam Sport treiben und gemeinsam Kochen

Sportangebote für Übergewichtige sehen zwar je nach Verein unterschiedlich aus, bestehen aber fast immer aus zwei Säulen: Bewegung und Ernährung. Manchmal kommt noch eine psychologische Komponente dazu, mit dem Ziel, das angeknackste Selbstbewusstsein der Teilnehmer zu stärken. Der Bewegungsteil ist breitensportlich ausgerichtet, jeder kann mitmachen. Ballspiele und Gymnastik sind nur zwei Varianten. Im Vordergrund steht der Spaß, nicht die Belastung. Der Ernährungs-Teil besteht aus Analysen der eigenen Essgewohnheiten und einer Schulung, um eine langfristige Ernährungsumstellung zu erreichen. Manchmal wird sogar im Verein gemeinsam gekocht. Bei Kursen für übergewichtige Kinder gibt es außerdem Elternabende, damit auch über mögliche Veränderungen der Essgewohnheiten in der Familie gesprochen werden kann. So ein Kurs kann zum Beispiel auf ein halbes Jahr angelegt sein. Das Ziel ist es, die betroffenen Menschen bei der Stange zu halten. Nach dem Motto: Sport macht Spaß und tut mir gut. Einige Krankenkassen kommen sogar für die Kosten auf.

NRW geht mit gutem Beispiel voran

Das Angebot an Kursen für Menschen mit Übergewicht auf der Ebene der Sportvereine wird ständig ausgebaut. Nordrhein-Westfalen geht mit gutem Beispiel voran. Die Sportjugend im Landesportbund hat zusammen der NRW-Landesregierung und verschiedenen Krankenkassen das Programm "Schwer mobil" aus der Taufe gehoben. Damit werden Vereine, die Kurse für Übergewichtige anbieten, finanziell unterstützt.

Gesundheitscheck ist Pflicht

Wer lange keinen Sport gemacht hat und außerdem mit Übergewicht zu kämpfen hat, sollte in jedem Fall auch vor dem Besuch spezieller Sportprogramme einen Arzt aufsuchen. "Viele Anfänger meinen, dass sie innerhalb kurzer Zeit alles nachholen müssen, was sie über Jahre hinweg vernachlässigt haben. Das heißt viele neigen dazu, sich zu überlasten", so Sportmediziner Winfried Banzer. Stattdessen sollte man es lagsam angehen lassen, aber eine Regelmäßigkeit schaffen. "Sport treiben darf keine vorübergehende Sache sein. Wir leben in einer Zeit, wo wir uns naturgemäß viel zu wenig bewegen. Deshalb muss Bewegung wieder ein Teil unseres Tagesablaufes werden."

Realistisch sein und keine Wunder erwarten

Abnehmen ist nicht leicht, was auch immer Werbespots für Fitnessgeräte oder bestimmte Nahrungsmittel versprechen. "Es ist und bleibt ein harter Kampf. Da darf man sich nichts vormachen", sagt Banzer. Auch die Genetik spielt ihre Rolle. "Manche sind nun mal bessere Futterverwerter als andere." Jemand, der von vornherein einen höheren Energieumsatz hat, hat bessere Karten beim Gewichtsabbau. "Das darf aber kein Grund für eine Ausrede sein. In einem gewissen Maße ist Veränderung für jeden möglich."

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