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Enttäuscht: Marko Stamm

Schwimm-WM

Nur der Killerinstinkt fehlt

Die deutschen Wasserballer scheitern knapp im WM-Viertelfinale an Kroatien.

Als Mateo Cuk zu Beginn des Schlussviertels zum 7:7 traf, schnupperten die deutschen Wasserballer an der Sensation. Der Weltmeister Kroatien wankte im WM-Viertelfinale in Gwangju, aber er fiel nicht. „Uns hat die Kaltschnäuzigkeit, vielleicht auch der Killerinstinkt gefehlt“, gab Kapitän Julian Real nach der 8:10 (2:1, 1:3, 3:3, 2:3)-Niederlage gegen den Olympiasieger von 2012 zu.

Der 29-Jährige selbst brachte das Team von Bundestrainer Hagen Stamm fünf Minuten vor Schluss noch einmal auf 8:9 heran, doch am Ende setzte sich die Cleverness des Titelverteidigers durch. „Wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat, kann man stolz darauf sein“, meinte Real: „Aber im Moment überwiegt die Enttäuschung.“ Viel fehlte nicht, und die Auswahl des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) hätte zum ersten Mal seit 37 Jahren den Sprung unter die besten Vier der Welt geschafft. 1982 in Ecuador hatte Stamm noch als Spieler dazu beigetragen, dass mit Bronze die bislang einzige WM-Medaille heraussprang.

Zurück in der Weltspitze

Jetzt hat der mittlerweile 59-Jährige in seiner zweiten Amtszeit als Bundestrainer die Sportart aus einer tiefen Krise geholt und die Nationalmannschaft zurück in die Weltspitze geführt. „Wir haben gezeigt, dass wir auf einer Ebene mit den Topteams sind“, meinte Real. Schon in der Vorrunde hatte die DSV-Auswahl den dreimaligen Olympiasieger Italien beim 7:8 am Rande einer Niederlage gehabt.

Gegen Kroatien, „eine Weltauswahl“, so Stamm, war sein Team wieder „ein gleichwertiger Gegner – wir haben uns nicht abschlachten lassen wie die USA und Australien“. Nach dem ersten Viertel führten die Deutschen gar mit 2:1, zur Halbzeit lagen sie nur mit 3:4 zurück. Als Mitte des dritten Durchgangs beim Stand von 3:7 alles entschieden schien, kämpften sich Real und Co. wieder heran.

Platz acht, das beste WM-Ergebnis seit acht Jahren, hat das Stamm-Team bereits sicher. Doch es soll noch mehr werden. „Wir wollen Fünfter werden“, sagte Real. Die Platzierungsrunde beginnt am Donnerstag (7 Uhr) gegen Europameister Serbien.

Viel wichtiger ist aber die Qualifikation für Olympia. „Dafür müssen wir noch eine Schippe drauflegen“, meinte Real. Der Weg nach Tokio 2020 führt über die Europameisterschaft im Januar in Budapest und das Qualifikationsturnier im März in Rotterdam. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir da wieder bei null anfangen“, mahnte Stamm, „aber wenn wir so spielen wie heute, haben wir die Chance, jeden Gegner zu schlagen.“ (sid)

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