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Nur schauen, nicht anfassen: Australiens Trainer Holger Osieck.

Asien-Cup

„Socceroos“ hüpft vorm Tor das Herz in die Hose

In einem hart umkämpfen Endspiel haben die Fußballer von Japan mit einem knappen 1:0 nach Verlängerung gegen Australien den Asien-Cup gewonnen.

Einmal war Holger Osieck schon für eine Überraschung gut gewesen. Als Cheftrainer hatte er die kanadische Fußball-Nationalmannschaft im Februar 2000 zum Gewinn des Gold Cups geführt – der Kontinental-Meisterschaft für Nord- und Mittelamerika. Am Samstag blieb dem gebürtigen Duisburger ein vergleichbarer Triumph verwehrt. Die von Osieck trainierte Nationalmannschaft von Australien unterlag im Finale des Asien-Cups in Doha Japan mit 0:1 (0:0) nach Verlängerung.

Die Australier hatten den Sieg mehrfach auf dem Fuß – ihre Abschlussschwäche rächte sich.

Die „Socceroos“ waren weniger am Gegner als an der eigenen Abschlussschwäche gescheitert. „Du gewinnst kein Spiel, wenn du kein Tor schießt“, sagte der 62 Jahre alte Trainer, und er bekannte: „Sie können sich vorstellen, dass wir enttäuscht sind. Wir hatten unsere Chancen, aber leider haben wir sie nicht nutzen können.“ Ins Tor traf alleine Tadanari Lee (109.). Der Nachfahre koreanischer Einwanderer vom J-Ligisten Sanfrecce Hiroshima war erst in der 98. Minute eingewechselt worden.

Vor 37174 Zuschauern im Khalifa-Stadion von Doha hatten die Australier den ersten Sieg beim „Asia Cup“ mehrfach auf dem Fuß, vor allem nach der Pause während der regulären Spielzeit. Glanzparaden des japanischen Torhüters Eiji Kawashima gegen Harry Kewell, ein Versuch von Tim Cahill, bei dem der Ball von der Torlinie geschlagen wurde ? den „Socceroos“ boten sich in der Tat ausreichend Gelegenheiten für den historischen Erfolg. Doch die Abschlussschwäche „rächte sich“, wie Osieck beklagte. Er sei dennoch stolz auf seine Spieler, sagte der deutsche Trainer nach dem Spiel, „aber die Stimmung in der Kabine ist nicht gerade großartig“. Lob hatte Osieck auch für Rekordsieger Japan übrig, der das Turnier des asiatischen Kontinentalverbandes, dem Australien seit 2006 angehört, zum vierten Mal gewann. „Sie sind definitiv auf einem guten Weg“, sagte Osieck über die Japaner. „Wie die Koreaner kommt bei ihnen eine neue Generation nach oben, einige der jungen Spieler haben es schon nach Europa geschafft.“

Er hätte in diesem Zusammenhang jene drei Bundesliga-Profis erwähnen können, die nach dem Ausfall von Shinji Kagawa vom Tabellenführer Borussia Dortmund noch zur Endspiel-Formation der Japaner gehörten. „Wir haben ein sehr junges Team“, bestätigte der italienische Trainer der Japaner, Alberto Zaccheroni. Seine junge Mannschaft um die Bundesliga-Profis Atsudo Uchida (Schalke 04), Shinji Okazaki (VfB Stuttgart) und Makoto Hasebe (VfL Wolfsburg) erwies sich im Endspiel im entscheidenden Moment als cleverer. Ein „Geschenk“ nannte der australische Mannschaftskapitän Lucas Neill den Treffer nach einer Fehleinschätzung von Linksverteidiger David Carney. Osieck sah es ein bisschen anders. „Wenn du deine Chancen nicht nutzt und deinem Gegner nur eine Chance lässt, und er nutzt sie, ist das eben der Unterschied in so einem Spiel.“

Einen kleinen Grund zur Freude haben die Australier immerhin. In vier Jahren sind sie Gastgeber des Asien-Cups. (sid)

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