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„Meine Skiführung ist deutlich besser geworden.“ Stefan Leyhe.

Skispringen

„Ab September sehnen wir uns nach Schnee“

Skispringer Stephan Leyhe über den neuen Bundestrainer und seine Ziele für diese Saison.

Stephan Leyhe (27) stammt aus dem Willinger Ortsteil Schwalefeld und startet für den SC Willingen. Die größten Erfolge des Skispringers: Dritter bei der Vierschanzentournee 2019, olympisches Silber mit dem Team 2018 und der Skiflug-WM-Titel mit dem Team 2019.

Herr Leyhe, sehnen Sie als Skispringer den Winter herbei oder mögen Sie den Winter nicht?
Ich denke, jeder Wintersportler sehnt sich ab September nach Schnee. Ich habe den Winter schon als Kind gemocht. Aber im April sind Wintersportler auch froh, dass der Schnee wieder geht.

Noch bevor der Winter anfängt, startet für Sie die neue Weltcup-Saison. In vielen anderen Sportarten atmen dann die Athleten auf, denn mit dem Saisonbeginn endet die harte Vorbereitungszeit. Gilt das auch für die Skispringer?
Körperlich ist unsere Vorbereitung nicht so hart, aber vom Kopf her schon. Skispringen ist eine Schnellkraftsportart. Unser Sprung dauert etwa zehn Sekunden und du hast nur diese eine Chance, kannst dich nicht noch mal da oben hinsetzen. Das erfordert eine enorme Konzentrationsfähigkeit, die letztlich auch körperlich anstrengend ist. Abends sind wir öfter total fertig, obwohl wir körperlich wenig gemacht haben.

Bundestrainer Werner Schuster ist weg, Stefan Horngacher ist seit dem Frühjahr da. Wie oft haben Sie seither den neuen Bundestrainer gesehen?
Ich sehe ihn wöchentlich, denn er wohnt bei mir um die Ecke.

Und wie oft haben Sie sich beruflich gesehen?
Auch wöchentlich, denn er macht mit mir jetzt auch das Heimtraining, gemeinsam mit meinem langjährigen Heimtrainer Jens Deimel.

Was hat Horngacher an neuen Impulsen für Sie und das Team mitgebracht?
Er legt noch mehr Wert auf das Athletiktraining. Das muss exakt ausgeführt werden. Generell gilt, alles was wir machen, soll qualitativ hochwertig sein: Lieber einen Moment länger überlegen, was soll ich bei der Übung beachten, als sie einfach nur runter zu rattern. Beim Springen hat der neue Trainer vor allem in der Analyse der Absprungphase seine Stärken.

Hatten Sie beim neuen Trainer schon so eine Art Aha-Erlebnis oder ist alles, was Horngacher einfließen lässt, der lange Weg der kleinen Schritte?
Ich hatte tatsächlich schon ein Aha-Erlebnis gleich im Sommer, aber der Sprung ist leider noch nicht so stabil, wie er sein sollte. Allerdings weiß ich, was möglich ist, wenn ich diesen Sprung reproduzieren kann. In der Weltspitze ist es schwierig, große Schritte nach vorn zu machen. Wenn die kleinen Schritte schon ein, zwei Meter mehr an Weite bringen ist das schon ein Erfolg.

Was soll für Sie in der neuen Saison besser laufen als in der vergangenen?
Der Abschluss... (lacht)

…Sie meinen damit ihren Sturz in Oslo, oder?
Ja. Mein Ziel ist es, im Weltcup in die Top Ten zu kommen und natürlich möchte ich endlich meinen ersten Einzelsieg schaffen.

Was können Sie in der neuen Saison besser als in der vergangenen?
Meine Skiführung ist deutlich besser geworden, ich bin nicht mehr so breit und habe ein besseres Flugsystem.

Andreas Wellinger fällt wegen der Kreuzbandverletzung wohl die komplette Saison aus. Er ist seit Jahren ihr Zimmerkollege. Wird er ihnen fehlen?
Klar, denn wir sind schon ein gut eingespieltes Team auf dem Zimmer, haben den gleichen Rhythmus beim Aufstehen und Schlafengehen. Das hat gepasst. Nun wird vermutlich Richard Freitag mein neuer Zimmerkollege.

Der Saisonauftakt ist am Samstag in Wisla, da haben Sie einen Podestplatz im Einzel zu verteidigen. Ist das ein Ansporn oder erhöht das sogar den Druck?
Nein, das spielt für mich keine Rolle. Wir fangen wieder bei Null an. Aber ich mag diese Schanze.

Interview: Reinhard Schmidt

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