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Sehnsucht nach Lob und Titeln

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Von: Frank Hellmann

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Jubelnde „Wölfe“: Marcel Schäfer und Bas Dost.
Jubelnde „Wölfe“: Marcel Schäfer und Bas Dost. © dpa

Wolfsburg will im Auftrag des Geldgebers den DFB-Pokal gewinnen und die Saison halbwegs retten.

Wolfsburg will im Auftrag des Geldgebers den DFB-Pokal gewinnen und die Saison halbwegs retten.

Klaus Allofs kann eine Menge von Pokalendspielen erzählen. Von diesem speziellen Fluidum an einem lauen Mai- oder Juni-Wochenende, wenn der gesamte deutsche Fußball zusammenkommt. „Ein Pokalfinale ist etwas ganz Besonderes“, erklärt der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, „ich habe das ja selbst oft genug erlebt.“ Als Spieler und Manager. Seinen ersten nationalen Titel gewann der damalige Jungprofi Allofs mit Fortuna Düsseldorf 1979 – den DFB-Pokal in zwei Endspiel-Auflagen gegen Hertha BSC. Seinen einzigen Titel mit dem 1. FC Köln holte der Nationalspieler 1983 – den DFB-Pokal gegen den Lokalrivalen Fortuna Köln. Und der Manager Allofs heimste mit Werder Bremen insgesamt drei Titel ein – den DFB-Pokal davon gleich zweimal.

Selten hat man den smarten Macher bei seinem neuen Arbeitgeber glückseliger gesehen als an diesem ungemütlichen Abend des 26. Februar 2013. Und irgendwie erinnerte der 56-Jährige plötzlich an jene freudenstrahlende Figur, die zuletzt 2009 nach einem Bremer Pokalerfolg in einer angesagten Lokalität an der Spree selig lächelnd eine Ansprache hielt. „Natürlich habe ich die mit Werder gemachten Erfahrungen weitergegeben“, erzählte Allofs später, und da wolle er auch mit Wolfsburg hin. Nichts taugt besser als Balsam, um eine enttäuschende Bundesligasaison aufzuhübschen, als dieser Wettbewerb mit seinen sportlichen wie wirtschaftlichen Reizen.

Nun ist Geld wirklich das Letzte, was beim VfL fehlt, aber es gibt eben Dinge, die auch eine generös alimentierte Fußball-Tochter nicht kaufen kann. Anerkennung, Lob und Titel. „Wir hätten unser Image schlagartig wieder verschlechtert, wenn wir das Viertelfinale verloren hätten“, führte Allofs aus, „so haben wir einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Bis wir dahin kommen, wo wir hinwollen, ist es kein Sprint, sondern ein langer Weg.“ Immerhin: Der Erstligist setzte mit dem 2:1 im Viertelfinale beim Drittligisten Kickers Offenbach durch Tore von Ivica Olic (50.) und Bas Dost (71.) genau die richtigen Nadelstiche, um ein Beben auf dem Bieberer Berg zu unterbinden. Laut der öffentlich gewordenen Gehaltsliste kassieren der kroatische Kilometerfresser und der niederländische Sturmhüne immense Bruttosummen im Monat (400.000 respektive 250.000 Euro), die der Autobauer besser rechtfertigen kann, wenn Zählbares herausspringt.

Dost lernt von Diego

Zumal in einem Wettbewerb, den VW seit dieser Saison als Exklusivsponsor noch eigens bezuschusst. VfL-Vizeaufsichtsrat und VW-Kommunikationschef Stephan Grühsem bezeichnet den DFB-Pokal als höchst attraktiv, und offensichtlich ist diese Vorgabe aus dem Konzern überall angekommen. Torjäger Dost etwa berichtete davon, wie ihm die Brasilianer Diego und Naldo vom Bremer Pokaltriumph vorgeschwärmt hätten. „Das wollen wir nachmachen“, sagte der Niederländer.

Der forschen Rhetorik befleißigte sich auch der Trainer. Als beim Fernsehinterview vor Dieter Hecking eine Kopie des mit Turmalinen und Bergkristallen besetzte Pokals stand, zeigte der 48-jährige Fußballlehrer drauf und sprach: „Den wollen wir haben.“ So hatte sich Hecking schon am Montag geäußert und Unverständnis geerntet. „Das ärgert mich. Wir sind im Halbfinale und wollen nach Berlin. Und wenn man es schafft, fährt man nicht hin, um sich die Stadt anzugucken und hinterher dem Gegner zu gratulieren“, betonte er.

Allofs fürchtet sich angeblich nicht einmal davor, dass der Rennfahrer Timo Glock am Sonntag bei der Halbfinalauslosung in der ARD-Sportschau einen Giganten aus dem Glasgefäß fischt. Klar, Bayern München und Borussia Dortmund seien die herausragenden Mannschaften hierzulande, so Allofs, „aber die Geschichte des Pokals hat gezeigt, dass nicht immer die Großen gewinnen. Da muss noch nichts eingraviert werden.“ Käme der Name VfL Wolfsburg auf das Goldstück, wäre das ein Novum. Bei ihrer bislang einzigen Finalteilnahme – 1995 gegen Borussia Mönchengladbach (0:3) – waren die „Wölfe“ ein ziemlich zahnloser Gegner.

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