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Lindert er  Englands Schmerzen? Andy Murray.
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Lindert er Englands Schmerzen? Andy Murray.

Britanniens Hoffnungsträger

Ein Schotte tröstet England

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
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Andy Murray steht im Viertelfinale des Rasenturniers von Wimbledon. Dass der unsentimentale Schotte einmal den Seelentröster spielen würde fürs Vereinigte Königreich, hätte er sich wohl kaum träumen lassen. Von Barbara Klimke

Er war beruhigend mürrisch, so wie immer. Er lachte nicht, er scherzte nicht und antwortete auf Komplimente mit "vielleicht" und "ähem". Aber dass sich Andy Murray plötzlich zum Tennisclown wandelt, erwarten die Briten auch nicht. Es reicht, wenn er einer vom englischen Fußballteam schwer enttäuschten Nation zum Tränentrocknen gewissermaßen ein weißes Taschentuch reicht.

Andy Murray steht im Viertelfinale des Rasenturniers von Wimbledon, zum dritten Mal in Serie. Nie zuvor hat er zu diesem Zeitpunkt so dominiert, denn er hat sich durch alle vier Matches ohne einen Satzverlust geschlagen, ein Kunststück, das in diesem Sommer weder dem sechsmaligen Champion Roger Federer noch dem Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal gelang. Nach dem WM-Aus der Engländer lösten Murrays magische Momente einen kollektiven Seufzer bei den Zuschauern aus, die sich vor der Riesenleinwand auf dem Hügel der Tennisanlage versammeln, der inoffiziell "Murray Mount" heißt.

Dass Murray, ein ganz und gar unsentimentaler Schotte, einmal den Seelentröster spielen würde für die Sportsfreunde im Vereinigten Königreich, hätte er sich wohl kaum träumen lassen. Vor vier Jahren hatte er noch das Volk entzweit, als er anlässlich der WM flapsig bemerkte, er halte für jeden, wenn es nur nicht Englands Elf sei. Es gibt Teile im Süden der Insel, da galt das als Landesverrat. Diesmal erklärte er artig, dass er selbst enttäuscht sei, sich sonst aber auf sein Spiel konzentriere.

Davon, dass sich auf der Insel nun alle Erwartungen auf ihn konzentrierten, dass in jeder Nachrichtensendung sein Gesicht erscheint, bekommt er nicht viel mit: "Wenn das Turnier anfängt, lese ich keine Zeitungen mehr und interessiere mich auch sonst nicht für die Medien. Das ist es einfach nicht wert", sagte er. "Es ist eine Ablenkung, von der ich mich möglichst fernhalten will."

Es ist eine Haltung, für die jeder Brite, der sich im Entferntesten für gelbe Filzbälle, grünen Rasen und rote Erdbeeren interessiert, volles Verständnis aufbringt. Denn auf einen Wimbledontriumph im Männer-Wettbewerb warten die Engländer noch länger als auf den WM-Sieg im Fußball, nämlich nicht 44, sondern nunmehr 74 Jahre. Der letzte Champion war 1936 Fred Perry. Wie desolat die Situation auf der Insel mittlerweile ist, beweist der Fakt, dass sich von den acht britischen Tennisspielern, die vergangene Woche zum Turnier antraten, sieben schon der ersten Runde vom Rasen kegeln ließen.

Der letzte Aufrechte ist Murray, aber er hatte es schon 2009 bis ins Halbfinale geschafft. Er ist erst 23 Jahre alt, und John McEnroe versuchte zuletzt, die übertriebenen Hoffnungen einzuschränken: Mit Murrays erstem Grand-Slam-Erfolg, glaubt der amerikanische Altmeister, sei erst bei den US Open im kommenden Jahr zu rechnen. "Jeder hier wünscht sich den Sieg, und Andy kennt das", sagte McEnroe. "Er ist ein legitimer Herausforderer, aber es wird von Jahr zu Jahr schlimmer, weil die Erwartung weiter steigt."

Heimspiel in London SW 19

Murray, ein hochgewachsener, drahtiger Akteur, leugnet nicht, dass er die Last auf seinen Schultern spürt. Aber er hat eine Methode entwickelt, sie abzuschütteln und tritt seitdem viel befreiter auf: "Die Leute reden immer über den Druck und die Erwartungen für alle, die in Wimbledon spielen", sagte er vor dem Viertelfinale am Mittwoch gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga. Er selbst hat sich angewöhnt, stattdessen von einer Heimpartie zu sprechen. "Meiner Art zu spielen, kommt das entgegen, und ich fühle mich wohl auf dem Platz."

Wohler jedenfalls als auf jedem anderen Court der Welt, auf dem er seit seiner Finalniederlage zu Jahresbeginn bei den Australian Open gegen Roger Federer angetreten ist. Er hat danach eine Zeit lang mit sich selbst gehadert, aber gegen Tsonga, gegen den er 2008 im Erstrundenspiel in Melbourne verloren hatte, wird er auf der Höhe seines Könnens sein.

Und wie immer, wenn er spielt, werden selbst die Damen und Herren in der Royal Box ihre Teatime unterbrechen, auf Earl Gray, Gurkensandwiches und Erdbeeren verzichten und sich auf der Tribünenplatz einfinden. Eine größere Hoffnung als Andy Murray finden Englands Sportfreunde in diesem Sommer nicht.

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