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Fleißig und außergewöhnlich begabt: Konstanze Klosterhalfen.

Leichtathletik-WM 

Konstanze Klosterhalfen: Die schwebende Rennmaschine

Die Leichathletin aus Leverkusen will und kann ganz vorne mitlaufen.

Wenn die Scheinwerfer angehen und der Startschuss knallt, wird aus der sonst so zurückhaltenden Konstanze Klosterhalfen eine Rennmaschine. Dann zeigt die immer noch erst 22-Jährige, warum sie als neuer Stern am deutschen Leichtathletikhimmel gilt. Die zierliche Läuferin versteckt sich nicht, rennt frech und lässt sich auch von großen Namen nicht einschüchtern. Die WM soll jetzt zur Bühne ihres endgültigen Durchbruchs werden.

„Ich will einfach gut laufen und werde alles geben“, sagte Klosterhalfen, die zuletzt fünf Wochen lang in den Schweizer Bergen am WM-Feinschliff arbeitete, dem Fachmagazin „Leichtathletik“. Doch über welche Strecke wird das „German Wunderkind“ die Weltelite weiter aufmischen – 1500 oder 5000 Meter? Daraus macht der Shootingstar bis zum Schluss ein Geheimnis. „Ich weiß es noch nicht“, sagte Klosterhalfen, die Vorläufe über beide Strecken stehen am Mittwoch auf dem Programm: „Wir werden kurzfristig entscheiden“. Pokern bis zum Schluss – aber spätestens 24 Stunden vorher muss die Wahl feststehen.

Rekord folgt auf Rekord

So oder so: Erwischt die Leverkusenerin einen Sahnetag, zählt sie zu den Medaillenanwärterinnen. Nachdem deutsche Läuferinnen über die Mittelstrecken in der Welt stets abgehängt wurden, kann es Klosterhalfen jetzt mit den starken Afrikanerinnen aufnehmen. Drei deutsche Rekorde (Meile, 3000 und 5000 Meter) verbesserte sie in diesem Sommer, sorgte auch bei den Topmeetings der Diamond League für Aufsehen und sammelte so noch einmal Selbstvertrauen. Doch das reicht der ehrgeizigen Klosterhalfen nicht, sie will „weiter nach vorne laufen.“

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Auf ein ganz neues Niveau hievte sich Klosterhalfen durch ihren Wechsel in die USA. Seit dem vergangenen Jahr trainiert sie beim umstrittenen Nike Oregon Project ihres Ausrüsters. Gegen dessen Chefcoach Alberto Salazar ermittelt die US-Antidopingbehörde Usada. Klosterhalfen, die selber unter Pete Julian trainiert, begegnet dem aufkommenden Misstrauen offensiv-verständnisvoll.

Ein historisches Talent?

„Wer negativ darüber redet, soll sich vor Ort ein eigenes Bild machen“, sagte Klosterhalfen. Sie verweist auf optimales und innovatives Training, beste Bedingungen für die Athleten, ein Rundum-Sorglos-Paket eben: „Oregon war ein wichtiger Schritt, ein Glücksfall für mich.“

Experten halten Klosterhalfen, die früher auch Ballett gemacht hat und geturnt ist, die Querflöte und Klavier spielen kann sowie früher schon als Model und in ihrer Heimatgemeinde Bockeroth als Ministrantin gearbeitet hat, schon lange für das womöglich größte nicht in Afrika geborene Talent der Geschichte. „Sie läuft ganz leise, das ist auffällig, man hört ihre Schritte nicht auf der Bahn, es ist, als ob sie schwebte“, sagte ihr Trainer Julien dem „Spiegel“.

Die Leichtathleitk-WM in Doha soll der nächste Schritt auf dem Weg nach oben werden. „Es fühlte sich auf jeden Fall gut an, vorne ein bisschen was ausrichten zu können“, sagte Klosterhalfen, die zierliche Rennmaschine. (sid)

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