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Stefan Kraft bei der Vierschanzentournee.
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Stefan Kraft bei der Vierschanzentournee.

Vierschanzentournee

"Skispringen ist die beste Sportart, die es gibt"

  • Jörg Winterfeldt
    vonJörg Winterfeldt
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Österreichs Skispringer Stefan Kraft über das verpasste Finale, Schnitzel und Pommes und den Luxus eines Wohnungskaufs.

Ausgerechnet vor dem Heimspringen in Innsbruck herrscht unter Österreichs Skisprungfans Jammerstimmung. In Garmisch-Partenkirchen hat die führende Nation des vergangenen Jahrzehnts nur zwei von sechs Springern ins Finale gebracht und das schlechteste Tournee-Ergebnis seit 1979 eingefahren. Zu den Gescheiterten gehörte ausgerechnet Stefan Kraft, der beste Springer des vergangenen Winters, der die Hoffnungen der Nation tragen sollte. Ein Gespräch über Skisprunglaunen, Luxus und Bayern München.

Als Tourneefavorit haben Sie in Partenkirchen zu Neujahr das Finale verpasst. Was ist los?
Ich bin natürlich riesig enttäuscht. Eigentlich hatte ich mich in den letzten Jahren ein bisschen mit der Schanze in Garmisch-Partenkirchen angefreundet. Jetzt muss ich hoffen, dass es genauso schnell wieder in die andere Richtung geht. Ich grüble jetzt nicht mehr groß herum. Ich freue mich auf Innsbruck und Bischofshofen, vielleicht geht es da besser. Es kann sich ja sehr schnell alles drehen.

Wie kommt es, dass Sie in dieser Saison noch nicht so richtig in Fahrt kommen?
Ich würde es mir eigentlich gern anders wünschen. Es hat in Wisla eigentlich sehr sehr gut angefangen. Dann hatte ich oft ein paar blöde Sprünge oder blöde Verhältnisse. Und dann hat’s bei mir noch nie richtig alles zusammengepasst, dass ich da mal einen richtig coolen Wettkampf zusammengebracht habe.

Wie erklärt sich solche Wechselhaftigkeit bei einem Weltklasseskispringer?
Man hat mehr Termine. Man will das unbedingt wieder schaffen. Es kommt auch ein bisschen Druck dazu. Und das Material wechselt immer. Man kann nicht immer dasselbe Material hupfen, weil das auch älter und schlechter wird. Man muss sich also immer wieder ganz neu aufstellen.

Man hat bei Ihnen das Gefühl, dass Ihre Karriere vor drei Jahren so richtig Schwung aufgenommen hat bei der Tournee, weil Sie der größte Profiteur des Generationswechsels nach dem Abschied von Thomas Morgenstern und vom Cheftrainer Alexander Pointner waren.
Ja sicher. Davor haben Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern sehr sehr viel Aufmerksamkeit gebraucht. Ich bin mit dem Alex Pointner auch immer super ausgekommen. Aber es hat sich dann natürlich schon verschoben. Ich bin größer in dem Team geworden. Ich bin dann ich selbst geworden. Ich habe meinen Spaß reinbringen können und habe einfach so sein können wie ich bin. Das ist mir in dem Jahr erst so richtig gelungen.

Warum erst dann?
Das braucht immer ein, zwei Jahre von dem Zeitpunkt, an dem man neu dabei ist. Ich sehe den Gregor Schlierenzauer einfach jetzt mit ganz anderen Augen. Vor zwei, drei Jahren war er das große Idol und jetzt ist er einfach ein Teamkollege, den ich genauso blöd anrede wie jeden anderen.

Haben Sie sich unter dem Pointner-Nachfolger Heinz Kuttin freier gefühlt, weil er um Sie eine neue Generation aufgebaut hat?
Ja sicher. Er hat das von vornherein alles anders gehalten, wieder sehr einfach wie in alten Zeiten. Ohne großes Tamtam und Schnickschnack. Einfach Skispringen. Dadurch hat er natürlich einen neuen Schwung reingebracht. Und ich hab mich dabei ganz auf meine Stärken konzentrieren und mich richtig entfalten können. Es hat mir richtig Spaß gemacht.

Unter Pointner hat Mentaltraining eine große Rolle gespielt. Sie verzichten in Ihrem Team und Umfeld aber auf die Hilfe. Warum?
Ich habe das auch versucht. Natürlich. Aber ich habe einfach gemerkt, dass mir das nichts gebracht hat. Ganz einfach.

Wie sehr müssen Sie zum Wohle Ihres Sports Ihre Ernährung einschränken wie es bei vielen Skispringern der Fall sein soll?
Das wäre ganz blöd, wenn ich Wanner als Sponsor hab und dürfte keine Schokolade essen. Ich bin Gottseidank ein guter Futterverwerter, und wir trainieren auch genug. Ich muss nicht sonderlich drauf schauen. Sicher ernähren wir uns auch gesund, aber das macht jeder Sportler, der erfolgreich sein will. Ich esse aber auch genauso gern Schnitzel mit Pommes zum Mittag. Und zu Weihnachten werde ich mir sicher nie die Kekse verbieten.

Wie sehen Sie den plötzlichen Leistungsschub der Deutschen mit Richard Freitag in dieser Saison?
Ich war auf jeden Fall überrascht. Letzte Saison hat er ja noch gar nichts zusammen gebracht. Und in diesem Sommer hat er auch noch nichts zusammengebracht. Aber im Skispringen kann es ja sehr schnell gehen. Das zeichnet diese Sportart aus.

Können Sie das als Fachmann erklären?
Wenn wir das wüssten, würde es ja jeder machen. So einfach lässt sich das nicht erklären.

Es heißt, Sie seien auch ein guter Tennis- und Fußballspieler. Sie sind mit dem Tennisprofi Dominic Thiem befreundet und glühender Fan von Bayern München. Bedauern Sie manchmal, keine Fußballerkarriere eingeschlagen zu haben?
Nein, bedauern nicht. Natürlich bin ich voll fußballbegeistert. Das macht mir irrsinnig Spaß. Vor Weihnachten habe ich das letzte Bayern-Spiel im Pokal gegen Dortmund angeschaut. Trotzdem ist Skispringen doch die beste Sportart die es gibt. Wenn ich mal aufhöre als Skispringer kann ich immer noch daheim in Schwarzach als Fußballer in der Kreisliga anfangen.

Warum ist Skispringen besser als Fußballspielen?
Das ist einfach ein ganz anderer Adrenalinkick. Von den Zuschauern ist natürlich Fußball das große Highlight, wenn man da vor 70 000 in die Arena einlaufen darf. Trotzdem: Die Sportart Skispringen kann nicht jeder machen, das ist nur eine Auswahl von Personen, die das beherrschen. Das Fliegen ist einfach was Besonderes.

Ist das nicht Frevel für einen aus dem Pongau, zu sagen, die Lieblingsmannschaft sei Bayern München, so ein Piefke-Klub?
Ich kann mir einiges anhören deswegen. Das können Sie mir glauben. Ich find einfach die österreichische Liga nicht so spannend. Ich bin da reingewachsen. Meine Tante wohnt zwar im Pongau, hat aber bei den Bayern seit fast 25 Jahren Dauerkarten. Seit ich fünf war, bin ich da öfters mal mitgenommen worden. Ich war auch schon an der Säbener Straße und hab‘ schon beim Training zuschauen können.

Wieviel hat sich für Sie geändert, seit Sie berühmt geworden sind und daheim überall erkannt werden?
Wenn ich einkaufen oder Essen gehe, vergeht kein Tag, an dem ich nicht angeredet werde. Ich versuch aber einfach alles so zu machen wie ich es immer gemacht habe und mich nicht zu verändern.

Macht es Ihnen etwas aus, nun auch nach privaten Details gefragt zu werden, wie neulich im Radio, als Sie erzählt haben, dass Sie Ihre Freundin nur kennengelernt haben, weil die Sie mal einfach auf Facebook angeschrieben hat?
Nein, das macht mir nichts aus. Ich schau nur, dass ich die Freundin jetzt nicht auf jedem Foto präsentiere. Das will sie auch selber nicht. Zur Vierschanzentournee kommt sie natürlich. Das macht ihr Spaß. Nur in Oberstdorf musste sie arbeiten.

Hat sie als gelernte Krankenschwester Bedenken wegen der Risiken Ihres Sports, weil Sie die Verletzungen gut einschätzen kann?
Die vertraut mir, bei dem was ich mach’. Es ist eher die Mama, die sich fürchtet. Ich weiß schon, was ich tue. Aber wenn daheim mal was zwickt, geht es mit einer Krankenschwester daheim vielleicht mal einen Tag schneller, bis man wieder gesund wird.

Wie gehen Sie mit Ihrer Nachkarriereplanung um? Sie haben im vorigen Jahr etwa 300 000 Euro allein an Preisgeldern verdient. Legen Sie sich das zurück für später oder planen Sie eine Ausbildung?
Darüber habe ich mir in letzter Zeit oft Gedanken gemacht. Ich möchte in den nächsten ein, zwei Jahren ein Studium beginnen, etwas mit Sport oder Ernährung, was mich sehr interessiert. Da gibt es in Salzburg super Möglichkeiten. Mit dem Preisgeld will ich später mal ein schönes Haus haben, ein Grundstück und eine Familie.

Haben Sie eine Anschaffung, die für Sie so ein Luxus ist, dass Sie sie ohne das viele Preisgeld nicht gemacht hätten.
Diese Wohnung, die ich gekauft habe. Die ist schon Luxus. Ich fahre jetzt vier Minuten zum Training und 20 Minuten zum Flughafen. Und ich habe mir ein eigenes Weihnachtsgeschenk gemacht und mir eine Sauna gekauft.

Wann wird geheiratet?
Da lasse ich mir noch Zeit. Das lasse ich zuerst mal den Michi Hayböck vormachen. Meine Freundin hat gerade erst nach der Ausbildung das Arbeiten angefangen. Und wir sind gerade erst gemeinsam in die Wohnung gezogen. Das wäre jetzt ein Frühstart.

Aber die Eigentumswohnung musste sie allein einrichten, weil Sie so viel unterwegs waren?
Nein, nein, da habe ich natürlich schon mitgeholfen, wenn ich Zeit hatte. Und die Wohnung ist schon sehr heimelig geworden.

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