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"Schüttelteller" soll sogar Astronauten fit halten

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Das Power Plate ist ein Fitnessgerät, das seinen Nutzer in Vibrationen versetzt. Übungen darauf sind intensiver als im ungerüttelten Zustand.
Das Power Plate ist ein Fitnessgerät, das seinen Nutzer in Vibrationen versetzt. Übungen darauf sind intensiver als im ungerüttelten Zustand. © Power Plate

Der "Power Plate" vibriert 20 bis 50 Mal pro Sekunde in drei verschiedene Richtungen. Die Kräfte, die so auf den Körper wirken, sollen den Trainingseffekt von Übungen steigern, verspricht die Herstellerfirma. Doch Wissenschaftler warnen vor möglichen Schäden wie Knorpelverschleiß und Augenproblemen.

Von Carla Johnson

Chicago (ap) Die Fitnessmaschinen sollen ein wahrer Segen für die Menschheit sein sagen zumindest die Hersteller: Sie sollen die Flexibilität und Kraft des Körpers verbessern, Schmerzen verschwinden lassen, Muskeln auf- und Stress abbauen und sogar Osteoporose bessern. Der Nutzer muss sich nur auf die Vibrationsmaschinen stellen und dort leichte Übungen wie etwa Kniebeugen absolvieren, während derer er ordentlich durchgerüttelt wird.

Die Geräte, die in den USA reißenden Absatz finden, werden inzwischen auch in Deutschland angeboten. Viele Nutzer zieht vor allem die Zeitersparnis an: Denn 20 Minuten auf dem Gerät sollen angeblich ebenso intensiv sein wie eine Stunde normales Körpertraining. Das klingt für viele Menschen attraktiv, von Berufstätigen mit chronischem Zeitmangel über Mütter von Kleinkindern bis hin zu all jenen, die Bewegung scheuen. "Ich fühle mich wacklig, als ob ich aus einem Boot steige, aber angenehm", sagt die 40 Jahre alte Amy Allen nach 25 Minuten auf dem "Power Plate", einem Gerät der oberen Preisklasse. "Vielleicht werde ich damit meine überflüssigen Pfunde los", hofft die berufstätige Mutter aus Chicago.

Der "Power Plate" vibriert 20 bis 50 Mal pro Sekunde in drei verschiedene Richtungen. Dies erhöhe die Beschleunigungskräfte auf den Körper und steigere damit den Trainingseffekt von Übungen, verspricht die gleichnamige Herstellerfirma, deren Modelle in Deutschland zwischen 3.000 und 15.500 Euro kosten. Dauer und Intensität der Vibrationen lassen sich per Regler steuern, zwei Griffe bieten dem Nutzer Halt. "Man merkt gar nicht, wie hart man trainiert, aber dann läuft der Schweiß, und wenn die Vibrationen stoppen, fühlt man es in den Beinen oder im Oberkörper", sagt Michaela Zakheim, die das Gerät für ihr Fitnesscenter erworben hat.

Inzwischen bieten Dutzende Hersteller solche Maschinen an. Das Unternehmen Soloflex aus Oregon hat nach Angaben seines Gründers Jerry Wilson in knapp drei Jahren mehr als 30.000 seiner Skateboard-großen Rüttelgeräte verkauft. Die haben zwar keine Griffe zum Festhalten, kosten dafür aber auch nur umgerechnet 220 Euro. "Wir haben Rückmeldungen bekommen, dass es Menschen mit Inkontinenz hilft", erzählt Wilson. "Ihre Schmerzen sind verschwunden, sie sind stärker, sie schlafen besser. Es ist die gleiche Wirkung, als ob sie ein Bewegungstraining begonnen hätten." Selbst die US-Weltraumbehörde NASA erprobt die Einsatzmöglichkeiten. Die Vibrationen könnten in der Zukunft Astronauten in der Schwerelosigkeit des Alls vor Muskelatrophie und Knochenschwund schützen. Eine Studie der NASA im Johnson Space Center bestätigt, dass die Muskeln bei Übungen auf dem vibrierenden Gerät mehr arbeiten. "Die Vibration funktioniert, aber wir müssen noch herausfinden, wie man das am besten nutzt", sagt Bill Amonette von der Universität Houston, der die NASA-Studie leitete. "Und das wird noch ein paar Jahre dauern."

Die Versprechungen der kommerziellen Hersteller betrachtet Amonette mit Skepsis: "In der Werbung behaupten sie manchmal Dinge, die nicht unbedingt stimmen." Forscher wie Amonettes Kollege Andrew Abercromby befürchten sogar, dass die Schwingungen mit der Zeit den Körper schädigen könnten: "Ich glaube, dass das Urteil dazu noch aussteht."

Warnung vor Nebenwirkungen

Auch Clinton Rubin von der Universität von New York in Stony Brook sieht die Entwicklung mit Sorge. Der Biomediziner hat "Power Plate" aufgefordert, seine Forschungsergebnisse nicht mehr für ihre Werbung zu verwenden. Seine Studien haben dazu geführt, dass die US-Behörde FDA ein Vibrationsgerät zur Prävention und Behandlung von Osteoporose zuließ. Aber dieses Gerät hat laut Rubin wesentlich sanftere Schwingungen. "Power Plate", so vermutet der Wissenschaftler, könne dagegen zu Rückenschmerzen, Knorpelschäden, Augenproblemen, Hörverlust und sogar zu Hirnschäden führen. "Ich denke, man übersieht hier die Gefahr regelmäßiger Nutzung", sagt Rubin. "Ich bin Wissenschaftler und sorge mich darum, dass Menschen das Gerät auf Basis einer Verdrehung wissenschaftlicher Erkenntnisse verwenden."

Allen Versprechungen zum Trotz schließen offenbar auch die Hersteller selbst ungünstige Nebenwirkungen ihrer Geräte nicht aus: So rät "Power Plate" schwangeren Frauen grundsätzlich von der Nutzung ab, außerdem Menschen mit Netzhautablösung, Blutgerinnseln, Knochentumoren und anderen Gesundheitsproblemen. Soloflex rät seinen Kunden, den Apparat maximal 30 Minuten täglich zu benutzen.

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