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Artist am Netz: Marcus Böhme streckt sich zum Schmetterball.

Volleyball

Sehnsuchtsort Tokio

Deutsche Volleyballer mit genesenem Georg Grozer im Halbfinale.

Volle Kraft voraus! Nach einer Verschnaufpause wollen die gestärkten deutschen Volleyballer um den zuletzt angeschlagen fehlenden Georg Grozer den vorletzten Schritt auf dem Weg nach Tokio machen. „Es geht ihm zum Glück besser, und wir werden ihn am Donnerstag wieder in der Halle sehen. Dann werden wir das Ding rocken“, kündigte Außenangreifer Christian Fromm voller Zuversicht vor dem Halbfinale in der Olympiaqualifikation am Donnerstag (20.10 Uhr/Sport1) an.

Ein Ausrutscher wird nicht verziehen, nur der Gewinner des Berliner Turniers erfüllt sich den Traum von Olympia. „Jetzt brauchen wir jeden Einzelnen von uns in Topform“, betonte der starke Kapitän Lukas Kampa und bezifferte die Chancen von nun an auf „50:50“.

Grozer ist allerdings der Mann, der die Chancenverhältnisse zu Gunsten seiner Mannschaft verschieben kann. Nach einer Wadenblessur wurde der Modellathlet im letzten, im fünften Satz knapp verlorenen Vorrundenspiel gegen Vize-Europameister Slowenien geschont. Der Diagonalangreifer habe „die Akkus voll“ und werde in der Vorschlussrunde wieder voll da sein. „Er wird doppelt so stark zurückkommen“, glaubt Kampa sogar.

Der äußerlich tiefenentspannte Nationaltrainer Andrea Giani zweifelt ebenso wenig an einer Prachtleistung seines Top-Angreifers im Halbfinale. „Er wird bereit sein“, kündigte der frühere Weltklassespieler an, der selbst fünfmal bei Olympia dabei war. Nach acht Jahren Pause sollen auch deutsche Volleyballer am schillerndsten Sportevent der Welt wieder teilnehmen. „Der Traum ist genau so groß wie 2012“, beschrieb Kampa seine Sehnsucht nach den Sommerspielen.

Kräftig durchrotiert

Deutschland geht zuversichtlich in die K.o.-Runde. Nach zwei Pflichtsiegen gegen Tschechien und Belgien musste sich der EM-Zweite von 2017 den Slowenen erst nach deutlich mehr als zwei Stunden geschlagen geben. „Dass wir hier bis Mitternacht spielen, war vielleicht nicht Teil des Plans“, sagte Kampa lachend. Giani rotierte kräftig, neben dem komplett fehlenden Grozer erhielten auch sein Kapitän und weitere unter Hochbelastung stehende Akteure willkommene Ruhepausen. „Wer weiß, in welchen Situationen wir die Leute noch brauchen“, sagte Kampa.

Es gibt diese Szenarien im Volleyball häufig genug, in denen es einmal für eine Stammformation nicht läuft und der Trainer dann mit personellen Wechseln für Impulse sorgen will. Da ist Spielzeit für die zweite Garde ganz wichtig. Grozers Schattenmann Simon Hirsch etwa war gegen die Slowenen mit 18 Punkten bester deutscher Angreifer. Das Niveau eines Grozer hat der Italien-Legionär zwar nicht, punktuell kann er aber in der K.o.-Runde noch wichtig werden. „So eine Mannschaft braucht natürlich den Georg, er hebt das Team auf ein anderes Niveau“, räumte Hirsch nach seinem Einsatz uneitel ein: „Ich bin dahinter, ich bin bereit.“

Die individuelle Klasse der Franzosen zum Beispiel haben die Deutschen nicht. Mit einer positiven Einstellung auf dem Feld und Zusammenhalt in schwierigen Situationen können Andrea Gianis Männer aber einige Extraprozente Leistung aus sich herausholen. Grozer sagte schon vor dem Turnierstart: „Herz und Kopf müssen funktionieren.“ Dann führt die Reise vielleicht sogar bis nach Tokio. (dpa)

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