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Schwergewicht Sammer

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Von: Markus Lotter

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Matthias Sammer hat alle überrascht.
Matthias Sammer hat alle überrascht. © dpa

Christian Nerlinger ist beim FC Bayern gescheitert. Mit der Wahl von Matthias Sammer ersetzt der FCB das aus den eigenen Reihen stammende Leichtgewicht durch ein Schwergewicht ohne Stallgeruch. So fremd wie Sammer war im Bayern-Vorstand allerdings noch keiner. Kommentar.

Christian Nerlinger ist beim FC Bayern gescheitert. Mit der Wahl von Matthias Sammer ersetzt der FCB das aus den eigenen Reihen stammende Leichtgewicht durch ein Schwergewicht ohne Stallgeruch. So fremd wie Sammer war im Bayern-Vorstand allerdings noch keiner. Kommentar.

Im Mitgefühl um den geschassten Kollegen hat Frank Arnesen wohl eher versehentlich das Problem des geschassten Kollegen offenbart. Christian Nerlinger, sagte der Sportdirektor des Hamburger SV, sei doch ein „guter Junge“, insofern könne er den Personalwechsel beim FC Bayern München überhaupt nicht nachvollziehen. Guter Junge? Immerhin ist Nerlinger 39 Jahre alt.

Vernichtender hätte das Urteil aus der Szene nicht ausfallen können für einen, den Uli Hoeneß vor drei Jahren als seinen legitimen Nachfolger vorgestellt hatte. Für einen, der im Tagesgeschäft die Zukunft des Deutschen Rekordmeisters entscheidend mitgestalten sollte, während Teilzeitruheständler Hoeneß sich im Hintergrund um die Pflege der Partner kümmert.

Streitbarer Kopf statt Spielerflüsterer

Spät, viel zu spät hat der Klubpräsident sich nun diesen Fehlgriff eingestanden und das aus den eigenen Reihen stammende Leichtgewicht durch ein Schwergewicht ohne jedweden Stallgeruch ersetzt. Mann statt Junge. Streitbarer Kopf statt Spielerflüsterer. Matthias Sammer, der in den vergangenen Jahren als Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund viel Positives bewegt, allerdings im Folge seines Flirts mit dem Hamburger SV auch einen heftigen Imageschaden erlitten hat, statt Nerlinger.

Der FC Bayern überrascht mit diesem mutigen Tausch, liefert zugleich einen eindeutigen Hinweis auf ein Umdenken im Klub. Offensichtlich ist man an der Säbener Straße nach zwei von allerlei Enttäuschungen geprägten Spielzeiten zu dem Schluss gekommen, dass so abgegriffene wie bisweilen haltlose Leitsprüche wie „Mia san mia“ oder „Mia san Familie“ bei der Entwicklung einer Vision eher hinderlich denn förderlich sind.

FC Bayern braucht Einfluss von außen

Allen Entscheidungsträgern scheint Folgendes bewusst geworden zu sein: Um mit den dynamischen Dortmundern nicht nur mithalten, sondern sie auch wieder überflügeln zu können, braucht es Einfluss von außen. Die Familie ist nicht mehr genug, um den Angriff der Borussia abzuwehren.

So fremd wie Sammer, der in Dortmund Mitte der Neunzigerjahre (als Spieler) und zu Beginn des neuen Jahrtausends (als Trainer) als Kultfigur gefeiert wurde, war im Vorstand der Bayern allerdings noch keiner.

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