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Unvergessene Szenen: Bayern-Keeper Kahn wird in Freiburg von einem Golfball am Kopf getroffen.

DFB-Pokal

Schützenswert

Das Pokalspiel zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig sorgt weiter für Diskussionen. Es gibt Gründe für ein Wiederholungsspiel, aber entscheiden muss der DFB. Ein Kommentar.

Von Manuel Schubert

Sicher, es gab schon weitaus hässlichere Szenen. Unvergessen ist etwa der 12. April des Jahres 2000, als der langjährige deutsche Nationaltorhüter Oliver Kahn von einem Golfball getroffen wurde, der eine klaffende Wunde in seine Stirn riss. Kahn spielte weiter. Knappe fünf Jahre später bekam der Hamburger Alexander Laas einen Trommelstock an die Schläfe. Fast ein wenig rührend war es, als der hünenhafte Daniel van Buyten Teamkollege Laas wie ein Baby anhob und zu den Mannschaftsärzten trug.

Ist Schiedsrichter Martin Petersen nun ein Weichei, weil er das Pokalspiel zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig beendete, da ihm ein Zuschauer „nur“ ein rotes Feuerzeug an den Kopf geworfen hatte? Weil er „nur“ eine leichte Gehirnerschütterung erlitt? Ganz sicher nicht. Denn Petersen hat nichts anderes getan, als dass er die DFB-Statuten befolgt hat: Der Schiedsrichter wird nicht angegriffen. Nicht von einem Spieler. Nicht von einem Zuschauer. Nicht von irgendwem sonst. Punkt.

Es gibt genügend Aspekte, die für ein Wiederholungsspiel sprechen. Die Tatsache etwa, dass der Drittligist Osnabrück gegen den Zweitligisten Leipzig überlegen war und nun von einem einzigen Idioten um den Sieg gebracht worden ist. Oder auch das Angebot des Leipziger Trainers und Sportdirektors Ralf Rangnick, der offerierte, die Partie zu wiederholen. Doch über all dem schwebt nunmal der besondere Status des Schiedsrichters. Der Unparteiische ist vom Anpfiff bis zur Nachspielzeit zu schützen. Wo käme man denn hin, wenn ein Referee aus Angst gezwungen wäre, die beiden Mannschaften mit unterschiedlichem Maß zu bewerten? Oder wenn er sich am Ende gar nicht trauen würde, sich dem Fanblock überhaupt zu nähern? Wer weiß, ob Petersen nicht noch ein zweites Mal beworfen worden wäre. Oder ein drittes Mal. Wenn die Atmosphäre wirklich so aufgeheizt war, wie Rangnick sagte, wenn tatsächlich Feuerzeuge, Bierbecher und andere Gegenstände von der Tribüne auf die Leipziger Spieler herabregneten – dann gleicht es einem Wunder, dass nicht noch mehr Leute verletzt wurden.

Daher ist auch das Angebot der Leipziger kaum erwähnenswert. Zumal dem von Brausemilliardär Dietrich Mateschitz gepamperten Verein klar sein dürfte, dass die Wahrscheinlichkeit eines Wiederholungsspiels gegen null tendiert. Aber es sieht natürlich gut aus und verleiht dem Kommerzclub ein wenig Menschlichkeit ein. Wie gering das Standing von RB in Deutschland aber immer noch ist – das haben die Vorfälle von Osnabrück wieder einmal bewiesen.

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