Unkonventionell zwischen den Pfosten: Silvio Heinevetter.
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Unkonventionell zwischen den Pfosten: Silvio Heinevetter.

Handball-Bundesliga

Silvio Heinevetter: Zappelphilipp und Spaßvogel

  • vonBjörn Mahr
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Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter möchte seine Erfolgsgeschichte in Melsungen fortschreiben.

Am Ende seines ersten offiziellen Arbeitstages beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen hat Silvio Heinevetter bei Instagram ein Video aus einem Kasseler Lokal gepostet. Der Anlass: Teamkollege Timo Kastening blätterte in der Speisekarte und öffnete die Seite, auf der die Gerichte für die kleinen Gäste gelistet waren.

Heinevetter zählt zu den Spaßmachern im sonst eher ernsten Handball-Geschäft. Kastening, mit 1,80 Meter nur 14 Zentimer kleiner als der Nationaltorwart, ist nicht das erste prominente Spaß-Opfer des Ex-Berliners – und wird auch nicht dessen letztes sein. „Ich bin ein lebensfroher Mensch“, sagt der 35-jährige Heinevetter, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und durchaus auch über sich selbst lachen kann. Durch seine Beziehung zu Schauspielerin Simone Thomalla ist er längst nicht nur im Sportteil überregionaler Zeitungen zu finden.

Mit seinem Einstieg bei der MT Melsungen löste der 35-Jährige seinen Kollegen Tobias Reichmann als Spieler mit den meisten Fans bei Instagram ab. Heinevetter folgen mehr als 54 000 Menschen, Reichmann liegt mit 44 000 Followern etwas dahinter. Nachdem sie schon während gemeinsamer Lehrgänge bei der deutschen Nationalmannschaft keine Möglichkeit ausgelassen haben, die ihre User im Netz zu unterhalten, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie die nächsten Streiche aushecken. Vor allem mit Comedian Kurt Krömer machen sie gern ihre Späße. „Ich habe Krömer schon zweimal live gesehen, er ist einfach gut“, sagt Heinevetter.

Nun haben die Melsunger den Weltklasse-Keeper nicht (nur) geholt, damit er die Marke MT weiter bekannt macht. Sie sind natürlich auch von den Qualitäten des erfahrenen Schlussmannes überzeugt.

Heinevetter selbst betont in diesen Tagen vor allem den Teamgedanken. Er freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Montenegriner Nebojsa Simic: „Es ist wichtig, dass mindestens immer einer von uns beiden gut drauf ist.“ Wobei insbesondere eine Frage interessant ist: Wie passen zwei Torhüter zusammen, die auf dem Feld alles sind – nur nicht die Ruhe selbst?

So weit nach vorn mag Heinevetter noch nicht schauen. „Erstmal“, sagt der Neuzugang, „gilt es, gut durch die Vorbereitung zu kommen.“ Seine Qualitäten sind unbestritten: Mit teilweise unkonventionellen Bewegungen schafft er es, die gegnerischen Schützen zu verunsichern. Mindestens genauso wichtig wie seine spektakulären Paraden sind seine Psychotricks – beispielsweise vor dem Siebenmeter des Kontrahenten. In Berlin war der gebürtige Bad Langensalzaer einer der Publikumslieblinge.

Fünf Titel mit Berlin

Mit den Füchsen wurde er je zweimal Europapokalsieger und Klubweltmeister. Zudem gewann Heinevetter 2014 mit dem Hauptstadtklub den DHB-Pokal. Sein größter Erfolg im Adlertrikot: Olympia-Bronze 2016. In Rio gehörten die MT-Kollegen Finn Lemke, Kai Häfner, Julius Kühn und Reichmann zu seinen Mitstreitern. Der Thüringer sagt dazu: „Es ist schön, dass ich schon einige Spieler gut kenne – aber entscheidend ist, dass es überhaupt losgeht.“

Zwar wird der Ex-Magdeburger in seiner eng bemessenen Freizeit auch mal einen Abstecher nach Berlin machen, seinen Lebensmittelpunkt sieht er aber nun in Kassel. Für einen Bericht des TV-Senders Sky ist er mit seiner Harley Davidson schon einmal in Richtung Bergpark Wilhelmshöhe aufgebrochen. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er gern den Puls einer Stadt spürt: „Ich brauche morgens ein nettes Café um die Ecke.“ Ein Lokal mit Gerichten auch für kleine Gäste hat er ja schon gefunden.

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