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Ob Seefeld auch sein Abschied als Bundestrainer wird, lässt Weinbuch offen.

Nordische Ski-WM

Rückkehr als Meistermacher

Hermann Weinbuch holte 1985 in Seefeld Doppel-Gold, nun kehrt er als Meistermacher zurück.

Die letzten Kurven Richtung Gschwandtkopf nimmt Hermann Weinbuch noch immer mit einem Lächeln. „Wenn man dort selbst Weltmeister geworden ist, fährt man immer wieder gerne nach Seefeld“, sagt der Erfolgstrainer der Kombinierer, dessen Karriere eng mit dem idyllischen Ort in Tirol verbunden ist. Nun wartet das nächste Kapitel: Bei seiner vielleicht letzten WM muss der „ewige Hermann“ die Olympiasieger Johannes Rydzek, Eric Frenzel und Co. zurück in die Spur bringen.

„Favoriten sind sicher andere. Wir werden von hinten angreifen“, sagt Weinbuch vor der ersten WM-Entscheidung am Freitag (10.30 Uhr Springen/16.15 Uhr Langlauf/ARD und Eurosport) im SID-Gespräch. Mit dieser Ausgangslage habe sein Team aber „gute Erfahrungen“ gemacht. Denn vor einem Jahr war die Situation ähnlich: Monatelang suchten die einstigen „Dominierer“ ihre Form, räumten dann aber bei Olympia mit dreimal Gold bei drei Starts alles ab.

Im Schatten des Gschwandtkopfes also, dem 1495 m hohen Seefelder Hausberg, soll nun ein ähnlicher Coup gelingen. Genau dort also, wo Weinbuch 1983 sein Weltcup-Debüt gab, 1985 mit Doppel-Gold zum WM-Helden wurde und auch in seinen 23 Jahren als Bundestrainer von Erfolg zu Erfolg eilte. Allein Weinbuchs Vorzeige-Schützling Frenzel feierte in Tirol von 2013 bis 2016 elf Weltcup-Siege in Serie. „Wir haben sehr gute Erinnerungen an Seefeld – ich persönlich, aber auch die anderen Aktiven, allen voran Eric“, sagt Weinbuch.

Jener Frenzel kommt diesmal für Gold aber wohl nicht infrage. „Eric tut sich noch immer schwer“, sagte Weinbuch nach dem letzten Trainingslager. Rekordweltmeister Rydzek dagegen, der in allen vier WM-Wettbewerben als Titelverteidiger startet, hat endlich seine Stabilität gefunden. Weil zudem Fabian Rießle und der zuletzt erkrankte Vinzenz Geiger in Form sind, bleibt Weinbuch Optimist. „Wir wollen drei Medaillen. Und, wenn möglich, sogar bei jedem der vier Wettbewerbe auf dem Stockerl stehen“, sagt der 58-Jährige.

Gerade im Einzel geht der Sieg aber nur über Jarl Magnus Riiber, der Norweger hat 10 der 18 Saisonrennen gewonnen. „Er ist der Favorit. Aber jetzt muss er zeigen, dass er auch bei einer WM ganz oben auf dem Treppchen stehen kann“, sagt Weinbuch. Sollte Riiber schwächeln, daran lässt der DSV-Coach keinen Zweifel, werden Rydzek und Co. zur Stelle sein. Schließlich gilt es, weiter an „Hermanns Denkmal“ zu arbeiten: Unter Weinbuch haben die Kombinierer 17 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen.

Ob Seefeld auch sein Abschied als Bundestrainer wird, lässt Weinbuch derweil offen. Seit 2011 denkt er nur noch von Jahr zu Jahr. „Wir entscheiden das nach der WM“, sagt er. Vor 34 Jahren, ebenfalls in Seefeld, hatte Doppel-Weltmeister Weinbuch sich gegen ein Ende seiner aktiven Laufbahn entschieden und fast schon prophetisch angefügt: „Und danach werde ich Trainer. Ich glaube, ein guter.“ Wie wahr. (sid)

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