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Sebastian Vettel in Bahrain: Ein Crash zuviel?

Formel 1

„Kein Platz mehr für Vettel“

Für Sebastian Vettel war der Blackout in Bahrain wohl einer zu viel. Der Druck auf den Deutschen wächst bei Ferrari.

Auf das Debakel von Bahrain folgte für Sebastian Vettel eine unruhige Nacht – er wusste wohl, was ihn erwartet. Denn schon am Montagmorgen stellte sich ganz Italien die Frage, wofür Ferrari diesen Deutschen eigentlich noch braucht. Vettel „versinkt“, Vettel „enttäuscht“, und nur der Shootingstar Charles Leclerc kann die Scuderia noch strahlen lassen. Nach Vettels Fehler in der Wüste und dem enttäuschenden fünften Rang hat das Ferrari-Land sein Urteil gefällt.

Maranello schaue einer Zukunft entgegen, „in der es keinen Platz mehr für Vettel gibt“, schrieb der große Corriere dello Sport. Und auch für La Repubblica gibt es schon nach dem zweiten Saisonlauf nur noch einen Hoffnungsträger in Rot: „Leclerc ist der wahre Rivale von Lewis Hamilton. Ferrari hat in Bahrain seinen Goldjungen gefunden.“

Vettel selbst hatte den Bahrain International Circuit sichtbar angeschlagen verlassen. Wieder und wieder schossen ihm die Szenen des Großen Preises von Bahrain durch den Kopf. Der selbstverschuldete Dreher im Zweikampf mit dem siegreichen WM-Rivalen Lewis Hamilton, die Unterlegenheit gegen den jungen Teamkollegen Leclerc – all das nagte am viermaligen Weltmeister.

„Ich bin nicht glücklich, und das werde ich auch in der Nacht nicht sein“, sagte der Ferrari-Star. Nach Rang vier beim Saisonstart in Australien ist der Fehlstart in sein fünftes Jahr bei Ferrari perfekt. Der Corriere della Sera schrieb gar von einer „Demütigung“, La Stampa legte ihm populistisch nahe, sich einen Mentalcoach anzuheuern. Und sich den neuen Schnurrbart abrasieren zu lassen.

In ihrer Schärfe variierte die Kritik zwar, der Tenor war jedoch stets identisch: Vettel ist Vergangenheit, die Zukunft gehört Charles Leclerc. Als Dritter war der 21-jährige Monegasse zum tragischen Helden des Abends avanciert, nur ein lahmender Antrieb verhinderte seinen Sieg. „Er ist der moralische Gewinner“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der in Leclerc einen künftigen Weltmeister sieht.

Wolff, Hamilton, Ferrari-Teamchef Mattia Binotto und auch Vettel – alle schwärmten von Leclerc, der in seinem erst zweiten Rennen für die Scuderia nach der Pole auch im Rennen geglänzt hatte. Die warmen Worte nahm dieser dankend an, für Vettel fand er selbige: „Seb ist ein guter Maßstab für mich.“

Und Leclerc eine Gefahr für Vettel. „Es war ziemlich offensichtlich, dass ich nicht das Tempo von Charles mitgehen konnte“, gestand auch Vettel. Die Luft im WM-Kampf ist damit ziemlich früh schon ziemlich dünn für ihn. 22 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Valtteri Bottas hat er bereits, 21 Zähler trennen ihn von Titelverteidiger Hamilton (beide Mercedes). Leclerc hat vier Punkte Vorsprung.

Die Schuld für den jüngsten Rückschlag nahm Vettel auf sich. „Ich muss das erst einmal verdauen. Ich habe Hausaufgaben zu erledigen, denn ich habe nicht das richtige Gefühl für das Auto entwickelt“, sagte Vettel, der schon im Vorjahr durch individuelle Fehler mehrfach Punkte verschenkt hatte.

Der eigene Fauxpas war dabei nicht die einzige Erinnerung an die Schattenseiten der Saison 2018. Ferrari brachte in Bahrain das beste Auto an den Start, auf den Geraden war der SF90 nicht zu schlagen. Doch der neue Wagen ist abermals anfällig. In Australien war das richtige Setup nicht zu finden, nun ließ der Motor den in Führung liegenden Leclerc in der Schlussphase bitterböse im Stich. Es könnte ein langes Jahr für Vettel werden. (sid)

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