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Alex Alves bei der Hertha in der Saison 2000/2001 (Archivbild).

Ex-Hertha-Spieler Alex Alves

Der schwere Kampf des Dribbelkönigs

Alex Alves ist an Leukämie erkrankt. Der Fußallprofi war von 2000 bis 2003 als erster Brasilianer bei Hertha BSC. Alves besaß ungewöhnliche Fähigkeiten, die er aber in Berlin zu selten abrief.

Von Michael Jahn

Von Alex Alves, 37, war lange Zeit nichts mehr zu hören. Der Brasilianer, einst als Fußballprofi eine verrückte Mischung aus Genie und Wahnsinn, lebte zuletzt in Rio de Janeiro – nicht, wie man annehmen könnte, in einer Luxusvilla, sondern in bescheidenen Verhältnissen. Alves, der von 2000 bis 2003 als erster Brasilianer bei Hertha BSC ein wenig Samba-Fußball nach Berlin brachte und die Fans mit seinen Tricks verzückte, ist an Leukämie erkrankt. Das berichteten am Dienstag die Bild-Zeitung und brasilianische Medien.

Demnach ist der einstige Dribbelkönig, der Herthas Verantwortliche mit zahlreichen Eskapaden in Atem hielt, Anfang Oktober operiert worden. Ihm wurde Knochenmark transplantiert. Zuvor soll er acht Monate eine Chemotherapie bekommen haben, die leider nur teilweise anschlug.

Soweit die schlechten Nachrichten aus Übersee. „Das ist sehr traurig“, sagte Andreas Schmidt, einst Teamkamerad von Alves bei Hertha und heute im Aufsichtsrat, „ich wünsche ihm, dass er wieder völlig gesund wird.“ Schmidt kann sich an zwei Vorkommnisse mit Alves ganz besonders erinnern: „Sein Treffer vom Mittelkreis, der zum Tor des Jahres 2000 gekürt wurde und sein extravaganter Auftritt bei einer Weihnachtsfeier, wo er im schneeweißen Pelz erschien.“

Alves, dessen durchaus erfolgreiche Karriere später außerhalb des Platzes keine Fortsetzung fand, gilt noch immer als der teuerste Einkauf in der Geschichte von Hertha BSC. 15,2 Millionen Mark (rund 7,6 Millionen Euro) überwies der damalige Manager Dieter Hoeneß im Jahr 2000 an Cruzeiro Belo Horizonte.

Alves zuletzt in Griechenland

Alves besaß ungewöhnliche Fähigkeiten, die er aber in Berlin zu selten abrief. Er schwänzte ab und an das Training und erfand die unmöglichsten Ausreden. Einmal war die Parkhausschranke defekt, ein anderes Mal hatte er die Sommerzeit verpasst. Einmal kroch Alves beim MRT aus der Untersuchungsröhre, weil er Hunger verspürte. Im September 2000 jedoch traf er aus dem Mittelkreis aus einer Entfernung von 52,10 Metern ins Tor des 1. FC Köln.

Die negativen Meldungen über den Mann, der mit vollem Namen Alexandre Alves do Nascimento heißt, häuften sich nach seiner Trennung von Ehefrau Nadja Franca, die zuvor einmal mit Ronaldo liiert gewesen war. Diesen privaten Schlag hat er nie verkraftet. Finanziell ging es ihm schlecht. Nun sagte Nadja Franca, mit der Alves die Tochter Alessandra hat, im brasilianischen Fernsehen: „Alex, du kannst immer auf uns zählen.“ Alves’ letzter Klub war der griechische Zweitligist AO Kavala, wo er ein Jahr spielte, ehe er 2009 seine Karriere beendete. Zuletzt war es sein Plan, als Spielervermittler Talente nach Europa zu vermitteln.

Heinz Kressin, einst viele Jahre Angestellter in der Geschäftsstelle von Hertha BSC, chauffierte Alves in dessen Berliner Zeit fast täglich zum Training. Mit ihm hielt Alves losen Kontakt und schenkte ihm die goldene Plakette für das Sensationstor gegen Köln. Die will Kressin nun versteigern und Alves mit dem Erlös unterstützen.

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