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Der dreifache Weltmeister Markus Eisenbichler in Aktion auf der Schanze in Seefeld (Österreich).

Skispringen

„Sieg oder Sarg“

Nach Seefeld ist vor Oberstdorf: Der dreimalige Skisprung-Weltmeister Markus Eisenbichler will seine Titel in zwei Jahren verteidigen.

Dass auch eine berauschende Weltmeisterschaft vergänglich ist, hat Markus Eisenbichler schon vor Augen geführt bekommen. Die beiden Blumensträuße, die man dem Ausnahme-Skispringer für die beiden Titelgewinne am ersten WM-Wochenende auf der Großschanze in Innsbruck in die Hand gedrückt hatte, sind schon längst verwelkt. Immerhin den dritten für den Triumph im Mixed hat der 27-Jährige retten können: „Den kriegt jetzt die Frau.“

Sprach’s, nahm noch „zwei, drei Bier“ im deutschen Haus – und damit waren sie auch schon wieder abgehakt, diese Titelkämpfe, bei denen Eisenbichler ins Rampenlicht gesprungen war. Dreimal Gold sammelte er ein in Tirol. Einzig die norwegische Langlauf-Diva Therese Johaug war mit drei goldenen Plaketten und einer Silbermedaille etwas erfolgreicher. „So recht begriffen habe ich das noch nicht“, sagte Eisenbichler.

Viel Zeit dafür wird er auch nicht mehr bekommen, schon gestern ging der Alltag mit dem Training weiter. Am Wochenende zieht der Skispringertross nach Oslo weiter, wo die norwegische Tournee Raw Air beginnt. Motivationsprobleme befürchtet er nicht. Im Gegenteil. „Das sind richtig geile Schanzen“, sagt Eisenbichler, „ich freue mich drauf.“ Auch sein Trainer Werner Schuster fürchtet kein Nach-WM-Loch. „Er wird jetzt auf einer Welle weiterreiten“, sagt der 49-Jährige: „Ich hoffe, dass er noch ein Weltcup-Springen gewinnt, damit er das nicht weiter mit sich trägt.“ Interessant werde es dann im Frühjahr, wenn „die ein oder andere Ehrung auf ihn wartet.“ Nicht ganz die Welt des Mannes, der seine freie Zeit am liebsten in der Chiemgauer Bergwelt verbringt.

Tanz auf der Rasierklinge

Schuster kennt die Gefahr. Im vorigen Jahr war Andreas Wellinger nach seinem Olympiasieg in ein Formloch geschlittert, aus dem er sich bis heute nicht befreien konnte. Doch der Fall lag anders. Wellinger war 22 als er Pyeongchang eroberte, ein blutjunger Himmelsstürmer, dem die Welt ganz plötzlich zu Füßen lag. Bis hin zum FC Bayern, der ihn auf seine USA-Reise mitnahm. Hinter Eisenbichler liegt schon eine vergleichsweise lange, arbeitsreiche Karriere. „Er ist in seinem Leben schon weiter, er kann das einordnen“, sagt Schuster,

Es ist für den scheidenden Bundestrainer auch eine Herzenssache. Eisenbichler ist für ihn „einer der letzten Skispringer vom alten Schlag“. Ein Sportler mit der Freude am Tanz auf der Rasierklinge. Beim Siegsdorfer selbst klingt diese Mentalität kerniger. „Sieg oder Sarg“, nennt er seine Herangehensweise gerne. Werner Schuster mag solche Sätze nicht besonders, doch: „Da ist schon ein bisschen was dran – ich wünsche ihm sehr, dass er sich diese spezielle Freude bewahrt.“ Und dass er aber auch offen für Neues bleibt. „Er ist schon bockig manchmal“, sagt der Bundestrainer, „und im Alter wird man starrer, vor allem als Bayer ist man gefährdet, nach dem Motto: ‚Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.‘“

Man ahnt: Es wird wohl eine gewisse Rolle spielen, wer im alles überragenden Springerteam der WM zukünftig die Verantwortung übernimmt. Für Schuster ist nach dem Saisonfinale in Planica Schluss. Auch der Verbleib von Assistent Roar Ljoekelsoey, mit dem Eisenbichler in den vergangenen Wintern viel arbeitete, ist fürs Erste noch ungeklärt.

Aber es ist ja auch nicht so, dass es nicht auch für einen Dreifach-Weltmeister noch Ziele gäbe. Zum Beispiel: den Erfolg wiederholen. Die nächste Weltmeisterschaft findet 2021, wie passend, im heimischen Oberstdorf statt. Auf jener Anlage also, auf der der DSV-Kader regelmäßig trainiert. Eisenbichler schnauft beim Gedanken daran schon einmal tief durch: „Ich weiß nicht, wie der Körper dann beieinander ist“, sagt er, „aber jetzt muss ich ja fast bis dahin weitermachen.“

Von Patrick Reichelt

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