roglic_030920
+
Nicht zu stoppen: Primoz Roglic vor Tadej Pogacar (r.)

Tour de France

Slowenische Erfolgsstory

Ex-Skispringer Roglic und Supertalent Pogacar dominieren beim ersten Tour-Kräftemessen.

Primoz Roglic stemmte an der Hotelbar stolz eine übergroße Flasche Prosecco in die Höhe, und in seiner Heimat gab es Lobeshymnen. „Ein historischer Tag für den slowenischen Radsport“, schrieb das Blatt „Delo“ und fügte nach dem Doppelerfolg auf der ersten Bergankunft der 107. Tour de France hinzu: „Und das war nur die Vorspeise für Roglic und Pogacar.“ Zwei slowenische Radprofis auf dem Gipfel der Tour - eine wundersame Erfolgsgeschichte.

Die beiden gehören anscheinend zu einer goldenen Generation. Roglic, der frühere Skispringer, dieses Ausnahmetalent, das schon mit 20 Jahren einen VO2max-Wert – was die Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes angibt – von über 80 gehabt haben soll und damit in Bereichen von Chris Froome lag. Und dann der gerade einmal 21 Jahre junge Tadej Pogacar, der im Vorjahr bei der Vuelta der jüngste Fahrer war, der drei Etappen bei einer großen Rundfahrt gewann.

Begleitet wird der slowenische Radsport aber auch von einem Verdacht. Von der Operation Aderlass. Einige Spuren der Blutdopingaffäre um den Erfurter Sportmediziner Mark S. führen nach Slowenien. Die zwei Radprofis Kristijan Koren und Borut Bozic wurden vom Weltverband UCI als mutmaßliche Kunden für zwei Jahre gesperrt.

Und dann ist da noch die Spur zum umtriebigen Rad-Manager Milan Erzen, gegen den die UCI wegen mutmaßlicher Verbindungen zu einem Mediziner aus der Operation Aderlass Untersuchungen eingeleitet hat. Jener Erzen, der als Grand Seigneur des slowenischen Radsports gilt. 2013 war Erzen Chefcoach des unterklassigen Teams Adria Mobil, als Roglic eben dort seine verheißungsvolle Karriere begann. Großen Kontakt habe es nicht gegeben, behauptet Roglic. Und auch bei seinem Jumbo-Visma-Team heißt es, dass Erzen keineswegs der Entdecker von Roglic gewesen sei.

Tour de France: 6. Etappe

In jedem Fall war 2013 aber das Jahr, in dem Roglics Karriere Fahrt aufnahm. Der frühere Junioren-Mannschaftsweltmeister im Skispringen hatte 2012 genug vom Schnee, kaufte sich für 1300 Euro ein gebrauchtes Fahrrad und erhielt tatsächlich bei Adria Mobil eine Chance. Schnell stellten sich die Erfolge ein, so dass Jumbo-Visma auf ihn aufmerksam wurde. Ende 2015 wurde Roglic für das Mindestgehalt von knapp 40 000 Euro angestellt. Und noch vor dem ersten Rennen verblüffte der damals 26-jährige Roglic mit seinen Plänen. Innerhalb von fünf Jahren wolle er die Tour gewinnen.

„Wir haben ihm geantwortet: Beruhige Dich mal, wir sind hier in der World-Tour und Du hast noch kein Rennen gewonnen“, erinnerte sich Sportdirektor Frans Maassen in der französischen Sporttageszeitung „L ‚Equipe“. Seitdem folgte eine fulminante Entwicklung. 2016 gewann er eine Etappe beim Giro d‘Italia, ein Jahr später dann bei der Tour de France. Und es dauerte nicht lange, dann war er ein kompletter Rundfahrer: Vierter bei der Tour 2018, Dritter beim Giro 2019 und schließlich Vuelta-Gesamtsieger im September vergangenen Jahres.

Die diesjährige Tour des France endet am 20. September in Paris. Fünf Tage vorher beginnt der Prozess in der Operation Aderlass. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare