+
Endlich zurück auf der Schanze: Severin Freund. 

Skispringer im Interview

Severin Freund: „Habe noch extreme Defizite“

Severin Freund über seine Rückkehr nach langer Verletzungspause und das Ziel, noch einmal in die Weltspitze zurückzukehren.

Herr Freund, wie geht’s Ihnen?

Jetzt, wo ich wieder Wettbewerbe springen kann, sehr gut. Die Rücken-OP ist noch nicht so lange her. Deshalb kann ich nicht sagen, dass ich gar nichts mehr spüre. Bis dahin dauert es verdammt lange, aber der Verlauf ist extrem positiv. Ich kann normal trainieren und beim Springen spüre ich eh nichts. Es sind die Begleiterscheinungen, wie bei längeren Flugreisen.

Wie erging es Ihnen in Ihrer Leidenszeit?

Der Herbst war bitter, weil der Rücken so Probleme gemacht hat. Ich konnte nur wenige Sprünge machen, die waren ganz gut. Auf der Schanze hat es funktioniert, aber der Körper ließ es nicht zu. Es war klar, dass ich noch mal unter’s Messer muss. Die Rücken-OP hat geholfen.

Wie war es, nach so langer Zeit am Samstag beim Springen oin Rasnov zurückzukehren?

Nervös war ich schon. Es war doch länger her, und man hat wenig Ahnung, was das Training wert ist. Jetzt geht es darum, sich von Sprung zu Sprung zu steigern.

Sind Sie zufrieden mit Ihrem ersten Auftritt?

Auf jeden Fall. Der letzte Sprung war ein bisschen ärgerlich. Da ist mir einer rausgerutscht, der so nicht passieren sollte. Da merkt man die fehlende Wettkampfpraxis.

Wie haben Sie auf das Comeback hingearbeitet?

Zur Person

Severin Freundmusste 14 Monate warten. Nach seiner langen Verletzungspause, zuletzt wurde er am Rücken operiert, durfte der 31-jährige Olympiasieger von 2014 beim Springen in Rasnov erstmals wieder im Weltcup ran – und holte als 29. am vergangenen Samstag gleich erste Punkte. 

Bis Herbst war ich ganz normal beim Team dabei. Ansonsten habe ich viel mit Christian Heim, einem Trainer aus dem Weltcup-Team, trainiert. Wenn man sich das Wetter anschaut, war es aber natürlich nicht so einfach, eine Schanze zu finden.

Sie haben schon so viel gewonnen. Was treibt einen dann noch an, so für ein Comeback zu kämpfen?

Dass man merkt, dass es nach wie vor wahnsinnig viel Spaß macht. Ich würde gerne sehen, wo es mich noch hinbringen kann, wenn ich mal ein Jahr durchziehe. Und außerdem steht nächstes Jahr die Weltmeisterschaft in Oberstdorf an.

Ist es nach dieser Pause möglich, wieder auf Topniveau zu kommen?

Auf alle Fälle. Wenn man schon mal oben war, darf man nie abgeschrieben werden. Das sieht man gerade bei Gregor Schlierenzauer, der nicht mehr weit entfernt von der Spitze ist. Aber der Sport verändert sich laufend weiter. Die anderen Springer haben sich weiterentwickelt.

Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf?

Der Sport hat sich generell weiterentwickelt, deshalb stehen im Sommer einige Aufgaben für mich an. Über die letzten Jahre haben sich Material und Sprungtechnik verändert. Im Flug habe ich noch extreme Defizite.

Was haben Sie sich für diese Saison vorgenommen?

Die Ergebnisse sind erst mal zweitrangig. Wenn man gute Wettkämpfe bestreitet, kommen die Ergebnisse von alleine. Ich versuche mich zu verbessern und mir über die Wettkämpfe einen Schub für den Sommer zu holen. Und wenn jemandem die Energie ausgehen sollte, dann stehe ich zur Verfügung.

Interview: Julian Nett

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare