1. Startseite
  2. Sport
  3. Sport A-Z

Schweizer Exportschlager: Torhüter

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Yann Sommer vom Fußball-Bundesligsten Borussia Mönchengladbach (re.)
Yann Sommer vom Fußball-Bundesligsten Borussia Mönchengladbach (re.) © dpa

Die Schweizer Torhüter sind absolute Exportschlager ihres Landes. In Yann Sommer, Diego Benaglio, Roman Bürki und Marwin Hitz spielen gleich vier eidgenössische Keeper in der Bundesliga.

Hohe Berge, viel Schokolade und die kleine Heidi. Geht es nach Yann Sommer, dann haben auch länderspezifische Klischees ihren Reiz. Wahrscheinlich auch deshalb steht im neuen Food-Internetblog des Schweizer Nationaltorhüters von Borussia Mönchengladbach das Müsli aus Buchweizenflocken ganz oben auf der Liste. "Vielleicht esse ich es auch fast jeden Morgen, weil es mir ein Stückchen Heimat bringt", meinte Sommer.

Die kulinarischen Erinnerungshäppchen müssen sein - eingelebt hat sich der 26-Jährige nach einem Jahr trotzdem schon prächtig. Sommer gilt wie seine Landsleute und Keeper-Kollegen Diego Benaglio (VfL Wolfsburg), Marwin Hitz (FC Augsburg) und Roman Bürki (Borussia Dortmund) längst als eidgenössischer Exportschlager.

Vier Schweizer Schlussmänner spielen in der deutschen Eliteliga. Und das im selbsternannten Land der Torhüter. Für Gladbachs Sportdirektor Max Eberl ist das kein Zufall. "Die Schweiz hat in den letzten Jahren herausragend ausgebildet. Man sieht, wie sich ihre Spieler nicht nur in Deutschland in den Topvereinen tummeln", sagte Eberl: "Das hat eine Basis."

Das Geheimnis der Torwart-Schule im Land von Wilhelm Tell möchte keiner so recht verraten. "Wir alle waren vielleicht auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort, es hat alles gepasst. Aber die Ausbildung ist natürlich schon ein großer Punkt", sagte der Augsburger Hitz im SID-Interview und lobte Nationalmannschafts-Torwarttrainer Patrick Foletti: "Bei ihm ist viel Abwechslung drin, er achtet auf die Spritzigkeit."

Hitz ganz unaufgeregt

Der Neu-Dortmunder Bürki macht keinen Hehl daraus, dass für ihn ein deutscher Weltmeister Vorbildfunktion besitzt. "Für mich ist Manuel Neuer wegweisend: Er spielt überragend mit, seine fußballerischen Qualitäten sind herausragend", sagte der 24-jährige Bürki dem kicker.

Hitz indes hat einen Platz in den Bundesliga-Annalen bereits sicher. Beim 2:2 gegen Bayer Leverkusen am 21. Februar 2015 war dem 27-Jährigen in der Nachspielzeit der Treffer zum Ausgleich geglückt. Hitz ist damit nach Jens Lehmann (1997) und Frank Rost (2002) erst der dritte Keeper in der Bundesliga-Geschichte, dem aus dem Spiel heraus ein Tor gelang.

Es passte irgendwie ins klischeehafte Bild, dass Hitz den besonderen Tag auf eidgenössische Art ganz unaufgeregt ausklingen ließ. "Feiern wäre erlaubt gewesen, aber ich habe den Abend mit meiner Familie verbracht", berichtete der Stoiker aus St. Gallen.

Auch Gladbachs Coach Lucien Favre, selbst ein Schweizer, lag mit der Entscheidung pro Sommer goldrichtig. Nach dem Wechsel von Marc-André ter Stegen zum FC Barcelona musste eine neue Nummer eins her. "Zwei deutsche Goalies standen zur Debatte - und Sommer. Ich sagte: Sommer habe ich einmal live gesehen, da reichten mir 30 Minuten", berichtete Favre dem Tagesanzeiger.

Zum Inventar von Vizemeister Wolfsburg gehört längst Kapitän Benaglio. Noch acht Spiele fehlen dem 31-Jährigen aus Zürich, um mit dann 232 Einsätzen neuer VfL-Rekordspieler in der Bundesliga zu werden. "Das macht mich stolz. Es ist keine Selbstverständlichkeit im heutigen Fußballgeschäft, dass man mehr als 200 Spiele für einen Klub macht", sagte Benaglio.

Ein Grund für die Stärke der Profis aus dem Nachbarland ist sicher auch die seit 1998 konsequent umgesetzte Nachwuchsförderung des Schweizerischen Fußballverbands (SFV). Sobald ein Klub die Auflagen erfüllt, bekommt er ein sogenanntes Label - und danach gezielte Subventionen. Pro Jahr betragen die vom SFV verteilten Förderbeiträge umgerechnet insgesamt rund 4,3 Millionen Euro. (sid)

Auch interessant

Kommentare